Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Dialog mit Facebook: KJM fordert Engagement im Jugendschutz

Andreas Fischer, stellv. KJM-Vorsitzender; Dr. Gunnar Bender, Director Policy Facebook Deutschland; Eva Maria Kirschsieper, Manager Public Policy Facebook Deutschland; Siegfried Schneider, KJM-Vorsitzender; Thomas Krüger, stellv. KJM-Vorsitzender
Bild: obs/Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)

Gerade ältere Kinder und Jugendliche sind fasziniert von den vielen Chancen der virtuellen Kommunikation. Analog dazu wird die Thematik für den Jugendschutz immer relevanter. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat deshalb großes Interesse am Austausch mit den entsprechenden Anbietern und lud Vertreter von Facebook zum Dialog in ihre Sitzung nach München ein.

Zu Gast waren die beiden Repräsentanten von Facebook Deutschland, Dr. Gunnar Bender, Director Policy, und Eva Maria Kirschsieper, Manager Public Policy. „Gemäß dem erfolgreichen Prinzip der regulierten Selbstregulierung setzt die KJM darauf, Unternehmen im Bereich des Jugendschutzes zu unterstützen und verantwortungsvolles Handeln in diesem Bereich einzufordern“, erklärte der KJM-Vorsitzende Siegfried Schneider in seinem Eingangsstatement.

Einig war man sich darin, die Wertediskussion gemeinsam zu führen und auf das Ineinandergreifen von Medienkompetenz auf der einen und Jugendschutz auf der anderen Seite zu setzen. Dr. Gunnar Bender konkretisierte: „Wir brauchen nicht nur Medienkompetenz, wir brauchen Medienproduzentenkompetenz.“ Schließlich werde man als Nutzer von Social Media mit jedem Klick auch selbst zum Medienproduzenten. Problematisch werde es dann, „wenn Jugendliche durch unbedacht eingestellte Inhalte zur Gefahr für sich selbst werden“. Facebook sei deshalb in einem engen Dialog mit zahlreichen Partnern um sicherzustellen, dass „Facebook für gute Inhalte und Taten genutzt und speziell soziale Medienkompetenz gezielt gefördert wird“.

Aus Sicht der KJM gibt es an dieser Stelle Optimierungsbedarf: Denn da Facebook als ausländisches Unternehmen nicht den Regelungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) unterworfen ist, löscht es die entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalte nur zum Teil. Bei unzulässigen Inhalten dagegen zeigt sich Facebook sehr kooperativ. Die KJM formulierte im Rahmen des Austausches einige praxisnahe Anregungen zur Verbesserung des Jugendschutzes:

  • Während deutsche Anbieter verpflichtet sind, einen Jugendschutzbeauftragten zu haben oder Mitglied in einer Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle zu sein, gibt es keine entsprechenden Vorschriften für ausländische Anbieter. „Ein kurzer Draht zwischen der KJM und Facebook wäre sehr hilfreich, um die Zeit zwischen Eingang einer Beschwerde und der Löschung jugendschutzrechtlich problematischer Inhalte möglichst kurz zu halten“, sagte Schneider. Schließlich sei ein effektives Beschwerdemanagement der erste Schritt zu mehr Jugendschutz.
  • Um Inhalteanbietern eine gesetzeskonforme Möglichkeit zu bieten, entwicklungsbe-einträchtigende Inhalte zu verbreiten und um Kindern und Jugendlichen eine ungefährdete Nutzung von Facebook zu ermöglichen, wäre außerdem eine Schnittstelle zu den anerkannten Jugendschutzprogrammen wünschenswert. Facebook sollte seinen Nutzern eine Möglichkeit bieten, ihre Inhalte zum Beispiel mittels des Labeling-Standards „age-de.xml“ zu kennzeichnen. Der KJM-Vorsitzende: „Das hätte große Auswirkungen auf die Akzeptanz von anerkannten Jugendschutzprogrammen, die Facebook bislang erst für die Altersstufe ,ab 16‘ freischalten.“
  • Mehr Sicherheit durch Rahmenvereinbarung: Diskutiert wurde nicht zuletzt, einen freiwilligen Jugendschutz-Kodex zu erarbeiten. Vorbild könnte der Verhaltenskodex für Betreiber von Social Communities bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter (FSM) sein. Die reichweitenstärksten deutschen Social Community-Betreiber verpflichteten sich darin im Jahr 2009, vor allem junge Nutzer durch technische Maßnahmen vor Missbrauchshandlungen Dritter wie Cybermobbing zu schützen und durch eine verstärkte Aufklärung von Minderjährigen, Eltern und Pädagogen gezielt darauf hinzuweisen, welche Schutzmöglichkeiten bestehen

Quelle: Kommission für Jugendmedienschutz vom 20.09.2012

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