Digitalisierung und Medien / Sozialforschung

LfM-Studie zu Fake News: Mehr als die Hälfte der Onlinenutzer hat Erfahrung damit

Jugendliche sitzen auf dem Boden mit Smartphone
Bild: © Mirko - fotolia.com

Falschmeldungen im Internet sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dies hat eine Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfahlen (LfM) ergeben. In der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen haben bereits 77 Prozent Fake News im Internet gesehen, erkennen diese aber häufiger als Erwachsene.

Neben der Hassrede im Netz, deren steigende Brisanz erst vor zwei Wochen durch eine Studie der LfM belegt wurde, ist auch das Thema der verfälschten Information, der sogenannten Fake News oder auch "alternativen Wahrheit" inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das belegt eine weitere Studie der Landesanstalt für Medien NRW (LfM). Danach ist mehr als die Hälfte der deutschen Onlinenutzer (59%) schon einmal mit Fake News in Berührung gekommen. Jüngere Nutzer erkennen dabei eher als Ältere Falschmeldungen. In der Gruppe der 14- bis 24-jährigen haben bereits 77 Prozent Fake News im Internet gesehen. Kennzeichnungsmöglichkeiten und neue Löschgesetze werden von vielen Befragten befürwortet.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der neuen repräsentativen Studie, für die im Auftrag der LfM Forsa im Mai 2017 mehr als 1000 Onlinenutzer ab 14 Jahren befragt hat. Die Ergebnisse wurden am 19. Juni 2017 auf der Medienversammlung der LfM in Köln vorgestellt.

Jüngere erkennen Fake News häufiger als Erwachsene

Damit liegen erstmals valide Daten zu Fake News und ihrer Wahrnehmung vor. Jeder Zweite (48%), der bereits persönlich Falschnachrichten gesehen hat, wird übrigens durch Medienberichte auf gefälschte Nachrichten aufmerksam gemacht. Auch in der Behandlung solcher Nachrichten und Informationen unterscheiden sich Nutzer je nach Alter – so überprüfen überdurchschnittlich viele Jüngere (14- bis 24-jährige) die dargestellten Fakten und können diese als Fake News identifizieren.

LfM-Direktor Tobias Schmid sagte: "So erfreulich es ist, dass jüngere Nutzer offenbar deutlich informationskompetenter sind, so beunruhigend ist das zunehmende Auseinanderdriften in der Gesellschaft. Wir müssen deshalb Erwachsene in ihrer Rolle als Mediennutzer noch stärker als bisher qualifizieren. Unser Ziel bleibt, alle Menschen medienkompetent zu machen. Wenn das nicht gelingt, droht eine weitere digitale Spaltung der Gesellschaft."

Wunsch nach einfachen Kennzeichnungsmöglichkeiten und Löschgesetzen

Weitere Ergebnisse der LfM-Studie: Mit zunehmendem Alter steigt das Gefühl der Überforderung angesichts einer rasanten Digitalisierung. Zu Fake News haben die meisten der Befragten eine klare Meinung: 86% wünschen sich eine einfachere Kennzeichnungsmöglichkeit und neue Löschgesetze. Nur eine Minderheit vertritt die Auffassung, dass Fake News kein Fake, sondern nur freie Meinungsäußerungen seien (8%) – darunter sind überdurchschnittlich häufig Ostdeutsche (17%).

Tipps gegen Fake News

Quelle: Überprüfen, wer hinter einem Inhalt steckt! Ein Blick auf die Autorin/den Autor oder ins Impressum einer Website sollte klarstellen, wer hinter dem Inhalt steht (Parteilichkeit, Kompetenz, Intention). Eine fehlende Adresse oder ein Postfach im Ausland sollten kritisch eingeordnet werden.

Fakten: Stimmt das, was behauptet wird? Wird das Thema auf anderen Seiten ähnlich aufgearbeitet oder erscheint es sogar exakt im gleichen Wortlaut? Kopierte Inhalte deuten auf unseriöses Copy&Paste Verhalten hin. Texte, die verkürzt nur auf Schlagzeilen beruhen, wenig Inhalt und viel Meinung präsentieren, sollten mit Vorsicht genossen werden.

Bilder: Überprüfen, ob das verwendete Bild tatsächlich zum Text gehört oder bearbeitet wurde. Bei Falschmeldungen werden oft Bilder aus anderen Kontexten verwendet. Eine Rückwärts-Bildersuche kann helfen, dem Original auf die Spur zu kommen.

Tipps zitiert mit freundlicher Genehmigung von klicksafe.de

Ergebnisbericht (PDF 130KB) der Studie zur Wahrnehmung von Fake News

Ausgewählte Charts mit Ergebnissen der Studie (PDF 43,1 KB)

Quelle: Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfahlen vom 19.06.2017

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