Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

Fachtagung "Intimität im Netz"

Zirka 120 Fachkräfte aus den Bereichen Schule, Jugendeinrichtungen, Beratungsstellen, Polizeistellen und Hochschulen kamen zusammen, um über die Herausforderungen an Sexual- und Medienpädagogik im Hinblick auf jugendlichen Konsum von pornografischen Inhalten im Internet zu disktuieren. Copyright: mekonet

 

Bild des Plenums der Fachtagung/Copyright: mekonet

Intimität im Netz – Sexual- und Medienpädagogik zwischen jugendlicher Selbstbestimmung und Gefährdung

Sie habe, so die Moderatorin Anke Bruns bei der Eröffnung der Fachveranstaltung  „Intimität im Netz“ am 9. Februar im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, zur Vorbereitung der Tagung am Wochenende mal geguckt, was es so an pornografischen Angeboten im Internet gebe und dabei ihre Unschuld verloren. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihre 10-jährige Tochter sei ihr – besonders was die einfache Zugänglichkeit der Inhalte anging - der Schreck in die Glieder gefahren. Etwa 120 Teilnehmende aus Schulen, Jugendeinrichtungen, Beratungsstellen, Polizeistellen und Hochschulen waren zur gemeinsam von mekonet und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veranstalteten Tagung gekommen, um diese einfache Zugänglichkeit pornografischer Inhalte im Netz zu diskutieren und sich Gedanken darüber zu machen, welche Herausforderungen damit an Sexual- und Medienpädagogik verbunden sind. 

Im Eingangsvortrag rief der Hamburger Sexualwissenschaftler, Prof. Dr. Gunter Schmidt, zu Gelassenheit auf. Es habe zu allen Zeiten immer wieder große Aufregung darüber gegeben, dass die Jugend sexuell verwahrlose und die sexuelle Liberalisierung zu unkontrollierbaren Exzessen führe. Im 19. Jahrhundert beispielsweise sei die Onanie von Pädagogen und Medizinern als Ursache für schwerwiegende physische und psychische Störungen gesehen worden. Schmidt bezog sich auf Studien der Hamburger Universität, die belegen, dass Jugendliche allgemein recht kompetent mit pornografischen Inhalten im Internet umgehen und dass diese auf ihr Rollenverständnis und späteres Sexualverhalten wenig bis keine Auswirkungen haben. Dabei fällt ein genderspezifischer Aspekt auf: während Jungen gerne und häufig Pornografie im Internet konsumieren, haben Mädchen wenig Interesse daran, dulden aber in der Regel relativ tolerant den Konsum ihrer Freunde. Schmidt konstatierte sogar, dass der bildende Einfluss von pornografischen Inhalten in Bezug auf Vermittlung von sexuellen Fertigkeiten nicht unterschätzt werden dürfe und gerade von Jungen als positiv eingeschätzt würde

Nicola Döring, Professorin am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Illmenau, ging im anschließenden Vortrag noch ein bisschen differenzierter auf die sexualbezogene Internetnutzung von Jugendlichen ein. Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf eine Studie an der Universität Illmenau, die Studentinnen und Studenten zu ihren Internutzungsgewohnheiten in Bezug auf Sexualität befragte. Auch hier zeigen sich ähnlich deutliche Unterschiede im Umgang von jungen Frauen und Männern. Insgesamt gehen aber auch die befragten Studierenden souverän mit pornografischen Inhalten um und schätzen deren Nutzung nicht als Beeinträchtigung für ihr Rollenverständnis oder ihre emotionalen interaktiven Fähigkeiten ein.

Vier Workshops nach der Mittagspause widmeten sich dann so unterschiedlichen Aspekten und Themen wie „Selbstinszenierung und Identitätsmanagement“, „Pubertät und Pornografie“, „Recht und Beschwerde“ und „Medienarbeit und Sexualpädagogik“. Hier fanden jeweils zwei Impulsreferate durch Expertinnen und Experten statt. Es gab aber auch ausreichend Raum zur Diskussion. Immer wieder wurde die Unsicherheit in den Diskussionen offenbar, wann ein pädagogisches Eingreifen sinnvoll und notwendig sei. Konsens bestand darüber, dass ein konsequentes Verbieten nur zur Steigerung der Attraktivität pornografischer Inhalte führen würde. Zielführender schien hingegen ein reflektierendes Begleiten und die Verfügbarkeit von Erwachsenen – Eltern, Pädagogen – als Ansprechpartner bei Problemen und Konflikten. Trotz der vor allem von den Forschern konstatierten hohen Kompetenz im Umgang mit dem Internet gibt es natürlich auch Fälle von Überforderung, extremen Konsum und resultierender Verhaltensauffälligkeit.  

Im abschließenden Plenum stellen zahlreiche Teilnehmende fest, dass der Kontakt zwischen Sexual- und Medienpädagogen dringend intensiviert werden müsse, weil man eine Menge voneinander lernen könne. Dass hier noch jede Menge Bedarf ist, konstatiert auch die Moderatorin in ihrem Fazit. Die Veranstaltung war ein wichtiger Auftakt für die Implementierung einer Kooperation, die für die produktive Begleitung Jugendlicher in ihrem vielfältigen Medienkonsum unerlässlich ist. 

Mehr Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie über das Projektbüro mekonet (Tel. +49 (0)2365 9404-48 oder per E-Mail (info@DontReadMemekonet.de) und im Internet unter: www.mekonet.de

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