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Coronavirus / Kinderschutz

UNICEF: Höhere Risiken für Kinder wegen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus

Eine Holffigur, die ein trauriges Kind darstellt, steht vor einer Fensterscheibe mit Regentropfen
Bild: StockSnap - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Millionen Kinder weltweit sind wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie höheren Risiken ausgesetzt. Dazu gehören Misshandlung, geschlechtsspezifische Gewalt, Ausbeutung, soziale Ausgrenzung sowie die Trennung von ihren wichtigsten Bezugspersonen. UNICEF appelliert an die Regierungen, den Schutz und das Wohlergehen der Kinder angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie sicherzustellen.

Das Coronavirus hat innerhalb weniger Wochen das Leben von Millionen Kindern und ihren Familien auf der ganzen Welt verändert. Wichtige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, wie Schulschließungen und Bewegungseinschränkungen, unterbrechen ihr normales Leben und können erhebliche Belastungen nach sich ziehen – insbesondere für ohnehin benachteiligte Kinder. Auch Eltern und Bezugspersonen, die nicht länger arbeiten können, sind neuen Stressfaktoren ausgesetzt.

Kinder sind erhöhten Gefahren ausgesetzt

Durch die Stigmatisierung aufgrund von COVID-19 sind manche Kinder zusätzlicher Gewalt und psychischen Belastungen ausgesetzt. Wenn die geschlechtsspezifischen Schutzbedürfnisse von Mädchen und Frauen nicht berücksichtigt werden, kann das Risiko von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und Kinderehen steigen. Jüngste Beobachtungen aus China deuten darauf hin, dass die häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen ist.

Gemeinsam mit den internationalen Partnern der „Alliance for Child Protection in Humanitarian Action“ hat UNICEF Leitlinien zum Schutz von Kindern während der COVID-19-Pandemie (in Englisch) veröffentlicht, um Behörden und Organisationen bei ihrem Einsatz gegen die Pandemie zu unterstützen.

„Das Coronavirus trifft viel mehr Kinder und ihre Familien als die Zahl derer, die direkt von einer Ansteckung betroffen sind“, sagte Cornelius Williams, Leiter der UNICEF-Kinderschutzabteilung. „Schulen schließen. Eltern stehen vor neuen Herausforderungen, ihre Kinder zu versorgen und über die Runden zu kommen. Kinder sind größeren Gefahren ausgesetzt. Die neuen Leitlinien geben Regierungen und Behörden einen Überblick über praktische Maßnahmen zum Schutz von Kindern in dieser unsicheren Zeit.“

Bereits während früheren Gesundheitskrisen wurde ein Anstieg von Kindesmissbrauch und der Ausbeutung von Kindern verzeichnet. Schulschließungen aufgrund des Ebola-Ausbruchs in Westafrika zwischen 2014 und 2016 führten beispielsweise zu einem Anstieg von Kinderarbeit, zu Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch und frühen Schwangerschaften. Allein in Sierra Leone verdoppelte sich die Anzahl der Teenager-Schwangerschaften von 7.000 auf 14.000.

Konkrete Schritte zum Schutz von Kindern

UNICEF und seine Partner rufen Regierungen und Kinderschutzbehörden weltweit dazu auf, konkrete Schritte zu ergreifen, um den Schutz von Kindern bei allen Maßnahmen zur Eindämmung und Prävention der COVID-2019-Pandemie sicherzustellen. Dazu gehört:

  • die Schulung von Personal in Gesundheits-, Bildungseinrichtungen sowie Betreuungseinrichtungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie, einschließlich der Prävention von sexueller Ausbeutung und Missbrauch sowie dem Melden von Gefährdungen;
  • die Schulung von Fachpersonal zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt und die Zusammenarbeit von Gesundheitsdiensten zur Unterstützung von Überlebenden von geschlechtsspezifischer Gewalt; 
  • ein guter Informationsaustausch über Unterstützungsangebote für Kinder und Verweissysteme;
  • die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit der Pandemie in die Programm- und Advocacy-Arbeit miteinfließen zu lassen;
  • die gezielte Unterstützung von Betreuungseinrichtungen und Familien, vor allem besonders benachteiligten Familien, um das seelische Wohlergehen der Kinder und ihre Versorgung sicherzustellen; 
  • die finanzielle und materielle Unterstützung von Familien mit Einkommenseinbußen;
  • konkrete Maßnahmen, um die Trennung von Kindern von ihren Familien zu vermeiden und Unterstützung für Kinder, deren Eltern oder wichtigste Bezugsperson erkrankt oder verstorben sind;
  • und die Berücksichtigung des Kinderschutzes bei allen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Weiterführende Links

Quelle: Deutsches Komitee für UNICEF e.V. vom 23.03.2020

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