Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

jugendschutz.net: Belästigungen, Mobbing, Hasskommentare - Immer mehr Verstöße im Web 2.0

Hand auf Computertastatur

Videos, die zu gefährlichen Würgespielen animieren. Bösartige Gerüchte in Communitys, die für betroffene Jugendliche zum Alptraum werden. Rassistische Kommentare auf Videoplattformen, die Vorurteile gegen Sinti und Roma schüren. Vor zunehmenden Risiken für Kinder und Jugendliche im Web 2.0 warnt jugendschutz.net anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichtes.

jugendschutz.net drängt auf die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet und sorgt dafür, dass Anbieter problematische Inhalte rasch ändern oder löschen. Die länderübergreifende Stelle für Jugendschutz im Internet mit Sitz in Mainz unterstützt die Jugendministerien der Länder und die Kommission für Jugendmedienschutz bei deren Aufgaben.

Cover des Jugendschutz.net-Berichts 2011Um Kinder und Jugendliche so gut wie möglich vor den Gefahren im Internet zu schützen, bedürfe es der gemeinsamen Anstrengung aller, sagt die Jugendschutzreferentin des Landes Berlin, Judith Schwarzburger. Der Appell richtet sich besonders an Betreiber internationaler Plattformen, sich stärker für den Jugendschutz zu engagieren. Aber auch die Netzgemeinde sei aufgerufen, für den Schutz von Schwächeren einzutreten und User in ihre Schranken zu weisen, wenn sie die Anonymität im Web 2.0 missbrauchen.

39.000 Internetangebote kontrollierte jugendschutz.net 2010. Die Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr ist durch verstärkte Kontrollen im Web 2.0 zu erklären. Nur noch ein Drittel der Fälle waren klassische Websites. 2.600 davon wiesen neue Verstöße auf, wobei eine Zunahme vor allem bei ausländischen Websites festzustellen war. Im Web 2.0 hat jugendschutz.net rund 6.000 unzulässige Videos, Profile und Kommentare dokumentiert.

In vier von fünf deutschen Fällen konnten Verstöße durch Kontakte zu Providern schnell beseitigt werden. Sind Anbieter unkooperativ, wird die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) eingeschaltet. Auch im Ausland war jugendschutz.net mit seinen Maßnahmen erfolgreich. In 80 % der absolut unzulässigen Fälle (z. B. Kinderpornografie, Nazi-Propaganda, Exekutionsvideos) konnte die Löschung erreicht werden, bei jugendgefährdenden Inhalten lag die Quote bei einem Drittel.

Durch über mehr als 10.000 Hinweise aus der Bevölkerung (hotline@DontReadMejugendschutz.net), regelmäßige Kontrollen der wichtigsten Dienste und gezielte Recherchen stößt jugendschutz.net auf unzulässige Angebote. 2010 untersuchte das Team beispielsweise, wie Kinder über Teen-Model-Sites sexuell vermarktet werden, in welchem Umfang unzulässige Inhalte über große Bloggingplattformen verbreitet werden und welche Datenschutzmängel im Bereich der Kinderseiten existieren.

jugendschutz.net nutzt seine Erkenntnisse aus der Recherche auch, um Kindern, Jugendlichen und Eltern einfache Hilfen an die Hand zu geben, wie sie die Chancen des Internets nutzen und Risiken vermeiden können. Der Bericht 2010 steht hier zum Download zur Verfügung.
2010 sind zwei Faltblätter für Eltern zu Internetcommunitys und Messengern wie ICQ erschienen. Auch die erste personalisierbare Startseite für Kinder hat jugendschutz.net entwickelt (surfen-ohne-risiko.net).