Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

LfM veröffentlicht neue Materialien zu Scripted Reality: Print-Broschüre und Online-Formatanalyse

Frau beim Fernsehen
Bild: Chris Bartow   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell CC BY-NC 3.0

Welche Faszination geht von Scripted Reality für Heranwachsende aus? Werden die das Nachmittagsprogramm dominierenden Fernsehformate von Kindern und Jugendlichen kritisch reflektiert? Wird die Fiktionalität erkannt? Neue Materialien der LfM beschäftigen sich mit diesen Fragen.

Die zweite Ausgabe der Reihe tv.profiler widmet sich Scripted Reality-Formaten, bei denen fiktive Geschichten von (Laien-)Darstellerinnen und Darstellern nachgespielt werden. Der tv.profiler gibt Lehrkräften Informationen an die Hand, diese Formate kritisch zu hinterfragen und die Produktionsbedingungen der verschiedenen Sendungen und Problempotentiale wie Stereotypisierungen im Unterricht zu thematisieren.

Auch die zweite Ausgabe aus der Reihe tv.profiler ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) und der Gesellschaft zur Förderung des internationalen Jugend- und Bildungsfernsehens e. V. Die Vermittlung von Medienkompetenz ist ein zentrales Anliegen beider Institutionen.

Der tv.profiler #02 - Scripted Reality ist konzipiert für Klasse 6 und höher und lässt sich innerhalb einer Unterrichtseinheit oder auch im Rahmen einer Vertretungsstunde bearbeiten.

Der tv.profiler #02 kann über das Warenkorbsystem der LfM bestellt oder als Datei heruntergeladen werden.

„Das war sehr lustig, weil es komplett dämlich war“

Als wissenschaftliche Grundlage des aktuellen tv.profilers dient die ebenfalls neu erschienene Formatanalyse „Wie Kinder und Jugendliche Familien im Brennpunkt verstehen“. Ist es Kindern und Jugendlichen möglich, den gescripteten Charakter der Sendung zu verstehen? Was fasziniert sie an diesem Format?

Die Formatanalyse zeigt, dass insbesondere die Jüngsten und die 13- bis 14-jährigen Hauptschülerinnen und Hauptschüler das Gefühl haben, aus Familien im Brennpunkt Strategien zur Problemlösung gewinnen zu können. Speziell für die Jugendlichen ist die Erheiterung durch ein Sich-Abgrenzen von den gezeigten Personen zentrales Sehmotiv.

Insbesondere fällt auf, dass nicht alle den gescripteten Charakter der Sendung verstehen: Ein knappes Drittel der Seherinnen und Seher nimmt die Sendung als Dokumentation wahr; rund die Hälfte meint, die Geschichten seien nach wahren Gegebenheiten nachgespielt. Nur ein Fünftel ist sich sicher, dass es von Profis ausgedachte Handlungen sind, wobei jedoch erst die älteren Jugendlichen ab 15 Jahren verlässlich erkennen können, dass es sich hier nicht um eine Dokumentation handelt.

Aus pädagogischer Sicht ist das Missverständnis, ob es sich bei Familien im Brennpunkt um eine Dokumentation oder Nachstellung tatsächlicher Ereignisse handelt, der zentrale Problembereich. Daher bietet die neue Formatanalyse ausführliche Hintergrundinformationen zum Thema Scripted Reality, um Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie alle weiteren Interessierten in diesem Feld stärker zu sensibilisieren.

Die neue Formatanalyse steht zum Download bereit.

Auch sind in der bereits veröffentlichten Formatanalyse „Romantische Liebe, erotische Fantasien, moralische Aufreger und „Ablachen“ – Was X-Diaries für Jugendliche attraktiv macht“ Informationen zu einem weiteren, speziell bei Jugendlichen beliebten Scripted Reality-Format enthalten. Die Formatanalyse steht ebenfalls zum Download bereit.

Quelle: Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) vom 17.08.2012

Info-Pool