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Demokratie / Ganztagsbildung

Jahr der politischen Bildung: Schleswig-Holstein setzt auf moderne Demokratiebildung

Mädchen mit Megaphon
Bild: © Andrey Popov - Fotolia.com

An allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Schleswig-Holstein steht 2019 im Zeichen der Demokratiebildung. In diesem Jahr sollen verstärkt moderne demokratische Veranstaltungsformen, z.B. Barcamps zum Einsatz kommen. Ziel ist es, jungen Menschen die vielfältigen Möglichkeiten der demokratischen Mitgestaltung zu vermitteln.

Schleswig-Holsteins Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur stellte am 17. Januar 2019 in Kiel die Schwerpunkte und wichtigsten Projekte des „Jahres der politischen Bildung“ vor, das in diesem Jahr an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen des Landes unter der Überschrift „Demokratiebildung 19“ verwirklicht werden soll. „Wir haben das Jahr 2019 ganz bewusst gewählt.

2019 ist nicht nur das Jahr, in dem wir einer friedlichen Revolution mit globalen Folgen gedenken: 30 Jahre Mauerfall. Es ist auch das Jahr, in dem unser Grundgesetz 70 Jahre alt wird. Sieben Jahrzehnte Demokratie, jedenfalls im Westen, Frieden und die freiheitlichste Verfassung, die es je auf deutschem Boden gab“, sagte sie.

Jungen Menschen Möglichkeiten der Mitgestaltung vermitteln

Andererseits sei gerade eine sehr tiefgreifende und kritische Debatte über die demokratische Staatsform und die Werte einer pluralistischen Gesellschaft im Gange. „Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern so früh wie möglich vermitteln, wie viele Möglichkeiten der Mitgestaltung es in einer demokratischen Gesellschaft gibt, und dass es sich lohnt, sich für Vorhaben in der Region einzusetzen, die eigene Umwelt zu gestalten, und schließlich auch wählen zu gehen“, so Prien. Das „Jahr der politischen Bildung“ soll die Kinder und Jugendlichen animieren, sich aktiv am demokratischen Prozess zu beteiligen. Angesichts eines völlig veränderten Medienverhaltens, von fake news und Kommunikations-Blasen, aber auch angesichts einer heterogener werdenden Schülerschaft, brauche es andere Unterrichtsmethoden und neue Formen der Demokratiebildung, die in diesem Themenjahr verstärkt zum Einsatz kommen.

Materialien zum Thema Demokratiebildung

„Wir machen den Schulleitungen, den Lehrkräften und den Schülerinnen und Schüler das ganze Jahr über zusätzliche Angebote zum Thema Demokratie und politische Bildung“, sagte die Ministerin und verwies auf das eigens eingerichtete Online-Portal auf der Webseite des Bildungsministeriums. Dort werden die gesammelten Materialien, Veranstaltungshinweise, Projekte zur Demokratiebildung, Wahlen/Abstimmungen in digitaler Beteiligungsform, Hinweise zu Wahlen sowie Filme und Theaterprojekte zusammengestellt und über das Jahr aktualisiert und ergänzt. „Politische Bildung ist fächerübergreifend, nicht an eine Schulart gebunden und für alle Altersstufen gedacht“, betonte Karin Prien. Das werde nicht zuletzt durch die Vielfalt der Projekte, Aktionen und Programme deutlich.

Demokratie erlebbar machen

Im Rahmen des Programms „Dialog P“ werden im Schuljahr 2019/20 erstmalig landesweit Dialogveranstaltungen zwischen Schülerinnen und Schülern und Abgeordneten des Landestages organisiert. Die Schülerinnen und Schüler können in direkten Gesprächen erfahren, welche konkreten Auswirkungen die politische Arbeit von Abgeordneten auf ihren Alltag haben kann. So wird ein besseres Verständnis und Wissen über die Arbeits- und Funktionsweise des Landtages vermittelt.

