Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

NRW-Medienministerin zieht positive Bilanz der Online-Konsultation zum Medienpass NRW

Dr. Angelica Schwall-Düren
Bild: © Uwe Voelkner / Fotoagentur FOX Medienkompetenz fördern - Standards setzen?, Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin, Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, NRW, 23. Medienforum.NRW, 20.-22. Juni 2011 in Köln.

„Mit dem Medienpass NRW wollen wir ein dynamisches und innovatives Bildungsangebot schaffen, das Schüler und Lehrer unterstützt“, betonte die nordrhein-westfälische Medienministerin Dr. Angelica Schwall-Düren beim 23. Medienforum.NRW.

Medienministerin Dr. Angelica Schwall-Düren hat gestern im Rahmen des Medienforums NRW in Köln eine erste positive Bilanz der Online-Konsultation zum ‚Medienpass NRW’ gezogen: "Ich bin sehr erfreut über die rege Resonanz im Netz. Sowohl auf der ‚Medienpass NRW’-Plattform als auch auf Schüler-VZ haben die Teilnehmerzahlen unsere Erwartungen übertroffen."

Seit Beginn der Online-Konsultation am 14. Juni gab es auf www.medienpass.nrw.de über 31.000 Seitenaufrufe und mehr als tausend Bürgerinnen und Bürger haben entweder einen Kommentar eingestellt oder eine Umfrage zum Thema Medienkompetenz ausgefüllt. Außerdem sind bereits rund 700 Schülerinnen und Schüler als Mitglied der Gruppe "Medienpass NRW" auf Schüler-VZ registriert. Die meisten Kommentare enthalten konkrete Erfahrungsberichte, stellen Forderungen oder geben aus der Praxis abgeleitete Anregungen. Häufig verweisen Diskussionsteilnehmer auch auf bestehende Angebote und Projekte. Schwall-Düren sicherte zu, dass jeder Beitrag ausgewertet werde.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion würdigte die Ministerin die sachliche, aber auch kontroverse Diskussion auf der Plattform: "Hier findet ein Austausch auf allen Ebenen zwischen Eltern, Lehrkräften und Medienpädagogen statt. Besonders beeindruckt hat mich aber auch die Zahl der Jugendlichen, die auf Schüler-VZ mitdiskutiert. Das bestätigt uns, dass es eine große Bereitschaft zur Mitbestimmung bei diesem immens wichtigen Thema der Medienkompetenz gibt." Das Ziel der Landesregierung sei, allen Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihren familiären Vorbedingungen gleichermaßen die Möglichkeit einzuräumen, Chancen und Herausforderungen von digitalen Medien kennen zu lernen, so Schwall-Düren weiter.

Im Namen der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), die den gesetzlichen Auftrag hat, Medienkompetenz zu fördern und die Online-Konsultation gemeinsam mit der Landesregierung und der Medienberatung NRW organisiert, sagte LfM-Direktor Dr. Jürgen Brautmeier: "Wir fühlen uns angesichts dieser ersten Rückmeldungen bestätigt, dass das Thema Medien für jeden so bedeutsam ist. Die große Resonanz zeigt, dass es richtig war und bleibt, das Thema Medien und Medienkompetenz wegen dieser großen Bedeutung im Alltag der Menschen so breit zu verankern." Der LfM-Direktor berichtete von den Projekten, die die Landesanstalt für Medien NRW zum Thema Medienkompetenz aufgelegt hat. „Wir nehmen unseren gesetzlichen Auftrag sehr ernst. Aber natürlich können Projekte wie ‚Eltern + Medien‘ nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein“, bedauerte er. Der LfM-Direktor betonte, dass mit dem Medienpass NRW, an dem auch die LfM beteiligt ist, das Rad nicht neu erfunden würde. Gleichwohl sei nicht schon vorab alles festgelegt. „Wir gehen nicht mit fertigen Konzepten in die Konsultationsphase, sondern ziehen alle Beteiligten zu Rate“, unterstrich Brautmeier.

Dr. Joachim Weiner
störte sich an dem Begriff Medienkompetenz. „Dahinter steckt eine oberflächliche Umsetzungsstrategie“, monierte der Publizist, der früher selbst als Lehrer gearbeitet hatte. Außerdem habe Nordrhein-Westfalen ein echtes Evaluierungsproblem. „Ich kenne einige Medienkompetenzprojekte, in denen kein einziger Schüler fortgebildet wurde. Und niemand hat das überprüft“, kritisierte Weiner. Auch in den Schulen seien die Voraussetzungen für die Vermittlung von Medienkompetenz nicht gegeben. „Die Lehrer haben oft keine Ahnung und keine Zeit, sich darum zu kümmern“, kritisierte der Publizist und Autor. Vor allem um die so genannten bildungsfernen Schichten sei es ihm bang: „Die werden von den meisten Angeboten zur Förderung der Medienkompetenz gar nicht erreicht.“

„Cybermobbing gibt es auch in den bildungsnahen Schichten“, wandte Angelica Schwall-Düren ein. Dieses Problem trete vor allem an Gymnasien auf. Der Medienpass NRW solle die Lehrer anregen, die Schüler im selbstbestimmten Umgang mit den digitalen Medien zu unterrichten. Und das könne vor allem durch den Einsatz der neuen Medien selbst erfolgen. „Ein eigenes Unterrichtsfach ‚Medienkompetenz‘ macht keinen Sinn“, argumentierte die Medienministerin.

Der "Medienpass NRW" ist eine Initiative der Landesregierung, der Landesanstalt für Medien und der Medienberatung NRW. Sie hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche für Medienkompetenz-Themen zu interessieren und Lehrerinnen und Lehrer bei der Vermittlung zu unterstützen. Dazu sollen Tipps und Hilfestellungen entwickelt werden, die den Austausch zwischen Eltern, Jugendarbeit und Schule stärken sollen. In der derzeit laufenden Online-Konsultation, haben interessierte Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld die Gelegenheit, ihre Erfahrungen, Ideen und Vorschläge einzubringen. Eine Beteiligung ist noch bis zum 25. Juli 2011 möglich.

Quelle: Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen / Landesanstalt für Medien NRW (LfM)

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