Digitalisierung und Medien / Jugendforschung

Neue LfM-Studie veröffentlicht: Was X-Diaries für Jugendliche attraktiv macht

Vier Freundinnen schauen Fernsehen
Bild: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

Die nun in der Reihe „LfM-Dokumentation Online“ veröffentlichten Ergebnisse der Einzelformatanalyse zur Sendung „X-Diaries – Love, Sun und Fun“ geben erste Einblicke in die Faszinationskraft, die für viele Heranwachsende von Scripted Reality-Formaten ausgehen.

„X-Diaries – Love, Sun und Fun“ ist ein insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebtes TV-Format (RTL2). Die Sendung handelt von Menschen, die zusammen den Urlaub verbringen. In mehreren Handlungssträngen verfolgt die Kamera – scheinbar dokumentarisch – zentrale Ereignisse des Urlaubs. Dabei werden die Geschichten um Partnerschaft, erotische Annäherung und Familienstreit meist von Laiendarstellern dargestellt. „X-Diaries“ ist ein sog. „Scripted Reality-Format“. Das sind Sendungen, in denen die Handlungen erfunden sind, die ästhetisch jedoch so produziert werden, dass sie aussehen wie ein dokumentarisches Format. Gerade junge Zuschauer können deshalb oft nur schwer zwischen Inszenierung und Realität unterscheiden und erkennen das Gesehene nicht mehr als das, was es eigentlich ist: reine Fiktion.

Was ist es, das Jugendliche und junge Erwachsene an X-Diaries interessiert? Was sehen die regelmäßigen X-Diaries-Zuschauerinnen und -Zuschauer als dokumentiert und was als gescriptet an? Und: Was sind aus der Perspektive der Medienpädagogik und des Jugendmedienschutzes die potenziellen Problembereiche des Formates?

Die nun in der Reihe „LfM-Dokumentation Online“ veröffentlichten Ergebnisse der Einzelformatanalyse zur Sendung „X-Diaries – Love, Sun und Fun“ geben erste Einblicke in die Faszinationskraft, die für viele Heranwachsende von Scripted Reality-Formaten ausgehen. Studienleiterin Dr. Maya Götz: „Die Sendung bietet romantische Geschichten von der großen Liebe, ähnlich einer Daily-Soap oder einem Groschenroman. Es werden kritische Themen wie Sexualität und Moral thematisiert, jedoch meist so übersteigert, dass es für Jugendliche vor allem lustig ist. Die zum Teil bis ins Absurde getriebenen Geschichten über Familien aus bildungsfernen Milieus ermöglichen es, sich so richtig überlegen zu fühlen und ´abzulachen´. Das Format bietet Jugendlichen so eine angenehme Rezeptionsposition, bei der sie sich mal einfühlen, mal erotisch oder moralisch erregen können und die ihnen Selbsterhöhung ermöglicht – durch ein Herunterblicken auf ´die dummen Anderen´.“

Die vorliegende Analyse ist in Kooperation zwischen der Gesellschaft zur Förderung des internationalen Jugend- und Bildungsfernsehens e. V. und der LfM entstanden. Die Vermittlung von Medienkompetenz ist ein zentrales Anliegen beider Institutionen. „Medienkompetenz ist heutzutage eine Schlüsselkompetenz“, so LfM-Direktor Dr. Jürgen Brautmeier. „Nur wer medienkompetent ist, kann die Chancen ausschöpfen, die von Medien ausgehen.“

Im Rahmen der Zusammenarbeit werden daher einerseits formatanalytische Untersuchungen zu aktuellen Programmformaten durchgeführt, die Interessierten, aber auch Pädagogen als Hintergrundinformationen für ihre Arbeit mit Heranwachsenden dienen sollen. Andererseits bilden die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Analysen die Grundlage für die medienpädagogische Handreichung „tv.profiler“. Diese sollen Lehrkräften – auch für Vertretungsstunden – in kürzester Form Materialien an die Hand geben, aktuelle Formate in Unterrichtskontexten behandeln zu können. Die Ergebnisse der „X-Diaries“-Analyse gehen gegenwärtig in die Konzeption und Erarbeitung der zweiten Ausgabe der LfM-Reihe „tv.profiler“ zum Thema „Scripted Reality“ ein, die in Kürze erscheinen wird.

Bibliographische Angaben:

Maya Götz, Sophia Koenen: Romantische Liebe, erotische Fantasien, moralische Aufreger und „Ablachen“. Was X-Diaries für Jugendliche attraktiv macht. Düsseldorf: LfM, 2012. 54 S. (LfM-Dokumentation; Band 43/Online).

Download

Die erste Ausgabe der Reihe tv.profiler zum Thema „Germany’s next Topmodel“ kann kostenlos über den Online-Bestellservice der LfM angefordert werden. Parallel steht eine Version zum Download zur Verfügung.

Quelle: LfM NRW

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