Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

Medienpädagogischer Kongress fordert nachhaltigen Ausbau der Medienkompetenzförderung in Deutschland

Ende März trafen sich über 400 Fachleute aus Jugendarbeit, Bildung und Wissenschaft an der Technischen Universität Berlin zum Kongress „Keine Bildung ohne Medien!“.

Kongress Keine Bildung ohne Medien!
Bild: Jürgen Ertelt

 

Die Beratungen kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Es bedarf erheblich größerer Anstrengungen in allen Erziehungs- und Bildungsbereichen, um die Förderung von Medienkompetenz in Deutschland voranzubringen. Die bisherige Phase des Aktionismus ist zu beenden, notwendig ist jetzt bei der Politik Mut zu wirksamen Entscheidungen.

Internet und digitale Medien haben soziale Verhältnisse, Kommunikation, Bildung und Kultur umfassend verändert und auch Auswirkungen auf politische und wirtschaftliche Strukturen. Kongressteilnehmer/-innen sprachen von einer digitalen Revolution. In Kontrast hierzu stehen die nicht ausreichenden Angebote, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene in einem selbstbewussten, kreativen und kritischen Umgang mit Medien zu unterstützen. Lutz Stroppe vom BMFSFJ befürwortete eine stärkere Vernetzung verschiedener Bereiche und sprach sich deutlich dafür aus, neben den oft betonten Risiken gerade die Chancen und die vorhandenen kreativen Potenziale der Menschen im Umgang mit Medien in den Mittelpunkt zu stellen. Mit dem Berliner Medienkongress wurde ein wichtiger Schritt gemacht, die Anliegen und Forderungen des „Medienpädagogischen Manifest“ aus dem Jahre 2009 zu konkretisieren. Die 400 Kongressteilnehmenden erarbeiteten in 13 Arbeitsgruppen hierzu Vorschläge; erste Informationen findet sich auf www.keine-bildung-ohne-medien.de

Zentrale Forderungen des Kongresses lassen sich kurz zusammenfassen: 

     
  • Eine medienpädagogische Grundbildung muss in allen pädagogischen Studiengängen angestrebt werden, damit angehende Fachkräfte besser in der Lage sind, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Impulse für eine kreative und kritische Nutzung von Medien zu geben. 
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  • Kein Jugendlicher darf Schule ohne grundlegende Medienbildung verlassen, keine Lehrkraft darf ihre Ausbildung ohne Kompetenz zur Medienbildung abschließen. 
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  • Notwendig sind eine kontinuierliche Grundfinanzierung medienpädagogischer Praxis, die auf die Bedürfnisse der einzelnen Zielgruppen eingehen und ein selbständiges medienbezogenes Handeln fördern. Eine begleitende wissenschaftliche Evaluation soll die Wirksamkeit der Maßnahmen sicherstellen. 
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  • Medienarbeit als kreativer Selbstausdruck muss Freiräume schaffen können, um andere Ausdrucksmöglichkeiten zu ermöglichen. Außerschulische Jugendarbeit mit Medien braucht verlässliche Rahmenbedingungen für ein kontinuierliches Angebot. Notwendig sind auch gezielte Maßnahmen, um der digitalen Ungleichheit zwischen Jugendlichen und ihren digitalen Jugendkulturen im Interesse von Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit aktiv entgegenzutreten. 
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Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ wird die Ergebnisse des Kongresses auswerten und auf der Website und in einer Broschüre dokumentieren. In einer weiteren Phase sollen Entscheidungsträger in Politik, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft gezielt angesprochen werden, um eine Verständigung über Eckpunkte für eine Gesamtstrategie zu erreichen. 

Text: Jürgen Ertelt, IJAB / Pressemitteilung "Keine Bildung ohne Medien!"

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