Initiative D21

Gewalt gegen Frauen auch im digitalen Raum

Eine Schülerin ist alleine draußen unterwegs und schaut traurig auf ihr Smartphone und schreibt etwas
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Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen weist die Initiative D21 auf die Situation von Frauen im Internet und den sozialen Medien hin. Ihre Studie „Digitales Leben“ zeigt, dass Anfeindungen im Internet keine Seltenheit sind.

Die Studie ‚Digitales Leben‘ der Initiative D21 zeigt, dass neun Prozent aller Frauen Anfeindungen im Netz begegnen und zwölf Prozent der Männer. In der Generation der 18- bis 38-Jährigen sind es bereits 14 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer. Die Qualität der Anfeindungen unterscheidet sich jedoch stark: 32 Prozent der Frauen fühlen sich von erlebten Anfeindungen im Netz sehr verletzt, bei Männern sind es neun Prozent.

Silencing ist ein Problem für die gesamte Gesellschaft

„Zum Thema Gewalt gegen Frauen müssen wir zwingend auch in den digitalen Raum schauen: Wenn sich Frauen hier öffentlich äußern, erleben sie in deutlich erhöhtem Maß sexualisierte Gewalt und Anfeindungen. In der Folge ziehen sich einige von ihnen zurück und halten sich lieber aus Diskussionen heraus – dass bezeichnet man auch treffend als Silencing“, sagte D21-Präsident Hannes Schwaderer. „Wir müssen uns klar machen: Gewalt gegen Frauen im Internet ist kein ‚Frauenproblem‘ sondern eines für die gesamte Gesellschaft! Es bedroht unsere Meinungsfreiheit und Pluralität, wir haben es mit systematischer Grenzüberschreitung zu tun – teilweise juristisch, immer moralisch.“

Die Studie ‚Digitales Leben‘ zeigt auf, dass der digitale Raum für das Leben von Frauen und Männern eine wichtige Rolle spielt und beispielsweise soziale Medien einen Einfluss darauf haben, wie der gesellschaftliche Diskurs geführt wird. So glauben 61 Prozent der jungen Männer zwischen 18 und 38 Jahren, dass sie sich durch soziale Medien gesellschaftlich und politisch einbringen können. Bei den gleichaltrigen Frauen sind es 50 Prozent.

Digitale Gewalt geht uns alle an

Staatssekretärin Juliane Seifert aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sagt dazu: „‘Digitale Gewalt‘ ist ein sehr weitverbreitetes Problem. Es geht uns alle an. Frauen und Mädchen sind aufgrund ihres Geschlechts in hohem Maße betroffen und oft massiv in ihrer Lebensführung beeinträchtigt. Wir können und müssen alle dieser Gewalt entschlossen entgegentreten. Frauen dürfen sich nicht aus Angst vor Übergriffen aus dem digitalen Raum zurückziehen. Eine wichtige Hilfe und Informationen für Betroffene bietet da beispielsweise unsere Initiative ‚Stärker als Gewalt‘. Wichtig ist, dass Mädchen und Jungen frühzeitig für den Umgang mit digitalen Medien sensibilisiert und befähigt werden. Auch dafür setzen wir uns mit unseren Initiativen ein.“

Veranstaltungsreihe zielt auf politischen Diskurs

Die Initiative veranstaltet anlässlich des Tages eine virtuelle Diskussionsrunde zum Thema „Digitales Leben – Rollenbilder und Geschlechterunterschiede im Zwischenmenschlichen“ (Mittwoch, 25.11.2020 von 11-12 Uhr, Livestream über www.initiatived21.de/livestream). Es diskutieren:

  • Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Dr. Joy Alemazung, #HeForShe Botschafter UN Women Deutschland
  • Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 e. V.
  • Ann Cathrin Riedel, Vorsitzende von LOAD e.V. – Verein für liberale Netzpolitik
  • Prof. Dr. Wolfgang Schweiger, Professor für Online-Kommunikation an der Universität Hohenheim in Stuttgart

Quelle: Initiative D21 e.V. vom 24.11.2020

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