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Niedersachsen

Auszeichnung für „Demokratieschulen“ und „Lernorte der Demokratiebildung“

Mehrere Hände formen ein Herz um eine Hand, die zur Faus geballt ist
Bild: Lightfield Studios - stock.adobe.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Das Kultusministerium zeichnet in diesem Jahr erstmals Schulen und Lernorte aus, die ihre Schulkultur und Schulentwicklung bzw. ihre Bildungsangebote konsequent im Sinne eines „Modellorts der Demokratie“ gestalten und damit an Zielen der Demokratiebildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung ausrichten.

Phänomene, wie die sich zuspitzende Polarisierung der Gesellschaft, eine zunehmende Demokratieskepsis und die Zunahme sogenannter Hatespeech, aber auch der nicht mehr zu übersehende Klimawandel mit seinen schweren Folgen für Ökologie und Menschheit, erfordern ein entschiedenes Umdenken – in der Gesellschaft und auch in der Schule. Die Auszeichnung des Kultusministeriums ist eingebettet in dem neuen bildungspolitischen Schwerpunkt „Demokratisch gestalten – Eine Initiative für Schulen in Niedersachsen“.

„Wir nehmen die Herausforderungen, mit denen sich unsere demokratische Gesellschaft und damit auch unsere Schulen konfrontiert sehen, sehr ernst. Unser erklärtes Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, sich als mündige Bürgerinnen und Bürger aktiv kritisch und selbstreflektiert in demokratische Prozesse einzubringen. Deshalb stärken wir die politische und nachhaltige Bildung an Schulen“, kommentiert Kultusminister Grant Hendrik Tonne die Auszeichnung der ersten 25 „Demokratieschulen“ und „Lernorte der Demokratiebildung“. „Wir erkennen hoch an, dass viele Schulen sich auf den Weg gemacht haben, um eine demokratische und nachhaltige Schulkultur und Unterrichtsentwicklung zu etablieren. Und wir unterstützen es ausdrücklich, dass es bereits viele zivilgesellschaftliche Partnerinnen und Partner gibt, die die Schulen dabei tatkräftig unterstützen.“

Aus 39 eingegangenen Bewerbungen hatte zuvor eine Fachjury unter der Leitung des Ministers 15 Schulen und zehn Lernorte für die Auszeichnung ausgewählt. Sie soll zum einen das Engagement der Schule beziehungsweise des Lernortes sichtbar machen und sie miteinander vernetzen. Zum anderen werden sie auch langfristig dabei unterstützt, konkrete Angebote zu vertiefen und eigene Schwerpunkte zu setzen.

Weitere Mitglieder der Fachjury waren Ulrika Engler (Direktorin der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung), Laura Pooth (Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft), Prof. Dr. Dirk Lange (Direktor des Instituts für Didaktik der Demokratie an der Leibnitz Universität Hannover) und Dr. Sønke Burmeister (Geschäftsführer der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung).

Bewerbungskriterien

Die eingegangenen Bewerbungen wurden von einer Fachjury anhand der folgenden Gesichtspunkte bewertet:

  • Die Partizipation und Teilhabe aller Schüler/-innen, das heißt unabhängig von deren Herkunft, sind nachhaltig in Unterrichts- und Schulkultur etabliert.
  • Die Unterrichts- und Schulkultur orientieren sich an Vielfalt als Wert unserer pluralistischen Gesellschaft und bringen diese pädagogisch zum Ausdruck.
  • Schüler/-innen werden zu demokratischem, nachhaltigem und solidarischem Engagement in der Schule und in der Zivilgesellschaft ermutigt und befähigt. Ihnen werden entsprechende Erfahrungsräume inner- oder außerhalb der Schule bereitgestellt.
  • Menschen- bzw. Kinderrechte werden im Schulalltag sichtbar gelebt.
  • Die Schule öffnet sich lokal, regional oder global und kooperiert mit außerschulischen Partner(inne)n.
  • Kernelemente des demokratischen Schulentwicklungsprozesses sind in Schulprogramm und Schulprofil sichtbar verankert.

Zur Anzahl und Qualität der Bewerbungen – trotz der coronabedingten Situation – sagte Tonne:

„Ich bin beeindruckt davon, wie junge Menschen in Schule und in Lernorten trotz Coronapandemie Verantwortung für sich und andere übernehmen und sich für eine gerechte, solidarische Gesellschaft sowie eine bessere Welt engagieren.“

Die Auszeichnung soll die bisherige Leistung der Schulen und Lernorte würdigen und zugleich zu weiterem Engagement anregen.

Hintergrund

Mit der Initiative „Demokratisch gestalten“ lädt das Niedersächsische Kultusministerium Schulen dazu ein, Kinder und Jugendliche in ihrem Engagement für Demokratie und Menschenrechte zu stärken sowie Teilhabe und Partizipation auszubauen. Das Programm beteiligt Schüler/-innen, Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern. Kern dabei ist ein partizipativer Ansatz in der schulischen Bildung.

Demokratiebildung stellt in diesem Zusammenhang keine reine Kompetenz- und Wissensvermittlung in einzelnen Fächern oder berufsbezogenen Lernbereichen dar, sie geht weit darüber hinaus und ist vielmehr ein wichtiges Kriterium von Unterrichts- und Schulqualität. Sie dient der Entwicklung und Festigung demokratischer Werte, Einstellungen und Haltungen sowie entsprechender sozialer und fachlicher Kompetenzen. Somit trägt sie wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung der Schüler/-innen bei und fördert sowohl die Chancen- als auch Bildungsgerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund hat das Kultusministerium im Mai diesen Jahres einen „Erlass zur Stärkung der Demokratiebildung an öffentlichen allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen sowie Schulen in freier Trägerschaft“ veröffentlicht.

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium vom 13.08.2021

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