Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

Jugendportal netzcheckers stellt den Betrieb ein

netzcheckers.de gehört zu den dienstältesten deutschsprachigen Angeboten für Jugendliche. Als noch niemand wusste, was Social Media sind, bot netzcheckers eine Community und vielfältige Interaktionsmöglichkeiten und Kreativangebote. Ende Juni ist Schluss.

Das Ende von netzcheckers.de wird auf der Startseite des Jugendportals so angekündigt: "Am 30. Juni 2011 wird netzcheckers.de seinen Community-Betrieb einstellen! Sichert bis dahin eure Inhalte (Fotos, Videos, Podcasts, Klingeltöne und Blogeinträge) und ladet sie selbst runter!"
Zwar wird die Seite nicht vom Netz genommen, aber da ab 30. Juni kein Community-Management mehr vorhanden ist, niemand mehr auf Nachrichten aus der Community antworten kann und - falls einmal nötig - problematische Inhalte löscht, werden alle Beteiligungsfunktionen abgestellt. Grund ist das Ende der Förderung für das Projekt "Jugend online", das netzcheckers.de betreute, durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Andere Teilprojekte von "Jugend online" werden wohl erhalten bleiben oder von anderen Trägern übernommen werden. Das Partnernetzwerk netzcheckers.net wird weitergeführt, ebenso wird es voraussichtlich mithilfe des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Fortführung der erfolgreichen Kampagne "watch your web" geben. Der Medienwettbewerb MB 21 wurde bereits durch das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) übernommen und dort weiter betreut.

Grund genug, einen Blick zurück auf die Geschichte eine der ältesten Jugend-Communitys zu werfen und eine pädagogische Bilanz zu ziehen.

„netzcheckers hat es mir über Jahre ermöglicht, über mich selbst nachzudenken und das unbehelligt“. Das schrieb Userin Lena nachdem sie zwei Jahre lang ein Weblog bei netzcheckers geführt hat – mit großer Beständigkeit und wachsender Leserschaft. Lena gehörte zu den Ersten, die netzcheckers – als das Jugendportal 2004 online ging – für sich entdeckte. Was Lena begeisterte war, dass es eine Jugendseite gab, auf der man tatsächlich etwas machen konnte. In einer Zeit, in der es kaum Angebote für Jugendliche im Netz gab, war das keine Selbstverständlichkeit. Und von Social Media sprach auch noch niemand. Dass man „einfach so“ etwas schreiben durfte, war erst recht für ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Portal eine kleine Revolution – und ist es bis heute. Was Lenas Zufriedenheit ausmachte, entwickelte sich zu einem Markenzeichen von netzcheckers: Der geschützte Raum, in dem man alles ausprobieren darf, ohne dass dies gleich einer großen Öffentlichkeit zugänglich wird.

Der damalige Mangel an jugendspezifischen Angeboten erlaubte es netzcheckers lange viele Jugendinteressen erfolgreich abzubilden: Musik, Religion, Politik, und, und, und … Gut, dass die Entwicklung des Internets nicht stehen geblieben ist und dem damaligen Projekttitel „Bundesinitiative Jugend ans Netz“ heute etwas Ironisches anhängt. Die Jugend ist im Netz und sie findet interessante Angebote zuhauf. netzcheckers spezialisierte sich nach dem Ende der Bundesinitiative und wurde das „Jugendportal für digitale Kultur“. Es war endlich das, als was es schon immer zur Kenntnis genommen worden war.

Der Urknall des Portals kam nicht mit dem Onlinegang, sondern mit dem Klingelton. Oder besser gesagt mit dem selbst gemachten Klingelton. Netzcheckers bot eine Software zum Download an, die es ermöglichte Handy-Klingeltöne selbst zu generieren, statt sie mit teuren Abonnements zu kaufen. Das Thema „Abofallen“ war damals in aller Munde und netzcheckers schlagartig bekannt. Etwas selber zu machen, statt es zu kaufen, wurde in den nächsten Jahren das Markenzeichen von netzcheckers.de und Teil des pädagogischen Konzepts. Damit ließ sich gut an Trends anknüpfen, an freie Musik unter Creative Commons Lizenz beispielsweise. Eine beeindruckende Menge an Tutorials und Workshops ist daraus entstanden, die netzcheckers bis heute anbietet.

Etwas selber zu machen, beinhaltet auch immer die Möglichkeit des Scheiterns und sich in einer Community zu Wort zu melden auch immer die Chance des Fehltritts. Dennoch war netzcheckers.de nie ein goldener Käfig - Jugendliche durften tun und lassen, was sie wollten und das Community-Management wurde erst bei Beschwerden aktiv. Das war außerordentlich selten nötig. Allerdings mussten sich Jugendliche immer bewusst für öffentliche Schritte entscheiden. Die Privatsphäreeinstellungen des Portals sahen als Standard vor, dass eigene Inhalte immer nur für den Urheber selbst sichtbar waren. Wer mehr wollte, musste bewusst die Einstellungen ändern. Zugleich setzte netzcheckers.de immer auf Begleitung durch die pädagogische Praxis, auf Jugendarbeiter und -arbeiterinnen, die das Portal für Medienangebote in der Jugendarbeit nutzen wollten. Das hat bis heute Beispielcharakter.

"Jugend online" wird in Kürze alle gemachten Erfahrungen in einer Broschüre veröffentlichen. Auch dies ein Beitrag zur Nachhaltigkeit des Projektes über den letzten Tag der Förderung hinaus.

INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0