Sozialforschung / Digitalisierung und Medien

Wie glaubwürdig präsentieren sich Nutzer in sozialen Netzwerken

Eine Gruppe von Menschen hält sich Computer-Tablets vor das Gesicht. Darauf zu sehen sind anonyme Gesichter.
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Soziale Netzwerke sind wichtige Plattformen im harten Wettbewerb um Stellen. Nutzer legen hier individuelle Profile an, in denen sie sich potentiellen Arbeitgebern darstellen. Aber präsentieren sich Personen in beruflichen Netzwerken tatsächlich so, wie sie wirklich sind, oder nicht vielmehr so, wie sie nach außen hin wirken möchten?

Die Frage der eigenen Präsentation in sozialen Netzwerken haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen untersucht. Besitzer von XING-Profilen wurden mit Hilfe von etablierten Persönlichkeitsfragebogen zunächst zu ihrem realistischen Selbstbild befragt, dann zu ihrem idealisierten. Sie sollten angeben, wie sie sich tatsächlich einschätzen und wie sie sich gerne sehen würden. Darüber hinaus wurden ihre XING-Profile unabhängigen Gutachtern vorgelegt. Sie sollten aufgrund der Profile die Persönlichkeitsmerkmale der Profilbesitzer einschätzen. Sie bewerteten z. B. deren Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Offenheit oder Neigung zu Neurosen.

Überraschenderweise zeigte sich, dass diese Fremdeinschätzungen hoch mit den realistischen Selbstzuschreibungen korrelierten, nicht aber mit den idealisierten. Die Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Computers in Human Behavior" veröffentlicht wird, belegt damit empirisch, dass sich Nutzer in ihren XING-Profilen realistisch und nicht idealisiert präsentieren. Sie zeigt, dass berufliche Netzwerke für Arbeitgeber ein aussagekräftiges Mittel sind, um die Persönlichkeit von Kandidaten einschätzen zu können.

Prof. Ulrike Cress, deren Arbeitsgruppe die Studie durchführte, hat dafür folgende Erklärung: "Nutzer von beruflichen Netzwerken wissen wahrscheinlich, dass auch ihre Bekannten ihre Profile lesen. Das führt wohl dazu, dass sie in ihrer Selbstdarstellung realistisch bleiben müssen. Sie präsentieren sich also nicht nur für unbekannte Personen, denen sie etwas vormachen können, sondern sie wissen, dass ihre Selbstpräsentationen auch von Personen gelesen werden, die mehr über sie wissen."

>> Studie "Self-presentation in professional networks: More than just window dressing"

Quelle: Leibniz-Institut für Wissensmedien vom 16.09.2015

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