Digitalisierung und Medien / Sozialforschung

Amadeu Antonio Stiftung legt Analyse zu „Toxischen Narrativen“ auf Facebook vor

Zwei Personen sitzen auf einem Sofa mit Laptop und Tablet auf den Beinen
Bild: rawpixel.com

Die Amadeu Antonio Stiftung hat von April 2016 bis Februar 2017 Postings auf Facebook-Seiten aus dem verschwörungstheoretischen, rechtsextremen und rechtspopulistischen Spektrum untersucht. Darin wurden verschiedene wiederkehrende Narrative identifiziert. Die Stiftung betont die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesen Narrativen, da sie zur Radikalisierung über Soziale Netzwerke beitragen.

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine neue Analyse zu Toxischen Narrativen auf Facebook vorgelegt. Dazu wurden zwischen April 2016 und Februar 2017 die zehn beliebtesten Postings jedes Monats von zehn exemplarischen Seiten aus dem verschwörungstheoretischen, rechtsextremen und rechtspopulistischen Spektrum gesichtet. Dies waren „Compact-Magazin“, „Ich bin stolz, deutsch zu sein“, „Lügenpresse“, „PI-News“, „AfD“, „Identitäre Bewegung“, “Ein Prozent für unser Land“, „PEGIDA“, „NPD“ und „KenFM“.

„Volksverräter“ ist das am häufigsten verwendete Narrativ

Darin wurden 27 Narrative identifiziert, die von den jeweiligen Seiten unterschiedlich oft erzählt und miteinander kombiniert wurden. Das am häufigsten verwendete Narrativ ist die Erzählung vom „Volksverräter“, die sich in 30% aller untersuchten Beiträge fand. Am häufigsten war sie bei der AfD und der NPD zu beobachten. In 22% aller Beiträge wurde das Narrativ „Migration führt zu Destabilisierung“ bedient, die Erzählung „Fremde sind schlecht“ findet sich in 20% aller Beiträge.

Überzogene Darstellung und Verfremdung der Realität

„Diese Seiten versuchen, mit ihren Erzählungen die Debatte zu vergiften, deshalb sprechen wir von toxischen Narrativen“, erläutert Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. „Da werden Ereignisse überzogen dargestellt und Realitäten verfremdet. Diese Erzählungen werden in die öffentliche Debatte und in die Leitmedien getragen und das ist das Erfolgsrezept der Rechtspopulisten. Indem sie ihre Deutungen immer wiederholen und in neue Hüllen verpacken, verbreiten sie ihren Hass wie ein schleichendes Gift.“

Erzählung vom „Asylmissbrauch“

Ein Beispiel ist die Erzählung vom ‚Asylmissbrauch“, die in verschiedenen Varianten immer wieder bedient wird. Egal ob gebetsmühlenartig von „Wirtschaftsflüchtlingen“ die Rede ist oder „alle nur illegale Einwanderer“ seien, wird Geflüchteten im Kern das Recht abgesprochen, dass sie ein Recht auf Asyl besitzen. Diese Erzählungen bauen vor allem auf Emotionen wie Angst und Abwehr und schaffen es, menschenfeindliche Ideologie in eine anschlussfähige Form zu bringen.

Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit Narrativen

Miro Dittrich, der die Daten für die Analyse erhoben und ausgewertet hat, unterstreicht die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit Narrativen: „Während sich die Debatte um Fake News, Social Bots und Hate Speech vor allem auf die Symptome konzentriert, ermöglicht erst eine Analyse der Narrative eine tiefere Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden Ideologien.“

Narrative tragen zur Radikalisierung über Soziale Netzwerke bei

„Narrative tragen maßgeblich zur Radikalisierung über die Sozialen Netzwerke bei. Sie schaffen Handlungszwänge und legitimieren Taten. Wenn es gelingt, Geflüchtete pauschal als kriminell oder als Bedrohung zu stigmatisieren, fällt es auch leichter, Rückhalt für drastische Maßnahmen zur Abwehr zu finden“, führt Kahane aus. „Eine der größten Aufgaben von Zivilgesellschaft, Politik und Medien wird es in Zukunft sein, selbst ermutigende demokratische Narrative zu liefern. Wir müssen lernen, nicht nur zu beschreiben und zu erklären, wie Demokratie und Pluralismus funktionieren. Sondern wir müssen ihre Erfolgsgeschichten erzählen und greifbar machen, warum es sich lohnt, für sie zu streiten.“

Die Analyse „Toxische Narrative. Monitoring rechts-alternativer Akteure“ steht auf der Webseite der Amadeu Antonio Stiftung zum Download bereit.

Über die Amadeu Antonio Stiftung

Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus Rassismus und Antisemitismus wendet. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse.

Quelle: Amadeu Antonio Stiftung vom 07.09.2017

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