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Eine Milliarde Impfungen

WHO ruft weiterhin zum Impfen auf

Eine Person bekommt eine Spritze in den Oberarm
Bild: Centers for Disease Control and Prevention - rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Eine Milliarde Dosen COVID-19-Impfstoff wurden bereits in der Europäischen Region der WHO verabreicht, doch die bestehenden Risiken für Ungeimpfte lassen keinen „Spielraum für Selbstgefälligkeit," so die Weltgesundheitsorganisation.

„Das ist eine beträchtliche Zahl und ein wichtiger Erfolg, der allen Gesundheitsfachkräften gebührt, die während dieser Krise unermüdlich an vorderster Front Menschenleben retten. Doch wir dürfen nicht überheblich werden. Wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass diese eine Milliarde Impfdosen ungleich verteilt sind und dadurch viele Menschen in unserer Region zurückgelassen werden“, erklärt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

Es ist ermutigend, dass diese Dosen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf und Tod aufgrund von COVID-19 bieten, doch die Pandemie wütet nun unter den Ungeimpften, mit verheerenden und manchmal tödlichen Folgen. „Für die Ungeimpften hat sich in zwei Jahren nichts geändert, während sich für die Geimpften alles verändert hat“, sagt Dr. Kluge.

Dringlichkeit beschleunigter Impfmaßnahmen

Die Dringlichkeit beschleunigter Impfmaßnahmen ist daher nur zu deutlich. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die aufgrund von COVID-19 in die Krankenhäuser eingeliefert werden und auf den Intensivstationen landen, wurde nicht vollständig gegen COVID-19 geimpft. Viele Länder mit hohen Impfraten haben in den letzten Wochen ein Wiederaufflammen der COVID-19-Fälle erlebt, doch hat dies nicht zu einem ebenso drastischen Anstieg der Krankenhauseinweisungen geführt, was darauf hindeutet, dass zweifellos der unbestreitbare Nutzen der Impfstoffe darin besteht, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu verhindern.

Die COVID-19-Impfstoffe wurden zu dem Zweck entwickelt, Menschenleben zu retten, nicht das Virus zu eliminieren und seine Übertragung zu unterbinden. Und dennoch: je mehr Menschen sich impfen lassen, desto einfacher wird es, die Übertragungsraten unter Kontrolle zu bringen. Es muss weiterhin unser Ziel bleiben, überall eine Durchimpfung von 70% zu erreichen, wenn wir die Krise stabilisieren wollen.

Ungleiche Annahme der Impfungen

Der größte Feind im Kampf gegen COVID-19 in der Europäischen Region ist die ungleiche Annahme der Impfungen. Die Verabreichung von einer Milliarde Impfdosen hat dazu geführt, dass ungefähr ein Drittel der Region vollständig geimpft ist. Doch es bestehen weiterhin erhebliche Disparitäten: einige Länder kämpfen mit unzureichenden Impfstofflieferungen, Schwierigkeiten beim Erreichen der am stärksten gefährdeten Menschen, unzureichender Annahme der Impfungen und Impfskepsis, während andere Länder in der Lage waren, diese Hindernisse zu überwinden.

Barrieren beim Zugang zu Impfstoffen beseitigen

Die politische Führung in allen Teilen der Region muss in die Lage versetzt werden, alle Barrieren beim Zugang zu Impfstoffen zu beseitigen und gleichzeitig die Gemeinschaften beim Umgang mit Skepsis zu unterstützen. Das Problem einer ungleichen Annahme der Impfungen ist lösbar, ob durch ein umfassendes Programm für das Teilen von Impfstoffen unter den Ländern und die gezielte Verteilung an gefährdete Bevölkerungsgruppen oder durch die Schaffung eines effektiven Dialogs zwischen Menschen und Wissenschaft in Form einer verstärkten Beteiligung an der Forschung oder der Nutzung relevanter Kommunikationsplattformen, sowohl nicht-digitaler Art also auch mithilfe digitaler Technologien.

Wo nicht genügend Nachfrage nach Impfungen besteht, müssen die Gründe hierfür identifiziert und in ihrem jeweiligen Kontext nachvollzogen werden, damit Abhilfemaßnahmen offensichtlich werden. Im Mittelpunkt dieser Maßnahmen steht das Gesundheitspersonal, die sowohl Empfänger als auch Förderer der Impfmaßnahmen sind. Sie bedürfen eines unterstützenden Umfeldes, um sich selbst impfen zu lassen, sowie evidenzbasierter Informationen, die sie an die Bevölkerung weitergeben können.

Das Teilen von Impfdosen ist maßgeblich

„Geschwindigkeit ist unser bester Freund, um dazu beizutragen, die Impflücken in unserer Region zu schließen“, stellt Dr. Kluge fest. „Es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn je weiter das Virus zirkuliert, desto größer das Risiko weiterer Mutationen, mit denen es stärker zurückschlagen kann. Es ist sowohl moralisch geboten als auch klug, Impfstoffdosen zu teilen, um den durch sie gebotenen Schutz innerhalb kürzester Zeit auf so viele Menschen wie möglich auszuweiten. Wir müssen jeden, der in der Europäischen Region am stärksten gefährdet ist, impfen und gleichzeitig weiterhin Impfdosen für andere Teile der Welt, in denen die Versorgung nach wie vor sehr beschränkt ist, zur Verfügung stellen.“

Die WHO unterstützt die gleichberechtigte Verteilung der Impfstoffe innerhalb und außerhalb der Region, indem sie den Informationsaustausch zur Versorgung mit und Verfügbarkeit von Impfstoffen und die Kooperation bei der Teilung der Impfstoffe durch die COVAX-Fazilität und andere Mechanismen erleichtert.

WHO ruft weiterhin zu Impfungen auf

Die WHO bittet inständig darum, dass jeder, der für eine Impfung in Frage kommt, sich impfen lässt, sobald er oder sie an der Reihe ist.

Die Verabreichung der ersten Milliarde Impfdosen in der Europäischen Region ist ein großer Meilenstein, doch wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Die nächste Milliarde erfordert noch mehr Wachsamkeit und ein maximales Ansetzen an allen verfügbaren Hebeln und Tools, nicht nur, um mehr Menschen zu impfen, sondern auch um sicherzustellen, dass sie sich der Vorteile bewusst sind, sich freiwillig impfen lassen und in ihren eigenen Gemeinschaften für die Impfung eintreten.

„Die Geschichte unterzieht uns mit dieser Pandemie einem Test. Entschlossene und gemeinsame Maßnahmen werden zum Erfolg führen, während ein Handeln im Alleingang zum Misserfolg führt“, erklärt Dr. Kluge. „Bis die Pandemie überstanden ist, müssen wir gemeinsam als ein Team an einem Strang ziehen, um uns selbst und uns gegenseitig zu schützen.“

Quelle: WHO vom 21.10. 2021