Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Internet: Nicht jedes Risiko führt zu Schäden

Eine neue europaweite Studie zeigt: Eines von acht Kindern hat bereits einmal schlechte Online-Erfahrungen gemacht. Die Mehrheit nutzt das Netz jedoch souverän.


Mehr als eines von acht Kindern wurde online belästigt oder wurde durch Online-Inhalte gestört. Das ist eines der Ergebnisse einer am 21. Oktober veröffentlichten Befragung von 23.000 jungen Menschen in ganz Europa. Die Forscher betonen jedoch, dass die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen keine schlechten Erfahrungen im Internet machen und oft souverän mit Dingen umgehen, die manche Erwachsene als riskant betrachten.

Während 12 Prozent der Kinder sagen, sie hätten sich durch Online-Erfahrungen belästigt oder gestört gefühlt – einschließlich der Begegnung mit Pornographie, sexuellen Nachrichten, Mobbing und potenziell schädlichem „user generated content“ – ist eine weitere Erkenntnis der Studie, dass Eltern sich oft nicht der Risiken bewusst sind, denen ihre Kinder ausgesetzt sind. In Fällen, in denen Kinder online schikaniert worden waren, war mehr als der Hälfte der Eltern nicht klar, dass dieses geschehen war.

Das EU Kids Online-Projekt an der London School of Economics and Political Science (LSE) hat auch festgestellt, dass Kinder in immer jüngerem Alter online gehen - durchschnittlich mit sieben in Schweden und acht in mehreren anderen nordeuropäischen Ländern, einschließlich Großbritannien.

Interviewer, die mit Kindern im Alter von neun bis sechzehn sprachen, stellten fest, dass die jüngsten Befragten es am schwierigsten fanden, verstörende Online-Inhalte zu bewältigen. Die Studie empfiehlt zielgruppengerechte Beratung bei jüngeren Altersgruppen, um Risiken zu reduzieren und die Möglichkeiten der Nutzung der Chancen des Internets zu verbessern.

Das Forschungsteam führte für den mit „Risiken und Sicherheit im Internet“ betitelten Bericht Interviews in 25 europäischen Ländern. Das Projekt wird durch das von der EU finanzierte Safer-Internet-Programm gefördert und in Luxemburg während des Safer Internet Forum vorgestellt werden.

Die Tschechische Republik, Estland, Litauen und Schweden waren die Länder, in denen Kinder stärker online gefährdet sind. In Italien, Portugal und der Türkei wurden die geringsten Risiken festgestellt. Allerdings fanden die Forscher heraus, dass die steigende Zahl von Kindern im Internet sowohl mehr Chancen als auch Risiken mit sich bringt, und dass Risiken oft nicht zu Schäden führen.

Sonia Livingstone, einer der Autoren des Berichts und Professor für Medien-und Kommunikation an der LSE, sagte: „Diese Studie zeigt, Kinder gehen jünger online und öfter als je zuvor. Das Internet ist heute von zentraler Bedeutung für das Leben der Kinder in Europa und sie nutzen es für eine Reihe von Dingen, die oft von Vorteil sind, einschließlich Hausaufgaben, spielen, Videos anschauen und Instant Messaging. Während es beunruhigend ist, dass einige Kinder mit Dingen überfordert sind, die sie online vorfinden, ist es wichtig, dies gegen die Vorteile abwägen und zu verstehen, dass Risiken nicht immer zu Schäden führen müssen.“

"So ist zum Beispiel Online-Mobbing ein Verhalten, das Kinder am ehesten aufgeregt, aber es ist auch das geringste Risiko unter allen von uns betrachteten Risiken. Die jüngsten Kinder sind diejenigen, die es am schwersten finden, verstörende Erlebnisse zu verarbeiten. Das ist der Bereich, in dem Regierungen Maßnahmen zum Schutz und zur Erziehung fördern sollten."

Weitere Ergebnisse der Studie sind:

  • Die Hälfte aller Kinder sagen, sie finden es online einfacher sie selbst zu sein, als im
    wirklichen Leben
  • Jungen sind häufiger sexuellen Darstellungen ausgesetzt, während Mädchen eher verletzende Nachrichten empfangen.
  • Eines von acht Kindern hat schon einmal „user generated content“ zu den Themen Hass oder Magersucht gesehen.
  • 48% der Kinder, die das Internet nutzen, haben Zugang im eigenen Zimmer und fast ein Drittel der Kinder (31 Prozent) haben Zugang über ein mobiles Telefon oder andere mobile Endgeräte.
  • Vielen 11-12-Jährige fehlen grundlegende Kenntnisse über Privatsphäre-Einstellungen oder das Blockieren unerwünschter Kontakte.

Der vollständige Bericht „EU Kids – Online, Risiken und Sicherheit im Internet“ kann hier heruntergeladen werden:
http://www2.lse.ac.uk/media@lse/research/EUKidsOnline/Initial_findings_report.pdf

Außerdem liegt eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus Deutschland vor: http://www2.lse.ac.uk/media@lse/research/EUKidsOnline/EUKidsII%20(2009-11)/EUKidsExecSummary/GermanyExecSum.pdf

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