Digitalisierung und Medien / Gesundheit

Was macht das Internet: gesund, krank – oder einfach nur die Psychiater verrückt?

Eine Jugendliche hält ein Smartphone in der Hand, über dem Icons mit einem Herz, einer Sprechblase und einem Daumenhoch schweben
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Macht das Internet süchtig? Jan Kalbitzer, Psychiater und seit 2016 einer der wissenschaftlichen Leiter des Ladenburger Kollegs „Internet und seelische Gesundheit“ der Daimler und Benz Stiftung plädiert dafür, wesentliche menschliche Grundfertigkeiten zu fördern, statt bei jedem neuen Fortschritt kollektiv in Panik zu verfallen. Mit diesem Thema beschäftigt er sich in einem Vortrag, den der Deutsche Stifterverband nun im Think & Do-Podcast veröffentlicht hat.

Krankheitsbild „Internet-Spielsucht“

Nun ist es amtlich: Das Spielen im Internet kann süchtig machen. So steht es zumindest in der allerneusten Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten. Doch die Einführung des weltweit definierten Krankheitsbildes „Internet-Spielsucht“ ist nicht nur ein Erfolg derer, denen die Gesundheit besonders von Kindern im Umgang mit neuen Technologien ein ernsthaftes Anliegen ist – sondern ebenso ein Erfolg jener, die voreilig und irrational sind.

„Internet und seelische Gesundheit“

Psychiater haben immer wieder Diagnosen erfunden, die rückblickend falsch waren – allerdings zum Zeitpunkt ihres Entstehens gut für die eigene wissenschaftliche oder klinische Karriere. Im Zuge der Digitalisierung, die für viele Menschen mit großer Verunsicherung einhergeht, besteht die Gefahr, dass das Entstehen neuer Krankheitsbilder exponentiell zunimmt. Diesen Auswüchsen stellt sich der Psychiater Jan Kalbitzer entgegen: Er plädiert dafür, wesentliche menschliche Grundfertigkeiten zu fördern statt bei jedem neuen Fortschritt kollektiv in Panik zu verfallen.

Zur Person: Dr. Jan Kalbitzer studierte Medizin und Philosophie in Freiburg, Hannover und Haifa und promovierte in Kopenhagen sowie Oxford. Es folgte die Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, anschließend eine wissenschaftliche Tätigkeit an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. 2015 erhielt er für seine Forschung zu den Auswirkungen des Internets auf die Psyche den Max Rubner-Preis, seit 2016 ist er einer der wissenschaftlichen Leiter des Ladenburger Kollegs „Internet und seelische Gesundheit“ der Daimler und Benz Stiftung.

Podcast

Der Vortrag wurde im Rahmen einer Veranstaltung der Daimler und Benz Stiftung am 11. Dezember 2018 im Daimler-Benz-Museum in Stuttgart mitgeschnitten und steht als Podcast zum Nachhören zur Verfügung. Der Think & Do-Podcast ist das Audio-Magazin des Stifterverbandes mit Einsichten und Ansichten zu Bildung, Wissenschaft und Innovation.

Quelle: Deutsches Stiftungszentrum vom 30.01.2019

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