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Hintergrundbericht

Zugewanderte sind in besonderem Maße von der Corona-Pandemie betroffen

Ein Kleinkind bekommt einen dicken Kuss von seiner Mutter
Bild: © Michael Zhang - Fotolia.com

Die Corona-Krise verändert das Leben des Einzelnen und das Zusammenleben von Vielen. Darüber hinaus sind einige gesellschaftliche Gruppen auf besondere Art und Weise von der Corona-Pandemie betroffen und zwar nicht nur in Bezug auf die Gesundheit, sondern auch in beinahe allen Lebensbereichen. Die Integration und Teilhabe von zugewanderten Kindern, Jugendlichen und Familien sind momentan besonders erschwert.

Der Soziale Status entscheidet über das Risiko, an Corona zu erkranken

Das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) berichtete bereits im April 2020, dass das Risiko an COVID-19 zu erkranken, nicht nur von individuellen Merkmalen abhängt. Auch der soziale Status spielt eine Rolle. Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete gelten als besonders gefährliche Infektionsherde. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld unter knapp 10.000 Geflüchteten von 42 Gemeinschaftsunterkünften konnte im Mai 2020 fast 20 Prozent bestätigte Infektionsfälle feststellen.

Corona verschlechtert Lage von Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt

Die jetzige Situation erschwert zudem die Lage von Zugewanderten auf dem Arbeitsmarkt. Wer noch eine Arbeit sucht, tut sich derzeit sehr schwer. Wer in den letzten Jahren bereits eine Arbeit gefunden hat, hat sie möglicherweise bereits verloren oder ihm droht die Entlassung.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer Studie gezeigt, dass die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt in den letzten fünf Jahren zwar vorangeschritten ist, die Zugewanderten allerdings zumeist in Zeitarbeitsfirmen oder im Gastgewerbe beschäftigt wurden. Da diese Bereiche besonders stark von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen sind, hat sich auch die berufliche Situation von Migrantinnen und Migranten hier deutlich verschlechtert. Die Erwerbslosigkeit während der Corona-Pandemie ist in dieser Bevölkerungsgruppe fast doppelt so stark gestiegen wie bei Deutschen. Keine andere Gruppe ist am Arbeitsmarkt härter von den Folgen der Corona-Krise betroffen.

Einschätzungen des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unterstreichen diese Erkenntnis. Das IAB betont, dass auch die Bedingungen für arbeitssuchende Menschen, die gerade in Deutschland angekommen sind, erschwert sind. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt fällt schwer, wenn zum Beispiel geforderte Sprachkenntnisse fehlen: derzeit fallen Sprachkurse häufig aus und der alltägliche Sprachgebrauch wird behindert. Neben dem Erwerb der Sprache haben Unterstützungsnetzwerke eine große Bedeutung für Geflüchtete. Sie helfen im neuen Land anzukommen. Ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer, Jobcenter oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden fungieren als Vermittler. Allerdings stehen diese Netzwerke – wie so viele andere Lebensbereiche auch – unter den Vorzeichen des Infektionsschutzes und sind somit nur eingeschränkt verfügbar. 

Viele Geflüchtete sind arbeitslos geworden oder mussten in Kurzarbeit gehen. Nicht selten ist damit die eigenständige Lebensunterhaltssicherung nicht mehr möglich. Das kann Auswirkungen auf das Aufenthaltsrecht haben. Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA) hat eine Arbeitshilfe sowie ein FAQ-Papier verfasst, das sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Die Arbeitshilfe (im PDF-Format) „Auswirkungen von Corona auf den Aufenthalt von ausländischen Arbeitnehmer*innen, Auszubildenden und Studierenden“ wird ständig aktualisiert.

Corona verstärkt Armutsrisiko bei Migrantinnen und Migranten

Die gesellschaftliche Spaltung wird durch Corona verstärkt. Immer mehr zugewanderten Menschen droht Armut. Neue Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen, dass die Quote der Menschen, die von Armut betroffen sind, in Westdeutschland und in Berlin gestiegen ist. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund.  

Der aktuelle GesellschaftsReport Baden-Württemberg (PDF-Datei) zeigt, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund (Quote von 29,3 Prozent) deutlich häufiger von Armut betroffen sind als Jungen und Mädchen ohne Migrationshintergrund (10,5 Prozent). Insgesamt sind in Baden-Württemberg rund 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet. Als arm gelten Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnitts in ihrem Bundesland beträgt. Der GesellschaftsReport zeige, so das Staatsministerium Baden-Württemberg, dass gängige Armutsrisikofaktoren wie niedrige Bildung und Erwerbslosigkeit der Eltern oder auch Kinderreichtum die erhöhte Armutsgefährdung bei Kindern mit Migrationshintergrund nur etwa zur Hälfte erklären können. So seien vor allem mangelhafte deutsche Sprachkenntnisse in einigen Migrantenfamilien und die insgesamt schwierigere Arbeitsmarktintegration von Menschen aus Drittstaaten ausschlaggebend für die höhere Armutsgefährdung.

Weiterführende Informationen

Für alle Unterstützerinnen und Unterstützer zugewanderter Menschen sind in einer Übersicht wichtige Links und Verweise zu Ansprechpersonen sowie zu relevanten Informationen zusammengefasst. 

Autorin des Beitrags: Nadine Salihi

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