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Coronavirus / Kinder- und Jugendpolitik

Statement: Die Virus-Krise (be)trifft alle. Auch Kunst & Kultur!

Eine Jugendliche mit roten Haaren fasst mit beiden Händen an die Schutzmaske, die sie trägt
Bild: Pille Riin Priske - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Felix ist Mitglied der Jugendredaktion des Berliner Jugendportals jup! Er sieht karge Zeiten für die Jugendkultur und fragt, ob das auf Dauer gut gehen kann. Festivals wurden abgesagt, Clubs und Bars dürfen nicht oder erst langsam wieder öffnen. Orte wie diese tragen massiv zu einer Verbreitung des Virus bei. Liegt es nun an der Jugend selbst, ihre Kunst und Kultur zu retten?

Den Februar über, als sich das Corona-Virus in China immer weiter ausbreitete, ging es mir wahrscheinlich wie vielen. „Das kann in China passieren, aber nicht mit unserem guten, deutschen Gesundheitssystem.“ Ich wusch weiter normal meine Hände. Den Ernst der Lage erkannte ich erst, als es hieß, dass eventuell einige Festivals im Sommer nicht mehr stattfinden können und die Veröffentlichung des iPhone 12 im September auf der Kippe stand. Nun brennt sich der Begriff "Corona" langsam in mein Gehirn. Er ist buchstäblich allgegenwärtig in der Welt.

In Berlin kletterte das Thermometer derweil das erste Mal über 20 Grad Celsius. Doch während sich in den letzten Jahren bei den ersten warmen Sommerstrahlen die Menschen auf das Tempelhofer Feld zum Grillen bewegten, herrscht im Jahr 2020 eine merkwürdig bedrückte Stimmung.

Karge Zeiten für die Jugendkultur

Der Grund in diesem Jahr ist wohl ganz klar: Ausgangsbeschränkungen wurden verhängt, Clubs und Bars dürfen nicht mehr öffnen. Einige Festivals im Sommer wurden vorsorglich abgesagt oder verschoben. Orte wie diese tragen massiv zu einer Verbreitung des Virus bei. Doch Orte wie diese sind immer auch Orte, wo neue Jugendkulturen entstehen oder sie sich weiterentwickeln können. All das fehlt nun. Kann das auf Dauer gut gehen?

Die „kleinen“ Künstlerinnen und Künstler sind in dieser Zeit besonders hart getroffen. Ihnen brechen komplett die Bookings weg, und da viele nur von der Hand in den Mund leben, fehlen oft größere Rücklagen für Durststrecken wie diese. Es mag vielleicht etwas kurios wirken, in diesen Zeiten an so etwas zu denken, wo doch ein Virus fast den gesamten Planeten bedroht. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass Bars und Clubs „vielleicht nicht systemrelevant, aber freuderelevant sind“. So drückte es zumindest Robin Schallenberg vom Klunkerkranich im heute journal aus.

Musik für Solidarität: United We Stream

Die schon immer durch Gentrifizierung geschwächte Clubszene erlebt jetzt einen weiteren großen Rückschlag. Dabei ist diese auch ein großer Touristenmagnet für Menschen aus aller Welt. 200 Millionen Euro Jahresumsatz und 9.000 Arbeitsplätze hängen in Berlin an ihr. Doch glücklicherweise ist man hier kreativ. Innerhalb kürzester Zeit wurde in Kooperation mit dem Fernsehsender Arte ein Projekt aus dem Boden gestampft, um zu helfen: #unitedwestream.

Diese Hilfe ist auch bitter notwendig, denn nur wenige Clubs werden ohne ihre Gäste länger als ein paar Wochen überleben können. Alle großen Künstler unserer heutigen Zeit wie zum Beispiel Herbert Grönemeyer, Lady Gaga oder Madonna fingen einmal auf den kleinen Bühnen an. Wenn diese nun fehlen, kann das große Auswirkungen auf die Berliner und natürlich die weltweite Musik- und Kulturszene haben. Doch wie genau die Folgen aussehen werden, weiß keiner so genau. Veranstaltungen wie #unitedwestream, bei der an jedem Abend aus einem anderen Berliner Club ein Livestream gesendet wird, können all das ein wenig abfedern. So wirklich aufhalten kann es halt keiner. Auch keine DJs/DJanes, welche in einem leeren Club per Videoverbindung die „Bude rocken“ wollen. Brauchen wir Dauerlösungen?

Wer rettet die Kunst?

Alles in allem war es dennoch richtig, bestimmte Orte des öffentlichen Treibens zu schließen, an denen sich aufgrund von großen Menschenansammlungen der Virus deutlich schneller ausbreiten kann. Doch ist eine soziale Isolation dafür wirklich der richtige Weg? Schließlich kann diese soziale Isolation zwangsläufig auch zu einer Depression führen. In China stiegen beispielsweise die Fälle von häuslicher Gewalt deutlich an. Deswegen ist das Corona-Virus auch in einer freien und weltoffenen Stadt wie Berlin so befremdlich. In Berlin dachte man, all diese Dinge einer Einschränkung überwunden zu haben: Grenzen, Monogamie oder Markus Söder. Der CSU-Politiker hatte in Bayern innerhalb weniger Tage massiv Grundrechte beschnitten. Liegt es also an der Jugend selbst, ihre Kunst und Kultur zu retten?

Hoffen wir auf ein schnelles, zielführendes Ende der Maßnahmen und darauf, dass damit die Auswirkungen auf die Berliner Kulturwirtschaft minimal bleiben. Wie ein Berlin ohne die Vielzahl an Kulturbetrieben, Künstlern und Veranstaltungen aussieht, möchte man sich gar nicht erst vorstellen. In diesem Sinne: Bleibt positiv und gesund!

Autor: Felix Dorn

Über jup! Berlin

jup! Berlin ist das Informations- und Beteiligungsportal für Jugendliche. Hier können sich junge Menschen informieren, orientieren, eigene Inhalte erstellen, ihre Interessen vertreten, ihre Meinung sagen, Mitstreiterinnen und Mitstreiter suchen und Beratung und Unterstützung für ihre Ideen und Probleme finden. jup! Berlin präsentiert Nachrichten und Jugendinfos von und für Jugendliche und damit das Portal den Vorstellungen der jungen Menschen entspricht, können sie dort selbst mitmachen. Das Jugendportal jup! Berlin wird durch die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie umgesetzt. Felix ist einer von mehr als 40 Mitgliedern der Jugendredaktion von jup! Berlin. Weitere Informationen und Kontakt: www.jup.berlin/ueber-uns

Der Beitrag wurde vom Pressenetzwerk für Jugendthemen veröffentlicht. Weitere Informationen: www.pressenetzwerk.de/jugend-im-shutdown

Quelle: jup! Berlin  Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin

Der Beitrag „Wie wirkt sich das Corona-Virus auf unsere Jugendkultur aus?“ wurde von jup! Berlin erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.