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Coronavirus / Sozialpolitik

Soziale Arbeit – systemrelevant und übersehen

Ein junger Mann hält ein rotes Fragezeichen in seiner Hand mit ausgestrecktem Arm.
Bild: © nito - fotolia.com

Egal ob stationäre Jugendhilfe, Einrichtungen für Geflüchtete oder Wohnungslose. Viele Fachkräfte der Sozialen Arbeit sind aktuell vor schwierige Entscheidungen gestellt. Der Landesverband Berlin des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit (DBSH) kritisiert, dass Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen systemrelevant seien, in Diskussionen häufig aber übersehen würden.

Was passiert, wenn in meiner Einrichtung Corona ausbricht? Verantwortung für Notfallpläne wurde an bezirkliche Gesundheits- und Jugendämter delegiert, die für Fachkräfte in diesen Tagen schwer zu erreichen seien.
Schutzkleidung und Pläne für Quarantänesituationen liegen in vielen Einrichtungen nicht vor. Bei den bisher öffentlichen und als #systemrelevant diskutierten Gruppen werden Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen jedoch übersehen, kritisiert der Berliner Landesverband der DBSH.

Sie seien für die Menschen von Risikogruppen, bei psychischen Krisen oder bei häuslicher Gewalt jedoch sehr relevant, ganz besonders in diesen Zeiten. Hinzu komme, dass der Berliner Senat die stationären- und Kriseneinrichtungen sowie die Jugendämter bei der Ausweitung seiner Regelung zur Notbetreuung (Stand 22.3.20) nicht berücksichtigt habe.

Genau wie in anderen Care-Berufen arbeiten hier überwiegend Frauen, üben komplexe Tätigkeiten aus, arbeiten oft unter prekären Bedingungen und mit unzureichender Bezahlung.

„Wir erwarten, dass Sie zwei Wochen mit in Quarantäne gehen.“

  • „Der Senat muss bei der Regelung für Notbetreuung dringend nachbessern. Die Jugendämter müssen maximal handlungsfähig sein und wenn Kolleg*innen in stationären Einrichtungen in Quarantäne gehen, müssen ihre Familien entlastet werden.“ (Hannes Wolf, 1. Vorsitzender des Landesverband Berlin)
     
  • „Wir brauchen Notfallpläne und Schutzkonzepte für stationäre Einrichtungen. Es kann nicht sein, dass da jeder Träger sich selbst überlassen bleibt.“ (Svenja Ketelsen, Sozialarbeiterin in der Obdachlosenhilfe)
     
  • „Mein Arbeitgeber erwartet indirekt von mir, zwei Wochen in Quarantäne mit den Bewohnern zu gehen, wenn der Verdacht von Corona bei uns auftaucht. Uns wurde mitgeteilt, dass unsere Einrichtung nicht mit Schutzkleidung beliefert wird, da wir nicht priorisiert sind.“ (Fachkraft in der Arbeit mit Geflüchteten)

Über den DBSH

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) e.V. ist berufspolitische Vertretung und tariffähige Gewerkschaft für Soziale Arbeit. Im Zeichen der Solidarität und Fachlichkeit organisieren sich Fachkräfte um gemeinsame Interessen zu vertreten, sich sozialpolitisch einzumischen und an der Entwicklung Sozialer Arbeit mitzuwirken.

Quelle: Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) e.V. – Landesverband Berlin vom 30.03.2020

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