Beteiligungsplattform

Onlinekonsultation zur Digitalisierung der Kinder- und Jugendhilfe

Grafik mit einem Netz aus Digitalisierungssymbolen
Bild: rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Im Rahmen einer Onlinekonsultation stößt die Bertelsmann Stiftung mit Fachkräften und Expert(inn)en des Arbeitsfeldes eine dringend notwendige Debatte über offene Fragen der Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe an. Auf der Plattform Jugendhilfe weiterdenken geht es um die Frage, welche innovativen Kommunikations- und Zugangswege der Jugendhilfe in Zukunft erprobt und ausgebaut werden könnten.

Wie soll die Kinder- und Jugendhilfe der Zukunft aussehen, wenn sie die derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen ernst nimmt, digitale Perspektiven für sich und ihre Klientel emanzipatorisch aufgreift, ihre Angebotsstrukturen weiterentwickelt und dennoch ihre bisherigen Werte und erfolgreichen (analogen) Formen wahrt?

Zu dieser Frage führt das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ der Bertelsmann Stiftung mit Fachkräften der Jugendhilfe und weiteren Expertinnen und Experten im Arbeitsfeld in den nächsten Wochen einen Beteiligungsprozess auf der Plattform Jugendhilfe.weiterdenken.online durch. 

Welche digitalen Kommunikations- und Zugangswege soll die Kinder- und Jugendhilfe der Zukunft erproben und ausbauen? Bevor sich das Projekt dieser Leitfrage widmet, stellt es zu Beginn drei – nicht weniger kleine – offene Eingangsfragen:

1. Welche Lehren aus der Corona-Krise können für die Digitalisierung der Kinder- und Jugendhilfe gezogen werden?

Die Corona-Krise hat die Kinder- und Jugendhilfe vor zahlreiche Herausforderungen gestellt und tut es auch heute noch. Besonders eindrücklich hat sich dies vor allem in Zeiten des Lockdowns gezeigt – diese Krise bietet daher auch einen ersten Anlass, Lehren für die Zukunft zu ziehen. Das Projektteam möchte daher wissen: Wo hat die Digitalisierung neue Zugangs- und Kommunikationswege eröffnet, wo gibt es aber noch deutliche Bremsklötze und Handlungsbedarf?

2. Wie müssen die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe der Zukunft aufgestellt sein, um die Chancen der Digitalisierung besser wahrzunehmen?

Chancen der Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe werden häufig mit der Idee der Niedrigschwelligkeit versehen. Diese allerdings herzustellen ist gar nicht so einfach: Wie können Fachkräfte auf Distanz in Kontakt kommen und auch in Kontakt bleiben? Wie können wir einerseits Gefährdungen erkennen aber andererseits Bedarfe von Kindern, Jugendlichen und Familien ins Zentrum rücken? Wie müssen sich dabei auch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe neu aufstellen und digital ausrichten? Oder ganz praktisch gefragt: Wie müsste etwa eine adäquate digitale Begleitung der Hilfen zur Erziehung aussehen? Wie können sichere Formen der Online- und Videoberatung flächendeckend etabliert werden? Oder Braucht es mehr digitale Lotsendienste in Zeiten der Krise?

3. Wenn wir die digitalen Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien ernst nehmen, wie müssen wir dann unsere Angebote neu ausrichten?

Die Digitalisierung unser aller Lebenswelten hat natürlich schon weit vor der Corona Krise begonnen. Junge Menschen unterscheiden kaum noch zwischen analogen und digitalen Welten. Wie kann und muss diese Selbstverständlichkeit in Angeboten der Jugendhilfe aufgegriffen werden? Wie könnte aufsuchende Arbeit in digitalen Welten aussehen? Braucht es mehr digitales Streetwork und virtuelle Hausbesuche? Wie müssen digitale Angebotsformate beschaffen sein, so dass wir sozial benachteiligte und schwer erreichbare Familien besser adressieren können? Und schließlich: Wie müssen wir digitale Teilhabe in der Jugendhilfe denken?

Wie kann ich mitmachen?

Grundlegende Idee ist, dass auf der Beteiligungsplattform kollaborativ Ideen, Perspektiven und Erfahrungswissen der unterschiedlichsten Akteure in der Jugendhilfe gesammelt werden. Sie dürfen daher gerne ausführlich und am besten auf jede der drei Fragen antworten!

Sie können Sich als Teilnehmer/-in auf der Plattform registrieren, aber auch anonym antworten. Ersteres hat den Vorteil, dass Sie über den Fortgang der Konsultation nicht nur informiert bleiben, sondern auch eine Rückmeldung erhalten, in welche Erkenntnisse Ihre Antworten eingeflossen sind. Eine Information zu der verwendeten Insights-Plattform findet sich auf den Webseiten der Bertelsmann Stiftung.

Die erste Konsultationsphase zu diesen drei Eingangsfragen startet jetzt und läuft bis Ende des Jahres. Das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ freut sich, wenn so viele Fachkräfte und Akteure wie möglich ihr Wissen und ihre Ideen beisteuern.

Wie geht es weiter?

In einer zweiten Phase werden diese gemeinschaftlichen Erkenntnisse zu konkreten Blaupausen oder Leitfäden weiterentwickelt. Für verschiedene Handlungsanforderungen sollen die Blaupausen Antworten auf grundlegende Fragen geben: Wie müssen die Angebote vor Ort beschaffen und strukturell ausgestattet sein? Wie gelingt eine digitale Kollaboration von verschiedenen Fachkräften der Jugendhilfe? Wie bringen wir die Perspektive der Kinder, Jugendlichen und Familien in eine Neugestaltung von Angeboten mit ein? Und wie muss die (digitale) Jugendhilfelandschaft der Zukunft aussehen?

Zum Projekthintergrund

Diese Konsultation ist Teil einer Explorationsphase zu Fragen der Digitalisierung in den Sozialen Diensten, die das Projektteam im Rahmen der Weiterentwicklung des Projektes „Kein Kind zurücklassen“ in den nächsten Monaten durchführen.

Quelle: Bertelsmann Stiftung 

Info-Pool