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Fachtagung

Ganzheitliche Demokratiebildung im schulischen Hort- und Ganztagsbereich besser verankern

Hochgestreckte Arme von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe
Bild: rawpixel.com

Mit einem Appell für eine bessere Verankerung von Kinderrechten und ganzheitlicher Demokratiebildung im schulischen Hort- und Ganztagsbereich begann die Online-Fachtagung „Demokratiebildung in der Grundschule – Hort und Ganztag als unterschätzte Räume“. Dabei wurde insbesondere betont, wie wichtig frühe Demokratiebildung gerade angesichts zunehmender Angriffe auf die Demokratie und auf das Zusammenleben in Vielfalt ist. Zudem wurde die Notwendigkeit unterstrichen, bei der Förderung demokratischer Kompetenzen frühzeitig und vor allem lebensweltbezogen anzusetzen.

Ausgerichtet wurde die Fachtagung vom „Kompetenznetzwerk Demokratiebildung im Kindesalter“, bestehend aus den Trägerorganisationen Institut für den Situationsansatz (ISTA) und Deutsches Kinderhilfswerk, das im Bundesprogramm “Demokratie leben!” gefördert wird.

„Demokratie muss im Alltag erlebbar sein – und zwar schon für die Kleinsten.“

„Der 16. Kinder- und Jugendbericht bezeichnet den Hort- und Ganztagsbereich im Hinblick auf demokratische Bildung als ‚unterschätzten Raum‘. Diesen Raum gilt es im Sinne einer ganzheitlichen Demokratiebildung vor allem mit Kinderrechten zu füllen. Dabei dürfen Kinderrechte nicht nach Gutdünken zugestanden werden und vom Engagement einzelner Fachkräfte abhängig sein, sondern müssen immer und überall der Maßstab sein, wenn es um die Interessen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen geht. Das gilt sowohl für den schulischen als auch für den außerschulischen Bildungsbereich. Deshalb brauchen wir eine verbindliche und wirksame Festschreibung der Kinderrechte in allen gesetzlichen und programmatischen Vorgaben. Der bisherige Flickenteppich in diesem Bereich muss durch eine einheitliche Rahmengebung beendet werden. Demokratiebildung darf nicht erst dann beginnen, wenn Kinder und Jugendliche kurz vor der Teilnahme an ihren ersten Wahlen stehen. Demokratie muss im Alltag, vor allem auch in Form von aktiver Beteiligung für Kinder erlebbar sein, und zwar schon für die Kleinsten. Wir dürfen aber auch nicht alles, was die Schulen selbst nicht schaffen, auf den Hortbereich abwälzen. Hier gilt es eine vernünftige Balance vor allem durch kooperative Zusammenarbeit der beiden Bereiche zu finden, insbesondere vor dem Hintergrund des kürzlich beschlossenen Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter“, betonte Kai Hanke, stellvertretender Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Für Grundschulkinder sind viele demokratierelevante Fragen unmittelbar von Bedeutung“

„Grundschulkinder bekommen es mit, wenn Demokratieversprechen nicht eingelöst werden, egal in welcher Einrichtung. Solange dem schulischen Hort- und Ganztagsbereich nur ein pädagogisches Nischendasein zugestanden wird, wird auch sein Potential für Demokratiebildung kaum erschlossen. Dabei sind für Grundschulkinder viele demokratierelevante Fragen unmittelbar von Bedeutung: Was macht mich aus und wie werde ich von anderen gesehen? Wie kommt Zugehörigkeit zustande, was kennzeichnet Ausschlüsse? Wer sind hier die Bestimmer*innen, wer hat Macht? Wie mit Unterschieden kompetent umgehen? Was ist Gerechtigkeit, was ist Diskriminierung? Wie sich dagegen wehren? Im Hort/Ganztag können Kinder hierzu wertvolle Lernerfahrungen machen, unter Gleichaltrigen und mit Erwachsenen. Um eine demokratische Kultur im Hort/Ganztag zu verankern, braucht es endlich fachpolitische Aufmerksamkeit und fachliche Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte. Einen Beitrag hierzu leisten Modellprojekte im Bundesprogramm Demokratie leben! wie auch das Kompetenznetzwerk Demokratiebildung im Kindesalter“, sagte Petra Wagner, Leiterin der Fachstelle Kinderwelten im Institut für den Situationsansatz (ISTA).

Fachtagung beleuchtet Konzepte, Erfahrungen und Wissenschaft

Die Online-Fachtagung „Demokratiebildung in der Grundschule – Hort und Ganztag als unterschätzte Räume“ widmete sich verschiedenen Fragen: Wie kann Demokratiebildung in der Praxis konkret aussehen? Was braucht es dafür? Welche Schwierigkeiten gibt es? Wie kann man mit institutionellen Hürden umgehen? Welche Konzepte, Methoden und Materialien gibt es für die pädagogische Praxis? Wo finden Fachkräfte und Träger Information, Beratung, Fortbildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten? Wie ist es um das Thema Demokratiebildung in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte bestellt? 

Im Rahmen der Veranstaltung wurden aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse sowie Konzepte, Methoden und Erfahrungen aus der Praxis vorgestellt und vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und bildungspolitischer Entwicklungen gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert.

Informationen und Material

Umfangreiche Informationen zur Unterstützung der Demokratiebildung in Kita, Hort und Ganztag bietet die Website www.kompetenznetzwerk-deki.de. Auf dieser Seite präsentiert das Kompetenznetzwerk „Demokratiebildung im Kindesalter“ sich und seine Arbeit im Online-Bereich. Hier finden die Besucherinnen und Besucher umfangreiche Informationen, Material- und Veranstaltungsempfehlungen und weitere praxisbezogene Tipps rund um das Thema Demokratiebildung im frühkindlichen und Primarbildungsbereich. Verantwortlich für die Website sind das Deutsche Kinderhilfswerk und das Institut für den Situationsansatz (ISTA) als Träger des Kompetenznetzwerkes. Dieses wird unter dem offiziellen Fördertitel „Kompetenznetzwerk Frühkindliche Bildung und Bildung in der Primarstufe im Bundesprogramm “Demokratie leben!” durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

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