Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

„smart macht mobil“: Relevanz für Medienbildung nimmt immer stärker zu

Smartphone Apps
Bild: geralt / pixabay.com

Die steigende Relevanz der neuen Medientechnologien für die Medienbildungsarbeit, gerade durch die mobile Mediennutzung, wurde in Nordhausen am 15. September 2014 intensiv bei einer Thüringer Fachtagung hinterfragt.

Zur Veranstaltung hatten TLM, Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, Erfurter Netcode e. V., Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen e. V., Landesfilmdienst Thüringen e. V. sowie Universität Erfurt eingeladen.

„Für eine angemessene Medienbildungsarbeit ist es unabdingbar, die für Erwachsene oft unverständliche (mobile) Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen zu analysieren, verstehen zu lernen und gemeinsam einen sinnvollen, sicheren und kreativen Einsatz sowohl im Alltag als auch in der Schule oder anderen Bildungseinrichtungen zu verhandeln.“ Mit dieser Kernaussage leitete der Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, Jochen Fasco, die gemeinsame Fachtagung „smart macht mobil“ ein.

Der Einladung zu der spannenden Tagung, bei der die mobile Mediennutzung aus medienpädagogischer, technologischer und rechtlicher Perspektive beleuchtet sowie aktuelle Trends in der (mobilen) Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen aufgezeigt wurden, folgten ca. 120 Interessierte.

Prof. Dr. Nicola Döring (Technische Universität Ilmenau) stellte den „Selfie-Boom“ bei Jugendlichen, die Leidenschaft, in allen Lebenslagen Handy-Kamera-Schnappschüsse zu schießen und diese über Smartphone-Apps zu publizieren bzw. zu teilen, sowie das Phänomen des „Sextings“ dar. Dabei betonte sie, dass dies nicht als Fehlverhalten von Jugendlichen abgetan und verhindert werden darf. Vielmehr muss ernst genommen werden, dass das Smartphone von Jugendlichen genutzt wird, um zentrale Entwicklungsaufgaben der Pubertät zu bearbeiten, nämlich Geschlechterrollen sowie romantische und sexuelle Beziehungen zu erproben.

Im Anschluss an die sozialwissenschaftliche Perspektive machte Prof. Dr. Christoph Igel (UTUCed – TU Chemnitz education & Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) deutlich, dass die mobilen Technologien ein Baustein intelligenter Wissensdienste sind. Er sprach sich für intelligente Bildungsnetze für Hochschulen, personalisierte Wissensdienste in der beruflichen Qualifizierung, Tablets, Chromebooks und Smartphones von der Grundschule bis zum Abitur aus. Trotz hoher Komplexität, steigender Kosten, motivationaler Trigger-Effekte, der Gefahr der digitalen Spaltung sowie des Missbrauchspotenzials des Internets muss ein technologieunterstütztes Lernen, Lehren und Prüfen, E-Learning, das Ziel einer zukunftsorientierten Medienbildung sein.

Das Für und Wider mobiler Medien wurde dann in sechs thematischen Workshops diskutiert. Die vielseitigen (medien-)pädagogischen Potenziale von Smartphone, Tablet und Apps belegen verschiedene Best-Practice-Beispiele, z. B. das Smartphone-Projekt „Daumenkino 2.0“ oder der Tablet-Einsatz im Unterricht in einer Thüringer Grundschule. Dennoch sind rechtliche Rahmenbedingungen, Gelingensbedingungen und mögliche Fallstricke für den pädagogischen Einsatz von mobilen Medien in schulischen wie außerschulischen Kontexten stets zu beachten.

Insgesamt steht der flächendeckende und umfassende Einsatz der neuen Technologien in der Medienbildung noch am Anfang. Mit Mut und Fingerspitzengefühl kann das Potenzial der mobilen Medien für den Prozess des lebenslangen Lernens aber jetzt schon erfolgreich genutzt werden.

Quelle: Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) vom 01.10.2014

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