Digitalisierung und Medien / Bildungspolitik

Digitalisierte Bildung: Zwischen Handlungsdruck und der Suche nach dem richtigen Weg

Ein Junge sitzt am Tisch und schaut konzentriert auf ein Tablet
Bild: rawpixel.com

Die digitale Transformation im Bildungsbereich zu gestalten, ist eine Herausforderung, die Schule, Eltern und Jugendarbeit nur gemeinsam bewältigen können und nicht in Einzelkämpfen. Darüber waren sich die Expertinnen und Experten auf der 24. Fachtagung des Forums Medien­pädagogik der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien einig.

Auf Einladung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien diskutierten am 8. November Schulpädagog(inn)en, Medienpädagog(inn)en, Psycholog(inn)en und Medienwissenschaftler/-innen über das Thema „Digitalisierte Bildung – Automatisierte Kinder? Neue Medien in Bildungsprozessen“.

Öffentliche Diskussion wird noch zu undifferenziert geführt

Der Handlungsdruck auf schulische und außerschulische Einrichtungen steigt, doch die öffentliche Diskussion über Digitalisierung und Bildung wird noch zu undifferenziert geführt, betonte Dr. Katrin Valentin vom Lehr­stuhl für Schulpädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Zunächst müsste geklärt werden, ob es um „Bildung in Bezug auf die Digitalisierung (Medienbildung)“ oder „Bildung mit Hilfe digitaler Medien (Mediendidaktik)“ gehe. Dabei stehe stets die Frage im Vordergrund, welche pädagogischen Ziele womit erreicht werden sollten.

Fehlende Voraussetzungen

Doch häufig fehlen bereits die Voraussetzungen für den Einsatz digitaler Medien. Das könnte sich ändern, so BLM-Präsident Siegfried Schneider zum Auftakt der Tagung. Laut neuem Koalitionsvertrag soll in Bayern die Einrichtung 50.000 „digitaler Klassenzimmer“ fortge­führt  und eine flächenwirksame Fortbildungsoffensive der Lehr­kräfte gestartet werden.

Diese Fortbildung ist vor allem deshalb notwendig, weil digitale Medien Lernprozesse verändern können, wie Schulpädagoge Prof. Dr. Klaus Zierer verdeutlichte. Der Erfolg des Einsatzes digitaler Medien hänge jedoch weder vom Alter der Lernenden, noch vom Fach oder der Aktualität des eingesetzten Geräts/Mediums ab, sondern vor allem von der „Lehrperson“: „Der Ort der Bildung ist die Interaktion zwischen Menschen“, deshalb müsse immer gefragt werden, ob alles was technisch möglich auch pädagogisch sinnvoll ist.

Fokus nicht nur auf Ausstattung legen

Bei der Entwicklung von Lernapps spielen altersbezogene Kompetenzen hingegen eine wichtige Rolle. Entwicklungs­psychologe Dr. Frank Niklas kritisierte, dass die meisten Spiele und Lernapps keine altersgerechten Lernansätze hätten, um ein aktives, vertieftes, bedeutsames und sozial interaktives Lernen anzuregen.

Und wie sieht das Lernen mit und über Medien in der medienpädagogischen Praxis aus? Für die Schulen berichtete der Medienpädagogisch-informationstechnische Berater (MiB) Dr. Roland Baumann, dass der Einsatz von digitalen Medien und Gerät­schaften das Lernen per se nicht leichter, schneller oder effizienter mache, sondern eher realitätsangepasster. Dass Schüler durch den Einsatz von Tablets dauerhaft motivierter lernten, konnte MiB Thomas Schulz nicht bestätigen. Die Motivation sei anfangs zwar stärker, verflüch­tige sich aber nach ein paar Wochen wieder schnell. Die Diskussion nicht nur auf Ausstattung und Mediendidaktik zu fokussieren, sondern auch die Förderung von Medienkompetenz stärker zu berücksichtigen, dafür plädierte Kathrin Demmler, Direktorin des JFF ‑ Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis: Die Vermittlung von Medienkompetenz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für Schule, Eltern und Jugendarbeit.

Wie verändert uns die Mediennutzung?

Der kritische Umgang mit Medien und die Reflexion über die Mechanismen der neuen Technologien sind auch für Medienwissenschaftler Prof. Dr. Roberto Simanowski unverzichtbar: „Wir dürfen nicht nur fragen, wie kann ich die Medien effektiv und sicher nutzen. Wir müssen auch fragen, was machen sie mit uns. Dieser Wechsel der Sorge vom Ich zum Wir bedeutet den Schritt von der affirmativen Nutzung der Medien zu ihrem kritischen Verständnis und von Ausbildung zu Bildung.“

Digitalisierung verantwortungsbewusst gestalten

Wie lässt sich also die Digitalisierung verantwortungsbewusst gestalten, fragte Moderator Michael Voss, Vorsitzender des Medienkompetenz-Ausschusses im BLM-Medienrat, in der abschließenden Diskussion: mit mehr Wissensvideos auf YouTube, wie sie Videobloggerin Lisa Ruhfus (u.a. „Musste wissen – Deutsch“) produziert? Mit Hilfe einer intensiven ethischen Diskussion, die der stv. Medienratsvorsitzenden Katharina Geiger bisher noch zu wenig geführt wird. Oder mit der Vermittlung entsprechender Kompetenzen, um in den neuen Medienwelten handeln zu können, wie Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Manuela Pietraß betonte. Auf der Suche nach dem richtigen Weg, so das Podium, dürfte von allem etwas notwendig sein.

Mehr Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der Webseite der Bayerische Landeszentrale für neue Medien.

Quelle: Bayerische Landeszentrale für neue Medien vom 09.11.2018

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