Digitalisierung und Medien / Sozialforschung

Media Policy Lab für die Sicherung von Medienvielfalt eröffnet in Berlin

Visualisierung von Datenströmen und Netzwerken
Bild: rawpixel.com

Das neue Media Policy Lab der Medienanstalt Berlin-Brandenburg soll den Dialog und die Kooperation von Wissenschaft, Regulierung, Politik und Wirtschaft fördern und eine wissensbasierte gesellschaftliche Debatte unterstützen. Erstes Schwerpunktthema des Labs sind Informationsintermediäre wie Google oder Facebook. Geplant sind u.a. ein „Manifest für digitale Medienvielfalt“ und eine „Data Access Initiative“.

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hat am 17. Januar 2018 das Media Policy Lab eröffnet. Das Lab will Wissenschaft und Regulierung enger vernetzen und sich mit Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten zur Vielfalts- und Qualitätssicherung im digitalen Zeitalter beschäftigen; erstes Thema sind Informationsintermediäre. „Wir stehen einer Asymmetrie des Wissens von Informationsintermediären wie Google und Facebook auf der einen und Nutzern, Regulierern und Politik auf der anderen Seite gegenüber“, so Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer, Vorsitzender des mabb-Medienrats. „Wir müssen aber wissen, was andere über uns wissen und was sie mit diesem Wissen anfangen. Dazu soll das Media Policy Lab einen Beitrag leisten.“

Unabhängiger Dialog über die Zukunft der digitalen Vielfalt

mabb-Direktorin Dr. Anja Zimmer erläuterte im Rahmen der Auftaktveranstaltung in den Räumlichkeiten von ALEX Berlin die Rolle des Media Policy Labs: „Das Lab der mabb soll Inkubator, Impulsgeber und Vermittler sein. Wir möchten einen unabhängigen Dialog über die Zukunft der digitalen Vielfalt führen und eine wissensbasierte gesellschaftliche Debatte unterstützen. Mit dem Media Policy Lab wollen wir wissenschaftliche Forschung initiieren und sie durch Veranstaltungen, Publikationen und Kompetenzprojekte nutzbar machen.“ Geplant sind unter anderem ein „Manifest für digitale Medienvielfalt“ und eine „Data Access Initiative“.

Eigenen medienpolitischen Standpunkt entwickeln

Staatssekretär Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, erklärte, warum er die Idee eines Medien-Think-Tanks gefördert und das Media Policy Lab von Anfang an unterstützt hat: „Ich bin davon überzeugt, dass nur wenn wir in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa, einen eigenen medienpolitischen Standpunkt entwickeln, auch im Hinblick auf die Sphären der Ökonomie, es uns dann gelingen wird, eine eigene gesellschaftspolitische Vision zu haben und im eigenen Markt entwickeln zu können.“ Er wünsche sich, so Böhning, dass Berlin Mittelpunkt einer Zukunftsdiskussion zu den Themen und die medienpolitische Diskussion in diesem Bereich stärker geführt wird.

Forschung und Transparenz im Sinne des Allgemeinwohls

Prof. Dr. Natali Helberger (Universität Amsterdam) begrüßte die Gründung des Media Policy Labs als innovativen Raum, um „smarte Regulierung“ zu entwickeln. Sie wünsche sich, so Helberger, dass das Lab verschiedene Parteien wie Wissenschaft, Wirtschaft und Regulierung zusammenbringt, um gemeinsam Projekte umzusetzen. Dass es ein Raum des Experimentierens werde, in dem Ideen – und seien sie noch so wild – getestet werden können. Darüber hinaus regte Natali Helberger an: „Für viele Wissenschaftler ist es oft schwierig, Zugang zu Daten für Forschung zur Mediennutzung zu bekommen. Auch hier könnte das Media Policy Lab eine wichtige Rolle spielen.“ Lorena Jaume-Palasí, Geschäftsführerin von AlgorithmWatch betonte, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit gerade im Bereich der Algorithmenforschung sei. Jaume-Palasí warb dafür, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und gemeinsam zu forschen. Forschung und Transparenz in diesem Bereich seien im Sinne des Allgemeinwohls.

Sozialer Hintergrund von Algorithmen

Prof. Dr. Wolfgang Schulz (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung) warf gemeinsam mit Prof. Dr. Sophie Mützel (Universität Luzern) und Lorena Jaume-Palasí einen Blick auf die Frage, wie Algorithmen den Wandel der Medienlandschaft beeinflussen. Schulz erläuterte, wie sich die medienrechtliche Perspektive verändert hat, um einen angemessenen Blick auf Algorithmen zu finden und forderte ein umfassenderes Verständnis: „Wenn wir uns mit Algorithmen auseinandersetzen, müssen wir uns die Entscheidungsarchitekturen genauer ansehen – nicht nur das technische Element, sondern auch den sozialen Hintergrund seiner Anwendung müssen wir betrachten.“ Prof. Dr. Sophie Mützel forderte, dass auch die Soziologie sich im Wandel zur digitalen Gesellschaft in ihren Forschungsmethoden stärker aufstellen müsse. In den Werkzeugkasten der Soziologen müssten mehr Fähigkeiten zur Datenauswertung gehören, um die Wirkungsweisen von Algorithmen im Kontext der zugrundeliegenden Daten besser verstehen zu können.

Die Eröffnung des Media Policy Labs (Teil 1 / Teil 2) kann im YouTube-Channel von ALEX Berlin angesehen werden.

Über das Media Policy Lab

Das Media Policy Lab ist ein Projekt der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), das sich Fragen der Netzpolitik und digitaler Medienvielfalt widmet. Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels müssen sich die Medienanstalten der Sicherung von Medienvielfalt neu stellen. Um dieser wichtigen Aufgabe gerecht zu werden, vernetzt das Media Policy Lab wissenschaftliche Expertise mit netzpolitischen Debatten.

Quelle: Medienanstalt Berlin-Brandenburg vom 22.01.2018

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