Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Kooperation in BW: „Demokratie braucht ethische Medienkompetenz“

Junger Mensch mit Köpfhörern schaut auf Laptop-Bildschirm auf dem das Wort Internet steht
Bild: rawpixel.com

Der Südwestrundfunk und die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg haben eine enge Zusammenarbeit bei der Medienkompetenzvermittlung vereinbart. Zudem sprechen sie sich in einer gemeinsamen Erklärung u.a. für den Schutz des demokratischen Wertesystems, einen zukunfsfähigen Jugendmedienschutz sowie die Förderung von ethischer Digital- und Medienkompetenz aus.

Die Medien stehen angesichts der Digitalisierung vor großen Herausforderungen. Vertreterinnen und Vertreter des Medienrates der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und des Landesrundfunkrates Baden-Württemberg des SWR haben in einer gemeinsamen Erklärung Kernpunkte für eine zeitgemäße Digitalisierungsstrategie herausgestellt.

Vertreterinnen und Vertreter der Aufsichtsgremien des SWR und der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) haben sich am 5. Juli 2018 in der Hochschule der Medien getroffen. Diskutiert wurden die Herausforderungen, vor denen die Medien in Zeiten der digitalen Gesellschaft stehen. Als Eckpfeiler für eine zeitgemäße Digitalisierungsstrategie wurden in einer gemeinsamen Erklärung der Schutz des demokratischen Wertesystems, die Förderung von ethischer Digital- und Medienkompetenz, um am gesellschaftlichen Leben aktiv teilzuhaben, sowie ein wirksamer und zukunftsfähiger Jugendmedienschutz herausgestellt.

Duale Rundfunkordnung als Garant für Medienvielfalt

Der Vorsitzende des LFK-Medienrates, Dr. Wolfgang Epp, unterstrich die Bedeutung des dualen Rundfunksystems als „Garant einer einzigartigen und vielfältigen Sender- und Programmlandschaft“. Die Medienlandschaft sei geprägt durch einen dynamischen technischen Fortschritt, tiefgreifende Veränderungen des Mediennutzungsverhaltens sowie eine Konkurrenzsituation auf lokalen und regionalen Medienmärkten mit global agierenden Medienunternehmen wie Facebook, Netflix und Co. Viele der aktuellen Herausforderungen träfen daher den privaten und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im dualen System gleichermaßen. „Vor diesem Hintergrund ist es wichtiger denn je, sich auch auf Ebene der Gremien über die jeweilige Arbeit auszutauschen, gemeinsame Lösungsstrategien zu erörtern und die Zusammenarbeit etwa im Bereich Medienkompetenz zu stärken.“

Gemeinsames Ziel: Objektive Berichterstattung

Volker Stich, der Vorsitzende des SWR-Landesrundfunkrates Baden-Württemberg, betonte die Notwendigkeit objektiver Berichterstattung als gemeinsames Ziel privater wie öffentlich-rechtlicher Anbieter: „Objektive Berichterstattung gehört zum Ethos eines jeden Journalisten, unabhängig vom Medium für das er bzw. sie arbeitet. In den sozialen Netzwerken verschwimmen indes mehr und mehr die Grenzen zwischen seriösem Journalismus und Falschnachrichten. Eine gut recherchierte Nachricht von einer Fake News zu unterscheiden, wird für viele immer schwieriger. Diese – oft bewusst gesetzten – Fehlinformationen zu entlarven, ist eine wichtige Aufgabe aller Medienhäuser. Darüber hinaus ist es wünschenswert, die Medienkompetenz der Nutzerinnen und Nutzer zu stärken. Ob Junior oder Senior – der fortschreitende Medienwandel macht es notwendig allen Interessierten Möglichkeiten zu offerieren, um sich fit für eine vielschichtige mediale Zukunft machen zu können.“

Digitalisierung muss ethische Grundwerte im Blick haben

„Eine Digitalisierungsstrategie, die human sein will, muss der ethischen Dimension der technologischen und kulturellen Veränderung unserer Gesellschaft Rechnung tragen und die Grundwerte schützen, insbesondere Privatheit, Autonomie und Freiheit“, sind Prof. Dr. Petra Grimm von der Hochschule der Medien, und Prof. Dr. Klaus Koziol von der Katholischen Hochschule Freiburg überzeugt. Ethische Digitalkompetenz sehen sie auch bei der Aus- und Fortbildung als wichtig an, auch neu konzipierte Arbeitsmaterialien sollen abstrakte digitale Themen mit der eigenen Lebenswelt verknüpfen, so die beiden Wissenschaftler beim Treffen der beiden Gremien. Sie sehen aber auch die Medienanbieter selbst in der Pflicht, über ethische und gesellschaftliche Herausforderungen der Digitalisierung zu informieren.

Jugendmedienschutz ist auch Aufgabe der Geräte- und App-Anbieter

„Gerätehersteller und App-Anbieter müssen den Jugendmedienschutz im Sinne des Safety-by-Design-Ansatzes noch viel stärker bereits bei der Entwicklung ihrer Produkte im Blick haben.“ Für den Vorsitzenden der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und LFK-Präsidenten, Dr. Wolfgang Kreißig, reicht es nicht aus, nur die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Die Marktteilnehmer müssten darüber hinaus aktiv werden, etwa indem sie Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning dazu einsetzen, problematische Inhalte noch schneller zu erkennen. „Aber auch sichere Voreinstellungen der Geräte und effektive Meldemechanismen in den sozialen Netzwerken können den Jugendmedienschutz verbessern helfen“, so Kreißig. Die Vertreterinnen und Vertreter der Gremien seien dabei wichtige Multiplikatoren, um die Bedeutung des Themas Jugendmedienschutz in die gesellschaftspolitische Diskussion einzubringen.

Medienkompetenz für eine Teilhabe am digitalen Leben

Doch nicht nur Familien oder Kinder und Jugendliche sind durch die Digitalisierung gefordert. Auch ältere Menschen müssen noch viel stärker an die Hand genommen werden, um die Vorteile der digitalen Gesellschaft zu nutzen. In der Stiftung MedienKompetenzForum Südwest, in der der SWR, LFK und die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt LMK eng in vielen Projekten zusammenarbeiten, werden Bürgerinnen und Bürger entlang der gesamten Bildungskette angesprochen. Die Materialien, Konzepte und Programme richten sich an Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen, an Träger der außerschulischen Bildung, an Eltern und eben auch an Seniorinnen und Senioren. Die Medienkompetenz-Beauftragte des SWR, Christine Poulet, und der Leiter Medienkompetenz der LFK, Thomas Rathgeb, stellten unter anderem das Projekt „Silver Surfer“ vor, das ältere Onliner adressiert und ihnen die Vorteile des Internets und der sozialen Medien für ihren Alltag näher bringt. Wie bei allen Projekten sind auch hier wichtige Kooperationspartner im Boot, neben dem SWR und der LFK auch der Volkshochschulverband und die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die gemeinsame Entschließung (PDF, 30 KB) des LFK-Medienrates und des SWR-Landesrundfunkrates Baden-Württemberg finden Sie hier.

Quelle: Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg vom 06.07.2018

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