Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Unbekanntes Terrain: Internetnutzungsverhalten von 6- bis 12-Jährigen bisher wenig erforscht

So lautet wohl das wichtigste Fazit der medien impuls-Veranstaltung zum Thema „Digitalisierung sozialer Beziehungen – Wie Social Communities die Kindheit verändern“ am 23. September in Berlin

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Dreimal jährlich findet die medien impuls-Veranstaltungsreihe der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) statt. Die Tagung zum Thema Kinder-Communities wurde mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW) realisiert.

Social Communities gehören zum Alltag fast aller Jugendlichen. Sie vernetzen sich fleißig im World Wide Web, knüpfen und halten Kontakte in der virtuellen Welt. Aber auch Social Communities, die speziell für die Zielgruppe der 6- bis 12-Jährigen gestaltet und strukturiert sind, werden immer beliebter. Die sogenannten Kinder-Communities machen die Webeinsteiger mit altersgerechten Funktionalitäten des Internets vertraut, bieten vielfältige Unterhaltungs- sowie Informationsmöglichkeiten und laden ein, einen Großteil der Freizeit in virtuellen Räumen gemeinsam mit Gleichaltrigen zu verbringen. Aber welche Bedeutung hat diese frühzeitige Vernetzung für die jüngste Internetgeneration? Welche Auswirkungen zeigen sich im Familienalltag und welche Folgen hat die Verknüpfung realer und virtueller Beziehungen auf die kindliche Identität selbst? 


Anhand von Vorträgen wurde zunächst versucht, das Feld der Nutzung von Online-Community-Angeboten durch jüngere Kinder zu beleuchten und mit Hilfe aktueller Forschungsergebnisse empirisch zu untermauern. Frau Dr. Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut Hamburg konnte aufzeigen, dass das Angebotsspektrum für Kinder zwar groß, aber gleichzeitig auch intransparent und kaum untersucht ist. Ihrer Meinung nach ist auch die Altersstufenspanne der Angebote zu groß, da Präferenzen und Medienkompetenzen eines 6-Jährigen nicht vergleichbar mit denen eines 10‑Jährigen sind. Zudem wies Sie darauf hin, dass es schwierig sei, überhaupt wissenschaftliche Daten zum Onlineverhalten von unter 12-Jährigen zu finden – die meisten Studien aus dem Medienbereich erheben Nutzer ab dem Teenageralter.

Aus medienpädagogischer und familiensoziologischer Sicht rückte zudem die Veränderung der kind­lichen Identität in den Mittelpunkt. Mit eben diesem Aspekt der Kinderkultur befasste sich Professor Dr. Burkhard Fuhs (Universität Erfurt). Er führte aus, dass Medien und gerade Community-Angebote kein Substitut zu sozialen Kontakten – zumindest für Kinder – darstellen. Vielmehr würden sich die Jüngsten mit ihren Freunden aus dem bekannten Umfeld vernetzen und eher Kontaktpflege als -knüpfung betreiben – so ändere sich „lediglich“ die Kommunikation. Er merkte weiterhin an, dass sich die kindliche Identität schon immer neuen Herausforderungen habe stellen müssen – die moderne Gesellschaft mache keine festen Regeln und Schutzmechanismen für die kindliche Entwicklung möglich. Demnach wandeln sich Kinderfreundschaften oder die Peer-Kommunikation im Zuge der dynamischen Schnelllebigkeit des Internets nahezu automatisch.

In der abschließenden Podiumsdiskussion setzten sich schließlich Vertreter aus Sozialwissenschaft, Medienpädagogik und Politik damit auseinander, wie man den Prozess der Veränderung kindlicher Medien- und Lebenswelten sinnvoll begleiten könnte. Dazu standen neben Professor Dr. Kaminski (Fachhochschule Köln) auch Aydan Özoguz (MdB) und Achim Lauber (Erfurter Netcode e.V.) Rede und Antwort. Frau Özoguz berichtete, dass die Relevanz von Medienkompetenz in der Politik erkannt werde und vor kurzem dazu eine eigene Arbeitsgruppe in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ geschaffen worden sei. Professor Kaminski äußerte sich hingegen kritisch zur Realisierung einheitlicher Regeln und Vorschriften der Online-Nutzung von Kindern. Er wies darauf hin, dass das Online-Verhalten stark, bezogen auf das soziale Umfeld oder das Geschlecht, differiert. Dennoch oder gerade deshalb kündigte der Erfurter Netcode an, Qualitätskriterien zur Nutzung von Social Communities für Kinder zu erstellen, um einen Grundstein für Problemlösungsstrategien, allgemeingültige Richtlinien und zur Orientierung zu legen.

Quelle: Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW)

ch

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