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Jungendliche nehmen Politik unter die Lupe - und gewinnen den Initiativenpreis 2009

„Rettet die Wahlen“ unter diesem Motto hatte das Paritätische Jugendwerk NRW zum achten Mal den Initiativenpreis ausgeschrieben. Dass „Politik am Küchentisch beginnt“ befand der PJW in seiner Ausschreibung. Genau dieses Fazit, dass nämlich das „Politische privat“ sei, zogen die Preisträger nach dem bislang erfolgreich durchgeführten Projekt „ZOOM auf Politik in deiner Stadt“.

Die Redaktionsteams aus Bochum (Rosa Strippe e.V.) und Alfter (Sprachenladen e.V.) mit Teilnehmern im Alter von 14 bis 23 Jahren bewarben sich. Sie sind zwei der insgesamt elf aktiven Redaktionen, die im Projekt engagiert mitarbeiten. Sie erhielten gemeinsam mit der Projektleitung, angesiedelt im jfc Medienzentrum, nun aus der Hand des 1. Vorsitzenden des PJW NRW, Dr. Volker Bandelow, feierlich den ersten Preis in den Räumlichkeiten des jfc Medienzentrums in Köln überreicht.

Sind Jugendliche politikverdrossen? Die Shell-Studie 2006 belegte, dass etwa ein Drittel der Jugendlichen politisches Geschehen nicht verstehen und daher desinteressiert sind. Das Team vom jfc Medienzentrum hatte daraufhin die Idee, ein Projekt zu entwickeln, das niedrigschwellig Jugendliche politisch partizipieren lässt. Unter medienpädagogischer Anleitung entwickelten daraufhin Jungwähler/innen Fragestellungen und Anregungen zur Lokalpolitik und traten mit Bürgern und Politikern in Kontakt. Auf der Internetplattform gezoomt.de, veröffentlichen nun die elf Jungredaktionen aus Städten und Gemeinden in ganz NRW regelmäßig ihre Berichte, sei es als Hör-, Video- oder Textbeitrag. Von Interviews über das Leben in Bochum, einem Bericht über ein schwul-lesbisches Straßenfest bis zur Simulation einer politischen Podiumsdiskussion um Kindergartenplätze reichen die Themen. Das abstrakte Feld „Politik“ wird auf diese Weise „begreifbar“. Gerade im Superwahljahr 2009 sei das von enormer Bedeutung, befand auch das PJW. Dr. Volker Bandelow fasste den besonderen Eindruck, den ZOOM bei ihm hinterlassen hat zusammen: die Kombination von pädagogischem Lernen, der praktischen Anwendung und den Auswirkungen vor Ort sei vorbildhaft.

Schon einmal ist eine der Redaktionen ausgezeichnet worden: die Redaktionsgruppe aus Erkelenz war einer der 12 Preisträger, die die Jury der Landesanstalt für Medien der Landesregierung NRW aus 480 Einsendungen 2008 ausgewählt hatten. Nach dem Kinderfilmfest Cinepänz und dem neuen Urban Media Festival im November geht somit dieses Jahr für das jfc Medienzentrum einem besonders erfolgreichen Abschluss entgegen.

Den zweiten Platz des Initiativenpreises belegt die Kölner förderungs- & bildungsgemeinschaft jugend- und altenarbeit vingst/ostheim e.V., Bürgerzentrum Vingst „et Sozi“, Köln, gemeinsam mit der Jugendeinrichtung Escher Club der Jugendzentren gGmbH für das Kooperationsprojekt „Mitmischen in Köln“, an dem auch das Amt für Kinderinteressen der Stadt Köln und die Konrad-Adenauer-Realschule sowie das jfc Medienzentrum beteiligt waren. Die Jury überzeugte der Einsatz von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für mehr Partizipation und Lebensqualität in ihrem Stadtviertel.

Den dritten Preis erhielt die RUHRWERKSTATT Kultur-Arbeit im Revier e.V., Oberhausen, für das Projekt „Baui-Chefwochen“. Die Jury überzeugte das konsequente Rollenspiel auf dem Bauspielplatz („Baui“) während der Sommerferien: Wahlkampf, Wahlgang, Regeln erlassen, Schlüssel- und Budgetgewalt, Machtausübung und -begrenzung kennzeichnen das Projekt als demokratisches Übungsfeld.

UNART e.V., Essen, hat eine lobende Erwähnung bei der Preisverleihung erfahren, weil diese Initiativgruppe seit mehreren Jahren mit Kindern und Jugendlichen, die in der Psychiatrie untergebracht sind, kulturpädagogisch arbeitet.

Prof. Klaus Schäfer, Abteilungsleiter Jugend im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW, betonte in seiner Laudatio, dass Initiativgruppen in der Kinder- und Jugendarbeit „unzweifelhaft“ förderungswürdig seien, weil sie besondere Themen aufgreifen können, als „Salz in der Suppe“ die Wahrnehmung auf bestimmte Zielgruppen lenken können und jungen, parteilosen Menschen ermöglichen parteiisch zu sein. Sein Fazit: „Wir können auf Initiativgruppen nicht verzichten!“ Projekte, die Jugendlichen helfen zu lernen, was es bedeutet zur Wahl zu gehen, seien weiterhin förderungswürdig: „Wir bleiben bei der Stange.“ äußerte er.

Frei nach Karl Valentin befand Dr. Agnes Klein, Beigeordnete der Stadt Köln, in ihrem Grußwort: „Partizipation ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Ebenso wie in der Politik brauche man in der Jugendarbeit oft einen langen Atem. Sie freute sich vor allem, dass zwei Projekte aus der Medienstadt Köln den ersten und zweiten Platz belegten, an denen das jfc Medienzentrum maßgeblich beteiligt war.

Und die „Betroffenen“? Die Aufregung war den jungen Preisträgern anzumerken, doch diese hielt sie nicht davon ab, sich souverän oder lässig zu bedanken. Mit kleinen Hexenhäuschen aus Lebkuchen, geschmückt mit Forderungen nach weiterer Finanzierung ihrer Projekte, bedankten sie sich bei allen Rednern.

Der Sprachenladen e.V., Alfter hat schon weitere Ideen, die er aus eigener Initiative umsetzen möchte, wie eine Graffitiwand und ein Mediencafè. Auch Dirk, Daniel, Dogan und Nasip aus Alfter sind begeistert und hatten sich die Auseinandersetzung mit Politik vor ihrer Teilnahme in der Redaktion niemals so spannend vorgestellt. Kaddy aus der Bochumer Gruppe hat über das Podcasten im Internet die Aufmerksamkeit eines WDR-Redakteurs auf sich gezogen, der nun mit ihr ein Hörspiel plant und rät allen zur Teilnahme am Projekt ZOOM.

Der Wunsch der jungen Preisträger, weiter machen zu können, wurde gehört. Ob er auch erhört wurde, bleibt abzuwarten.

Gefördert wurde der Initiativenpreis 2009 im Rahmen des Paktes mit der Jugend.

Quelle: JFC Medienzentrum Köln

 

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