Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Ich poste, doch wer bin ich? – Selbstdarstellung von Kindern und Jugendlichen im Netz

Zwei Jugendliche machen ein Selfie mit einem Smartphone
Bild: rawpixel.com

Soziale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch Kinder und Jugendliche posten Fotos von sich und Freunden und teilen im Netz, welche Dinge sie beschäftigen. Welchen Einfluss soziale Netzwerke auf Kinder und Jugendliche haben, fasst das Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ in einem Fachbeitrag zusammen.

Bibi hat leicht zerzauste Haare und blinzelt in die Sonne. Die Haut, die Augen, die Haare sie wirken perfekt. Unter ihrem Bild häufen sich die roten Herzen. Bibi heißt eigentlich Bianca Heinicke und präsentiert sich auf Instagram wie das Mädchen von nebenan. In Wirklichkeit ist sie eine von Deutschlands bekanntesten Influencern. Mit ihrem natürlichen Auftreten gibt sie ihren Fans das Gefühl, „eine von ihnen“ zu sein.

Liken, kommentieren und informieren

Soziale Medien gehören zu unserem Alltag. Auch Heranwachsende sind von sozialen Netzwerken fasziniert. Sie fotografieren sich im Spiegel, mit ihren Freunden oder posten das Urlaubsbild mit perfekter Strandkulisse. Sie kommentieren Fotos und Beiträge, tauschen sich in Gruppen aus und lachen über Videos. Das aktuelle Weltgeschehen findet so den Weg zu ihnen und Hashtags wie #FridaysForFuture können eine Jugendbewegung starten. Doch vor allem zeigen die geteilten Fotos und Filme die Jugendlichen selbst und die Dinge, die sie bewegen.
Bei jungen Menschen ist das eigene Selbstbild noch in der Entwicklungsphase. Durch die Nutzung sozialer Medien können Kinder und Jugendliche ihr eigenes Selbstbild herausfinden und ausprobieren. Sie testen, wie sie auf andere, vor allem auf Gleichaltrige, wirken. Wer findet mich schön? Wem gefällt mein Bild? Das Selfie, eine beliebte Form der Selbstdarstellung spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein Selfie ist ein Selbstportrait, meist spontan aufgenommen mit dem eigenen Handy oder Tablet. Häufig wird ein Selfie mit Filterprogrammen bearbeitet, um schöner und makellos auszusehen.

Der alltägliche Einfluss der Influencer

Bei der Entwicklung des eigenen Ichs orientieren sich junge Heranwachsende an den Körper- und Rollenbildern, die ihnen in sozialen Netzwerken begegnen. Vorbilder sind Stars aus Musik und Mode, aber vor allem sogenannte Influencer (engl. influence = Einfluss). Diese haben viele Follower, die gespannt ihrem alltäglichen oder glamourösen Leben in den sozialen Medien folgen. Sie geben sich wie gute Freunde, sprechen ihre Fans direkt an und geben sich so authentisch und nahbar. Ihre Fans können direkt mit ihnen in Kontakt treten, indem sie die geposteten Fotos oder veröffentlichten Videos kommentieren und liken. Daher fühlen sich viele Kinder und Jugendliche Influencern oft näher als Schauspielerinnen oder Musikern. Influencer haben so einen großen Einfluss und können zum Beispiel viele ihrer Follower für die von ihnen beworbenen Produkte begeistern.

Der Druck der scheinbaren Perfektion

"Bibis Beauty Palace", der YouTube-Kanal von Bianca Heinicke, ist einer der meist abonnierten Kanäle. Derzeit verfolgen 5,5, Millionen Fans, wie die 26-Jährige über Lifestyle-Themen spricht, Modetipps gibt oder Inhalte aus ihrem Privatleben teilt. In ihren Videos und auf ihren Fotos wirkt sie immer perfekt. Die meisten Influencer sind auf den Fotos schlank, schön, sportlich und muskulös. Viele Jugendliche verstehen diese Körperbilder als Ideal und versuchen diese zu erreichen. Mädchen streben danach, möglichst schlank zu sein, Jungen zeigen stolz ihre Muskeln. Der Vergleich mit dem Unerreichbaren kann dazu führen, dass Kinder und Jugendliche an sich selbst zweifeln und ein negatives Selbstbild von sich entwickeln.

Jugendliche Realität trifft mediale Inszenierung

Klar ist: Die Ideale der Social-Media-Welt sind in der Realität nicht mühelos zu erreichen. Kinder und Jugendliche müssen erkennen, dass in den sozialen Medien durch Retuschieren, Filter und professionelles Posieren oft unrealistische Körper gezeigt werden. Auch müssen sie erkennen, dass es eine Vielfalt an Körperbildern gibt und nicht, wie in den Medien dargestellt, nur ein Ideal. So kann ein positives Körpergefühl entwickelt werden.

Die Rolle der Eltern und pädagogischen Fachkräfte

Eltern und pädagogische Fachkräfte können junge Heranwachsende bei der Entwicklung einer eigenen Identität und eines gesunden Körperbewusstseins unterstützen. Durch das Sprechen über Bildbearbeitung und das Ausprobieren an eigenen Fotos, verstehen die Jugendlichen, wieso die Vorbilder im Netz so makellos erscheinen. Gemeinsam können die vermittelten Körper- und Schönheitsideale hinterfragt werden. Dies hilft Kindern und Jugendlichen den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Und zu erkennen, wie viel Arbeit dahintersteckt, damit Bibis Haare so natürlich zerzaust und ihr Gesicht so makellos wirken.

Mehr Informationen

Der Fachbeitrag „Ich poste, doch wer bin ich? – Selbstdarstellung von Kindern und Jugendlichen im Netz“ wurde beim Initiativbüro Gutes Aufwachsen mit Medien erstveröffentlicht und steht dort mit weiteren Informationen zur Verfügung.

Quelle: Initiativbüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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