Digitalisierung und Medien / Sozialforschung

Facebook und Co.: Wie Medienkonsum Meinungen polarisiert

Display eines Smartphones mit Icons von Social Media Apps
Bild: LoboStudioHamburg - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Intensivnutzer von Facebook und Co. sind kritischer gegenüber Flüchtlingen als der Bundesdurchschnitt – aber nur, wenn sie älter sind und zur Bildungsmitte gehören. Jüngere und höher gebildete Deutsche mit einer Vorliebe für personalisierte Nachrichten sind dagegen im Schnitt offener gegenüber Flüchtlingen.

Das belegt eine neue Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart. Ein Team von Kommunikationswissenschaftlern um den Online-Forscher Prof. Dr. Wolfgang Schweiger hat dieses Phänomen der Polarisierung von Meinungen durch Filterblasen wissenschaftlich untersucht.

Keine ausgewogene Mischung von Nachrichten

Facebook, Twitter, YouTube, die Google-Suche und viele andere Nachrichtenkanäle im Internet haben eines gemein: Sie zeigen Nutzern vor allem Nachrichten, die dem eigenen Geschmack oder der eigenen politischen Einstellung entsprechen. Die Befürchtung: Eine umfassende und ausgewogene Mischung gesellschaftsrelevanter Nachrichten, wie sie Zeitungen, Nachrichten-Websites, TV- oder Radio-Nachrichten im Allgemeinen bieten, bleibt auf der Strecke.

Es bilden sich sogenannte Filterblasen, die Inhalte vorfiltern und so eingeschränkte beziehungsweise ideologisch eingefärbte Weltsichten darstellen. Ob und wie diese Filterblasen die Polarisierung der Bevölkerung verstärken, hat Prof. Dr. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim mit seinem Team untersucht.

Personalisierte Nachrichtenkanäle führen zur Polarisierung

„Je mehr sich Bürger über personalisierte Nachrichtenkanäle informieren, desto mehr Kontakt haben sie mit einseitigen Nachrichten, die ihre politische Meinung verstärken und letztlich zur Polarisierung von Einstellungen beitragen“, zieht Prof. Dr. Wolfgang Schweiger das Fazit der kommunikationswissenschaftlichen Studie.

In einer repräsentativen Online-Befragung haben die Forscher eintausend Internetnutzer nach ihren Nachrichtengewohnheiten und persönlichen Eigenschaften wie Alter, Bildung sowie nach ihrer Meinung zur Flüchtlingsdebatte befragt.

Zunächst beantworten die Wissenschaftler die Frage, wer sich besonders intensiv über personalisierte Nachrichtenkanäle im Netz informiert. Besonders populär sind sie bei jungen Leuten unter 30 – mit einer Ausnahme: Jüngere Menschen mit Hauptschulabschluss hängen noch stark an Fernseh- und Radionachrichten. Ältere Bürger nutzen allgemein weniger personalisierte Nachrichtenkanäle. In dieser Gruppe finden sich die größten Fans von Facebook, Twitter und Co. allerdings in der Bildungsmitte (v.a. mit mittlerer Reife) und unter Personen mit geringem Einkommen.

Beispiel Flüchtlings-Debatte

„Bei der Frage, ob die Nutzung personalisierter Nachrichten-Kanäle politisch extreme Einstellungen fördert, zeigen sich verblüffend gegenläufige Effekte“, so Prof. Dr. Schweiger. Menschen über 30, die oft personalisierte Nachrichtenkanäle nutzten, seien häufig Flüchtlingskritiker. Bei jüngeren Leuten sei dies umgekehrt: Je stärker sie personalisierte Nachrichtenkanäle nutzen, desto positiver stünden sie Flüchtlingen gegenüber.

Bezüglich des Bildungsniveaus beobachtet der Wissenschaftler ein ähnliches Phänomen: „Während in der Bildungsmitte die Fans personalisierter Nachrichten flüchtlingskritischer sind als die Nutzer konventioneller Nachrichten, verhalten sich Deutsche mit Abitur genau umgekehrt: Je mehr sie sich auf personalisierte Nachrichten verlassen, desto zufriedener sind sie mit der deutschen Flüchtlingspolitik.“

Die Wissenschaftler verwundert das nicht, vielmehr spiegele es den erwarteten Effekt wider: „Jüngere Menschen und Bürger mit hoher Bildung haben insgesamt positivere Einstellungen zu Flüchtlingen. Nutzen sie personalisierte Nachrichten intensiv, werden ihnen eher Inhalte angezeigt, die diese Einstellungen noch verstärken. Ältere Bürger der Bildungsmitte sind skeptischer gegenüber Flüchtlingen. Hier dürften daher kritische Inhalte vorherrschen, die ihre negativen Einstellungen verstärken.“

Zum Hintergrund

Die Ergebnisse der Studie sind in einem Taschenbuch bei Springer VS veröffentlicht.

Prof. Dr. Wolfgang Schweiger ist Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Online-Kommunikation an der Universität Hohenheim. Dr. Patrick Weber, Fabian Prochazka und Lara Brückner sind wissenschaftliche Mitarbeiter am selben Lehrstuhl.

Quelle: Universität Hohenheim vom 11.12.2018

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