Juniorwahl KIDS

„Juniorwahl KIDS“ ist ein Format, das Schülerinnen und Schüler in Grundschulen frühzeitig an demokratische Teilhabe heranführen möchte. Im Rahmen der Europawahl 2019 soll landesweit eine Juniorwahl KIDS stattfinden. Dabei werden die Kinder spielerisch an die Themen Politik und Wahlen herangeführt und dürfen abschließend in einem simulierten Wahlakt über fiktive Parteien, deren Inhalte sie selbst erarbeitet haben, ihre Stimme abgeben. Zielgruppe sind die Jahrgangsstufen drei bis vier, die im Unterricht altersgerecht auf eine realitätsnah simulierte Wahl vorbereitet werden.

Moderne demokratische Veranstaltungsformen

In diesem Jahr sollen verstärkt moderne demokratische Veranstaltungsformen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel Barcamps oder digitale Beteiligungsformen bei Wahlen und Abstimmungen.

In Zusammenarbeit mit der Kieler Universität wird ein Schülerlabor entstehen. Im Forschungszentrum an der CAU zum Thema Demokratieverständnis werden sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und Lehramtsstudierende in den thematischen Laboren der Forschungswerkstatt mit wissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigen. Die geisteswissenschaftlichen Werkstätten bieten derzeit Angebote aus dem Bereich Sprache, Theologie oder zu historisch-politischen Themen, die sollen um den Schwerpunkt Demokratieverständnis ergänzt werden. Für Lehrkräfte bietet die Uni Fortbildungen an, die sie dabei unterstützen, die Fragestellungen und Ergebnisse der Forschungsschwerpunkte der Kieler Universität in die Schulen zu tragen.

Angebote für Lehrkräfte

Zu den Fachanforderungen für das Fach Wirtschaft/Politik, die seit 2017 in Kraft sind, wird derzeit ein ergänzender Leitfaden für die Lehrkräfte erarbeitet, in dem auch Themen wie Antisemitismus und Rassismus aufgegriffen werden. In den Leitfaden fließen die Erfahrungen aus den Aktionen und Projekten dieses Jahres der politischen Bildung ein.

Außerdem wird es eine Materialdatenbank für Lehrkräfte zum Projekttag „70 Jahre Grundgesetz“ am 23. Mai geben, Abrufveranstaltungen zu unterschiedlichen Fragestellungen (z.B. Islamfeindlichkeit, Islamismus und dschiadistische Internetpropaganda oder zum Thema „menschenverachtende Positionen in der Schule“).
Nicht nur der Landesfachtag WiPo wird sich dem Thema widmen, auch der Landesfachtag Deutsch.
Eine Online-Fortbildung befasst sich mit dem Thema „Informationen aus dem Internet - zwischen Fake News und Sachlichkeit“.

Ein Fortbildungskonzept zur „nachhaltigen Erinnerungskultur für Schulen in Schleswig-Holstein“ wird in Zusammenarbeit mit CAU und IQSH erarbeitet.

In den Ausbildungsveranstaltungen aller Fächer und in Pädagogik sollen jeweils 15 Minuten für die politische Bildung in Form von Fallbeispielen verwendet werden.

Neue Partner

Schleswig-Holstein beteiligt sich an dem auch an dem bundesweiten Programm „Openion - Bildung für eine starke Demokratie“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Mit 17 Projektverbünden in Schleswig-Holstein bietet es gute Möglichkeiten, Schulen und außerschulische Partner zu verbinden. Es ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, sich aktiv politisch und gesellschaftlich einzubringen. Das Programm möchte Demokratie als gesellschaftlichen Aushandlungs- und Gestaltungsprozess für Kinder und Jugendliche erfahrbar machen, antidemokratischen Tendenzen vorbeugen und erfolgreiche Präventionsmodelle z.B. gegen Rassismus oder Antisemitismus aufzeigen und vor Ort umsetzen. Schon jetzt beteiligen sich Schulen aller Schularten im Land mit ganz unterschiedlichen Projekten an diesem Programm.

Quelle: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein vom 17.01.2019

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