Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

Nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen des Internets für junge Menschen in den Blick nehmen

Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“: Stellungnahme von IJAB

Enquete‐Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“

Am 4. März 2010 hat der Deutsche Bundestag die Einsetzung der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" beschlossen. Ihr gehören 17 Parlamentarier aus allen im Bundestag vertretenen Fraktionen und 17 von den Parteien benannte Expertinnen und Experten an.

Die Enquete-Kommision soll politische Handlungsempfehlungen erarbeiten, die der weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen der Informationsgesellschaft in Deutschland dienen.
Die Enquete-Kommission soll auf Grundlage ihrer Untersuchungsergebnisse den staatlichen Handlungsbedarf, national und international, benennen.

>> Link zur Enquete-Kommission

IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. ist im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Europäischen Kommission, seiner Mitgliedsorganisationen und anderer zentraler Träger der Jugendarbeit auf den Gebieten der internationalen Jugendpolitik, Jugendarbeit und Jugendinformation tätig.

IJAB setzt seit 2006 das Projekt „Jugend online“ im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend um mit dem Ziel, jungen Menschen die Möglichkeiten und Chancen von Internet und neuen Medien näher zu bringen, ihren verantwortungsvollen Umgang damit zu fördern sowie ihr kreatives Potenzial zu stärken (www.jugendonline.eu; www.netzcheckers.de).

Auch auf europäischer Ebene wirkt IJAB in zentralen Netzwerken der Jugendinformation mit und war maßgeblich an der Erarbeitung der „Principles for Online Youth Information“ der European Youth Information and Counselling Agency (ERYICA) beteiligt.

>> www.ijab.de

Menschen am Computer
Bild: Jürgen Ertelt, Jugend online

IJAB begrüßt die Einrichtung der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Internet und digitale Gesellschaft“ als einen wichtigen Schritt angesichts der aktuellen und künftigen digitalen Herausforderungen. Der im Antrag zur Einsetzung der Enquete-Kommission (Drucksache 17/950) beschriebene Auftrag zur Stärkung der Medienkompetenz umfasst jedoch gerade im Hinblick auf junge Menschen mehr als den Aspekt des Jugendmedienschutzes. Digitale Jugendbildung muss alle Potenziale junger Menschen und ihre gesamte Lebenswelt berücksichtigen und in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der außerschulischen Jugendbildung, wirksam sein.

Der IJAB-Vorstand fordert daher die Enquete-Kommission auf, nicht nur die Risiken, sondern auch die Bildungschancen des Internets und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Partizipation junger Menschen in den Blick zu nehmen und den wichtigen Bereich der informellen Bildung im Rahmen außerschulischer Jugendarbeit zu berücksichtigen.

Stellungnahme von IJAB zur Enquete‐Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“

Digitale Jugendbildung: Die Chancen der Informationsgesellschaft für junge Menschen nutzen

Die Schaffung der Enquete‐Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ist ein wichtiger Schritt um politische Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Informationsgesellschaft in Deutschland zu erarbeiten. Das darin beschriebene Aufgabenfeld zur Stärkung der Medienkompetenz umfasst jedoch gerade im Hinblick auf junge Menschen mehr als den Aspekt des Jugendmedienschutzes. Digitale Jugendbildung muss alle Potentiale junger Menschen und ihre gesamte Lebenswelt berücksichtigen. Sie muss daher in allen gesellschaftlichen Bereichen wirksam sein – auch in der außerschulischen Jugendbildung.

Chancen für Jugendliche
Der vorliegende Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen vom 24.02.2010 zur Einsetzung einer Enquete‐Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ist ein begrüßenswerter Schritt, parteiübergreifend über die Chancen, Risiken und Herausforderungen des Internets zu diskutieren und zukunftsweisende netzpolitische Aufgaben zu definieren. Dies gilt umso mehr, als dem Themenfeld „Jugend und Medien“ und der Stärkung der Medienkompetenz junger Menschen breiter Raum eingeräumt wird. Jedoch wird die Stärkung von Medienkompetenz allein vom Defizit des Jugendschutzes abgeleitet, dass Gefahren für Kinder und Jugendliche trotz Verboten und technischen Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden können. Digitale Jugendbildung umfasst dagegen auch die Chancen, die Neue Medien für die Persönlichkeitsentwicklung, die Aneignung von Bildung, die Überwindung sozialer Barrieren, die Möglichkeiten zur Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen, die Herausbildung eines kritischen Bewusstseins und das Erlernen wichtiger Schlüsselkompetenzen bieten. Digitale Jugendbildung sollte als wichtige Ressource zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Informationsgesellschaft verstanden werden.

Informelle und außerschulische Jugendbildung
Die Themenschwerpunkte der Enquete‐Kommission müssen die besonderen Bedürfnisse, Lebenswelten und Interessen junger Menschen mit einbeziehen. So müsste beispielsweise im Bereich „Kultur und Medien“ ein spezieller Fokus auf Jugendliche gesetzt werden. Dabei ist die Hervorhebung der Potentiale des Mediums für die Entwicklung junger Menschen auch hinsichtlich von Möglichkeiten globaler Vernetzung und gesellschaftlicher Teilhabe ein notwendiger Aspekt. In diesem Sinne müssen eigene Angebote für Jugendliche realisiert werden, die eine Stärkung der Medienverantwortung und Medienkompetenz im Rahmen informeller Bildung fördern. „Bildung und Forschung“ darf daher nicht allein unter formalen Bildungsaspekten beleuchtet werden. Da Mediennutzung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als jugendkultureller Freiraum begriffen wird, in dem sie sich unabhängig von der Welt der Erwachsenen entfalten, muss in besonderer Weise das gesamte Spektrum der Lebenswirklichkeit junger Menschen berücksichtigt werden. Digitale Medienbildung darf nicht auf einzelne gesellschaftliche Bereiche begrenzt und allein unter funktionalen und wirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden. Dies kann also nicht ausschließlich Gegenstand von Schule und Elternhaus sein, sondern muss gerade dort wirksam sein, wo junge Menschen ihre Freizeit verbringen, wo sie sich engagieren, wo sie kulturellen Interessen nachgehen, wo sie Freundinnen und Freunde treffen, wo sie Unterstützung bei der Überwindung von Bildungsdefiziten und sozialen Barrieren erfahren. Wie in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich muss digitale Jugendbildung daher auch in der außerschulischen Jugendarbeit im Rahmen informeller Bildung stattfinden. Dort trifft sie auf Bedingungen, die besonders weitreichende Chancen eröffnen, denn Bildung trifft dort unmittelbar auf die Interessen junger Menschen.

Die Enquete‐Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ möge in diesem Sinne nicht nur die Risiken, sondern auch die Bildungschancen des Internets und Möglichkeiten zur Partizipation junger Menschen in den Blick nehmen und den wichtigen Bereich der informellen Bildung im Rahmen außerschulischer Jugendarbeit berücksichtigen.

Bonn, 12. Mai 2010
IJAB ‐ Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.
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Tel. 0228 9506‐205
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