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#start2remember

Erinnerungsaktion von Jugendlichen wird fortgesetzt

Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Bild: Chaosdna / Wikimedia Commons

Die Stipendiat/-innen der START-Stiftung übergeben den Staffelstab ihrer Aktion gegen das Vergessen an die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Das beispielgebende Engagement der Jugendlichen im Rahmen der Initiative #everynamecounts der Arolsen Archives wurde gelobt.

Engagierte Jugendliche sind dem Aufruf #start2remember des 20-jährigen Schülers und START-Stipendiaten Kato Uso aus Minden gefolgt und haben während ihrer Osterferien geholfen, das Online-Archiv der Arolsen Archives zur Erinnerung an NS-Opfer zu füllen. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) ruft ihre 105 jüdischen Mitgliedsgemeinden sowie Kooperationspartner/-innen nun auf, dem Beispiel der Jugendlichen zu folgen und sich am digitalen Denkmal für NS-Opfer zu beteiligen. Gemeinsam mit Freiwilligen bauen die Arolsen Archives das größte digitale Denkmal für Opfer des Nationalsozialismus auf. Jede/r kann mitmachen und so ein Zeichen für Respekt, Vielfalt und Demokratie setzen. Denn die damaligen Motive für Verfolgung seien nicht Geschichte, so die beteiligten Organisationen.

#everynamecounts

Zu Beginn der Osterferien hatte der 20-jährige Schüler Kato Uso aus Minden seine Mitstipendiat/-innen der START-Stiftung und die START-Community aufgerufen, sich gemeinsam an dem Aufbau des Online-Archivs zu NS-Opfern zu beteiligen. Vom 25. März bis zum 16. April 2021 sind daraufhin Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet dem Aufruf #everynamecounts der Arolsen Archives gefolgt. „Genau dieses Engagement braucht es, damit das Gedenken auch in der Zeit ohne Zeitzeugen weitergetragen werden kann. Nur wenn junge Menschen die Erinnerung wach halten, kann auch in einer Zukunft ohne Zeitzeugenberichte verhindert werden, dass die Schrecken der Vergangenheit sich wiederholen”, lobte Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Zeitzeugin des Holocaust und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gestern bei einer virtuellen Abschlussveranstaltung das beispielgebende Engagementder Jugendlichen.

ZWST führt die Aktion weiter

„Die Taten der Nationalsozialistensollennicht in Vergessenheit geraten. Es war ein Krieg gegen die Menschheit. Umso wichtiger ist es, jedem Opfer seinen Namen und seine Geschichte zurückzugeben“, sagte der Initiator der Aktion Kato Uso. Aus diesem Grund greift auch die ZWST die Aktion auf: „Im jüdischen Gedenken an die Shoah ist es sehr wichtig zu erzählen, wer die Menschen hinter den Opferzahlen waren. Die #everynamecounts-Kampagne bietet eine herausragende Möglichkeit, sich jenseits von ritualisiertem Gedenken die Namen und Lebensgeschichten zu vergegenwärtigen. Deshalb wollen wir die Initiative unterstützen und den tollen Einsatz der Jugendlichen weiterführen”, erklärte Aron Schuster, Direktor der ZWST. Die ZWST ruft ihr gesamtes Netzwerk aus jüdischen Gemeinden, Wohlfahrtsverbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf, sich an der Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts der Arolsen Archives zu beteiligen.

Über den Initiator Kato Uso

Kato Uso ist seit 2019 Stipendiat und einer der START-Regionalsprecher/-innen in Nordrhein-Westfalen. 2015 ist er aus Syrien nach Deutschland gekommen und lebt seitdem in Minden. „Wie kann man Menschen wegen einer bestimmten Herkunft, Kultur, Religion oder auch ihres Aussehens so sehr hassen, dass man sie umbringt?” Diese Frage treibt den 20-jährigen Schüler schon lange um. Als START-Stipendiat ist ihm der Einsatz für eine lebendige Demokratie wichtig. Dass dabei auch die Stimmen der Jugendlichen gehört werden, dafür setzt er sich unter anderem als Schülersprecher in seiner Schule, dem Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg, ein. Und auch außerhalb der Schule ist er engagiert: Er trainiert Kinder ehrenamtlich im Projekt „Offene-Sporthalle”, organisiert Fußballturniere im Stadtteil Rodenbeck in Minden und bringt sich auch hier als Jugendvertreter in einer städtischen Steuerungsgruppe für das Sport-und Bewegungsangebot im Stadtteil ein.

#start2remember wird im Rahmen des START.Punkt-Projekts aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Über START

START ist ein Bildungs- und Engagementprogramm für Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte. Über drei Jahre fördert und begleitet die START-Stiftung, eine Tochter der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Jugendliche dabei, Verantwortung für eine lebendige Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu übernehmen. START ist Talentschmiede für außergewöhnliche junge Menschen, Startrampe für neue Initiativen und Lautsprecher für die Verteidigung freiheitlicher Werte. Mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist START deutschlandweit tätig. Aktuell werden von START über 600 junge Menschen aus mehr als 60 Herkunftsnationen gefördert.

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

Über die ZWST

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) bildet den Zusammenschluss der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Als Dachorganisation vertritt die ZWST die jüdischen Gemeinden und Landesverbände auf dem Gebiet der jüdischen Sozialarbeit. Sie ist einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland und Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW). Die jüdische Wohlfahrtspflege hat seit Gründung der ZWST im Jahr 1917 und ihrer Neugründung im Jahr 1951 tiefe Einschnitte erfahren. Trotz aller historischen Umbrüche ist das Leitbild der ZWST immer aktuell geblieben. Es ist das Anliegen der ZWST, ihr Leitbild „Zedaka" (hebr.), dem jüdischen Verständnis von Wohltätigkeit mit neuen Inhalten zu füllen und aktuellen Veränderungen laufend anzupassen.

Quelle: Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland vom 16.04.2021

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