Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Demokratie

Policy-Brief

Mehr Schutz vor rassistischer Diskriminierung an Schulen

Ein junger Mann steht in einer Bibliothek
Bild: Bantersnaps - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Wie können Lehrpersonal sowie die Schüler und Schülerinnen besser vor rassistischer Gewalt geschützt werden? Dieser Frage ging eine Forschungsgruppe von der HAW Hamburg nach. Die Gruppe erarbeitete bildungspolitische Empfehlungen zum Schutz vor rassistischer Diskriminierung an Schulen in Form eines Policy-Briefs.

Der sogenannte „Policy-Brief“ basiert auf Befunden einer empirischen Studie und wird anlässlich der diesjährigen  „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ vom 15. bis 28. März präsentiert. Die Studie wurde im Rahmen des EU-Projekts CHIEF - Kulturelles Erbe und Identitäten für die Zukunft Europas - von 2018 bis 2020 an Hamburger Schulen, Gedenkorten, Vereinen, in Jugendgruppen und Familien durchgeführt.

Die Studienergebnisse lieferten die Grundlage für die jetzt vorliegende Empfehlung, die in Workshops mit Vertreter/-innen institutioneller Einrichtungen, zivilgesellschaftlicher Initiativen und jungen Menschen erarbeitet wurde. Die Empfehlungen richten sich an bildungspolitische Entscheidungsträger/-innen der Stadt, an relevante Behörden, Schulen, Institutionen der Lehrer/-innenbildung, Schulbuchverlage und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für eine diskriminierungsfreie Bildung in Deutschland engagieren.

Rassistische sowie diskriminierende Strukturen und Handlungen an Schulen

In schulischen Strukturen und im Schulalltag sind Rassismen wie Antisemitismus, anti-Schwarzer Rassismus, antimuslimischer Rassismus, Rassismus gegen Rom/-nja und Sinti/-zze und antiasiatischer Rassismus an der Tagesordnung. Oftmals geschehen sie zusammen mit weiteren Diskriminierungsformen wie Sexismus, Ableismus (Behindertenfeindlichkeit) und Heteronormativität. Obwohl das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz und im Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) verankert ist, erreicht es die Schulen kaum und wird nicht umgesetzt. „Reproduktionen und Normalisierungen von Rassismen und anderen Diskriminierungsformen sind Schulalltag. Dabei fehlt es an unterstützenden Maßnahmen. Die Schüler/-innen und Lehrkräfte sind gänzlich allein gelassen, Lösungen zu finden und müssen die Folgen von rassistischen sowie diskriminierenden Strukturen und Handlungen in den Schulen mit sich selbst ausmachen“, sagt der Koordinator des Policy-Briefs, Prof. Dr. Louis Henri Seukwa vom Department Soziale Arbeit der HAW Hamburg.

Handlungsempfehlung für die Politik

Dieser Ungleichbehandlung soll mit dem „Policy Brief“ als Handlungsempfehlung für die Politik entgegengewirkt werden. In dem Papier werden die dafür erforderlichen strukturellen und pädagogischen Maßnahmen vorgestellt. „Für eine erfolgreiche Umsetzung ist eine nachhaltige Finanzierung notwendig,“ fordert Prof. Seukwa. Marginalisierte und von Rassismen betroffene Gruppen müssten einbezogen werden. „Sie sind für den Erfolg der Maßnahmen entscheidend“.

Weitere Informationen

Der Policy-Brief steht als Dowload (PDF: 394 KB) zur Verfügung. Mehr Informationen zur Internationalen Woche gegen Rassismus finden sich auf der Webseite der Stiftung gegen Rassismus.

Das Projekt CHIEF ist ein von der Europäischen Kommission gefördertes und von der Aston University (GB) koordiniertes internationales Forschungsprojekt unter der Mitarbeit der HAW Hamburg mit acht Projektpartnern aus den Ländern Kroatien, Georgien, Indien, Lettland, Slowakei, Spanien, Türkei, GB.

Quelle: HAW Hamburg vom 15.03.2021

Info-Pool