Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Studie: Jugendliche verfügen über unzureichende Medienkompetenz

Um die Medienkompetenz junger Menschen ist es schlecht bestellt, obwohl gerade sie sich im Internet oft wie zuhause fühlen. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommen Experten im Auftrag des deutschen Bundesbildungsministeriums (http://www.bmbf.de) in einer aktuellen Studie.

"Gewerkschaften und Arbeitgeber sind besorgt über den mangelhaften Umgang der jungen Generation mit Medien", berichtet Heidi Schelhowe vom Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen (http://www.tzi.de im pressetext-Interview).

Entscheidend für Beruf und Person

In der Arbeitswelt hat derjenige nicht genug Medienwissen, der bloß einen Computer bedienen und im Internet surfen kann. Worum es geht, ist mehr als der Umgang mit Programmen, so die Sprecherin der Expertenkommission. "Medienkompetenz heißt im Beruf vor allem, dass man sich in komplexe Programme gut einarbeiten kann - und das lebenslang. Zudem geht es um die vernetzte Arbeit." Patentrezepte für die Vermittlung dieser Fähigkeiten gibt es bisher noch nicht.

Neben der Vorbereitung für die berufliche Rolle halten die Experten auch den von Alexander Humboldt geprägten Zugang der Persönlichkeitsbildung für zentral. Bei Medien bedeutet dieser, dass man Informationen hinterfragen, bewerten und richtig in den eigenen Kontext einordnen kann. "Zudem tauchen neue ethische Fragen auf, da Jugendliche plötzlich als Produzenten auftreten und mühelos Botschaften an eine Weltöffentlichkeit richten können. Was im Internet gesagt wird, hat andere Bedeutung als im Schulhof", so Schelhowe. 

Schule muss reagieren

Am ehesten gelingt es in den Augen der Expertin den Jugendlichen aus hohen Bildungsschichten, mühelos zwischen virtuellen und realen Welten zu wechseln, die Medien für die eigene Verwirklichung zu nutzen und durch sie an der Gesellschaft teilzunehmen. "Medienkompetenz darf jedoch nicht auf diese Gruppe beschränkt bleiben. Sie gehört daher zum allgemeinen Bildungsauftrag."

Schule und Unis müssen auf die neue Medienkultur reagieren, da hier die Weichen für Kompetenz gestellt werden, fordert Schelhowe. Medienbildung ist jedoch in der Lehrerbildung noch kaum verankert und selbst an den Unis sind verpflichtende Kurse dazu noch Ausnahme. "Die Folge ist, dass die Schulen heute eine relativ gute Hardware-Ausstattung besitzen, doch die Lehrer nutzen den Computer im Unterricht viel zu wenig. Und das, obwohl jedes Fach von Medien betroffen ist. Im Deutschunterricht wäre etwa der richtige Umgang mit Rechtschreibprogrammen ein wichtiges Thema."

Die Studie zum Download finden Sie unter: http://www.bmbf.de/pub/kompetenzen_in_digitaler_kultur.pdf

 Mehr Informationen unter: http://www.pressetext.de/news/100809016/jugendliche-sind-medien-schwaechlinge/

Quelle: pressetext.deutschland

 

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