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Schweden

Studie befragt Kinder und Jugendliche zu ihren Sorgen und Gedanken in der Pandemie

Ein Mächen mit Mund-Nase-Bedeckung hält ein Notizbuch in der Hand
Bild: Kelly Sikkema - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Schweden nutzte zu Beginn der Corona-Pandemie bis in den Winter 2020 hinein eine andere Strategie als die meisten Länder in Europa. Es wurde nicht ähnlich konsequent mit Lockdowns oder Schulschließungen gearbeitet, die meisten Geschäfte, Kinderbetreuung und Schulen für die Unterstufe blieben weitestgehend im Normalbetrieb geöffnet. Trotzdem leiden Kinder und Jugendliche besonders unter den Einschränkungen durch die Pandemie.

In Schweden waren Kinder und Jugendliche nicht in erster Linie von Lockdowns betroffen, sondern von der Furcht vor den Folgen einer Erkrankung für sich selbst und ihnen nahestehenden Menschen. Vorschulen und Grundschulen blieben im Frühjahr 2020 geöffnet, allerdings wurden weiterführende Schulen auf Homeschooling und selbst organisiertes Lernen umgestellt.

Über 1.000 Kinder und Jugendliche berichten über ihre Erfahrungen mit Corona

Das „Department of Public Health and Caring Sciences“ um Sozialmedizinerin Professor Anna Sarkadi an der Universität Uppsala befragte im Frühjahr 2020 über 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren zu ihrer persönlichen Erfahrung mit Corona. Das Ziel war es Kindern und Jugendlichen in der Coronakrise eine Stimme zu geben, zu sehen wie intensiv sie sich mit der Pandemie beschäftigen und Handlungsideen für die Zukunft zu finden. Dazu nutzten die Forscher/-innen internetbasierte Fragebögen mit größtenteils offenen Fragen und einen Malwettbewerb, um den Zugang möglichst niedrigschwellig zu gestalten. Vor allem Kinder aus ökonomisch gut situierten Familien beantworteten die Fragen. 18% der 4-12jährigen Kinder gaben an in Mietwohnungen zu leben im Vergleich zu 26% in ganz Schweden. Diese Angabe zählt die Forschergruppe als Indikator für niedrigeres Familieneinkommen, da es in Schweden einen großen Anteil an Eigenheimbesitzern gibt.

Auch kleine Kinder reflektieren ausgeprägt zum Thema Corona

Die Studie der Universität Uppsala zeigt, dass sich bereits kleine Kinder sehr intensiv mit der Coronapandemie beschäftigen und sehr gut verstehen, welche Auswirkungen es geben könnte. 63% der 4-12jährigen machten sich Sorgen, dass sie selbst oder eine ihnen nahestehende Person sterben könnte und 13% machten sich existentielle Sorgen um die Zukunft (z.B. dass alle Menschen sterben könnten oder, dass die Pandemie niemals endet). Nur 24% in dieser Altersgruppe gaben an sich keine Sorgen zu machen. Die 13-18-jährigen machten sich ähnliche Sorgen, 6% von ihnen sorgten sich demnach zusätzlich um die Gesellschaft, etwa vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, einem sinkenden Vertrauen in die Politik oder um die Weltwirtschaft.

Die Forscher veröffentlichten Zitate der Kinder, die ihre Sorgen gut selbst formulieren konnten:

  • Frage aus der Studie: „Was ist das Blödeste an Corona?“ Antwort eines 5-jährigen: „Dass man krank werden kann. Dass Alte nicht rausgehen dürfen. Man soll nicht einkaufen gehen, weil Corona alle anstecken kann, wenn es eng ist.“
  • Frage aus der Studie: „Machst du dir Sorgen wegen Corona?“ Antwort einer 4-jährigen: „Ja, dass jemand sterben wird. Dass ich Corona nicht sehen kann, weil es klitzeklein ist.“

Gute Seiten der Pandemie werden ebenfalls erkannt

Trotz aller Sorgen und Nöte konnten viele Kinder und Jugendliche gute Seiten an der Pandemie nennen: Ca. 25% in beiden Altersgruppen (4-12-Jährige und 13-18-Jährige) erwähnten die Erholung des Klimas durch weniger Reisen. 27% bei den 4-12Jährigen und sogar 41% der 13-18-Jähringen nannten positive Entwicklungen im Bereich Soziales, unter Anderem mehr Zeit mit der Familie zu Hause zu verbringen, weniger Schulstress, neue Dinge lernen oder mehr Zeit draußen zu verbringen. Sorgen machen den Froschenden vor allem die Kinder und Jugendlichen, die nichts Gutes für sich erkennen können, da 25% der 4-12-Jährigen und 23% der 13-18-Jährigen keine positiven Dinge nannten. Auf den begleitenden Internetseiten zur Studie wird auf Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte hingewiesen, sollte sich ein Kind/eine Jugendliche besonders viele Sorgen machen.

Corona Berichterstattung richtet sich eher an Erwachsene

Kinder und Jugendliche können der allumfassenden Berichterstattung in den Medien nicht entgehen und müssen sich so mit größtenteils für Erwachsene gemachten Inhalten auseinandersetzen. Die Forschenden schließen daraus, dass es für Eltern und Fachkräfte wichtig ist, mit Kindern und Jugendlichen über die Pandemie ins Gespräch zu kommen und zu bleiben. Es sollte eine für Kinder und Jugendliche zugeschnittene Berichterstattung geben, damit sie sich über verlässliche und kindgerechte Quellen informieren können. 70% der Jugendlichen gaben sogar an, dass sie sich mehr Informationen wünschen, die sich direkt an sie richten.

Ein 17-jähriger formulierte seine Gefühle so: „Es fühlt sich seltsam an, dass alle, denen man vertraut, Politiker, meine Eltern, genauso wenig wissen wie ich und genauso besorgt sind. Es fühlt sich so unschön an nicht zu wissen was passieren wird, wie lange das alles dauern wird und welche Konsequenzen es haben wird.“ 

Linktipps: Corona kindgerecht erklärt

Auch auf den deutschen Zusammenhang lässt sich diese Erkenntnis der schwedischen Studie übertragen, deshalb hat das Fachkräfteportal eine Liste mit Linktipps dazu erstellt, wie man mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Corona ins Gespräch kommen kann und sie sich auch selbst damit auseinandersetzen können: Corona und Hygiene kindgerecht erklären

Quelle: Studie „Barn och ungens röster om Corona”, Department of Public Health and Caring Sciences, Universität Uppsala, Schweden, Frühjahr 2020

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