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Coronavirus / Kinder- und Jugendpolitik

Schwerpunkt in der Kinderkommission: Jugend in der Corona-Krise

Frau mit Mundschutz telefoniert und schaut grimmig in die Kamera
Bild: Engin Akyurt - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages machte „Jugend in der Corona-Krise“ zum Thema ihrer Sitzung. Als Sachverständige war auch die Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) Lisi Maier geladen. Der DBJR thematisierte die Kontaktbeschränkungen während der Zeit des Lockdowns und die momentane Situation der Jugendarbeit. Besonders problematisch sei aus jugendpolitischer Sicht, dass junge Menschen in der Phase der Lockerungen nur als Schülerinnen und Schüler gesehen wurden. Jugendbeteiligung gab es in der Krise nicht.

„Von jetzt auf gleich nicht mehr rauszukommen und seine Freunde nicht zu treffen, ist eine Zumutung.“ Lisi Maier zitierte diese Stimme eines Jugendlichen über die Zeit der Ausgangsbeschränkungen aus der JuCo-Studie 2020. Diese Stimme stehe stellvertretend für Millionen junge Menschen, die im Frühjahr 2020 den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung unterworfen waren. Vor allem Kontaktbeschränkungen seien für Kinder und Jugendliche schwer erträglich. Bemerkenswerterweise hätten Kinder und Jugendliche die Regeln aber laut der Sinus-Jugendstudie nachvollziehen können und größtenteils bereitwillig befolgt. Es gab ein großes Verantwortungsbewusstsein in der jungen Generation.

„Jugendarbeit hat nicht dichtgemacht“

Freizeitzentren und Sportvereine, Jugendgruppen und Zusammenhänge, in denen sich die jungen Leute bewegten, waren nie komplett geschlossen. Fachkräfte vor Ort hätten weitergearbeitet, auch ohne Besucherverkehr. Sie haben die Zeit genutzt, um alternative Angebote zu entwickeln. Die staatlichen Förderer haben an den meisten Stellen ihr Engagement fortgesetzt und Stellen in der Jugend(verbands)arbeit weiter finanziert. „Viel Jugendarbeit wurde in den digitalen Raum verlagert, Vernetzung hat stattgefunden – bis hin zu digitalen Zeltlagern“, erklärte Lisi Maier. Man habe versucht aus der Situation das Beste zu machen.

Sie berichtete dem Ausschuss: Junge Menschen verbrächten zwar viel Zeit mit Medien – vor allem, um Freundschaften zu organisieren. „Nach der Aufhebung der Maßnahmen war dann aber plötzlich niemand mehr online. Das Bedürfnis, mit den Freunden raus an den See zu gehen, war größer, als die Freunde in digitalen Räumen zu treffen“, sagte Lisi Maier. Den Digitalisierungsschub dieser Zeit müsse man aber mitnehmen in die neue Normalität nach Corona. Da sei Einiges lang Ersehnte in Bewegung gekommen, was ergänzend weiter gut genutzt werden kann und muss.

Auch die landes- und bundesweite Infrastruktur hat sich gerade in der Krisenzeit bewährt. Sie ermöglichte es, Kontakte zu halten, Informationen – so sie denn für alle galten - zu verbreiten und zu erläutern, sowie eine Rückmeldekultur zu ermöglichen.

Jugendbeteiligung gab es in der Krise nicht

In der Lockerungsphase bestanden große Unterschiede zwischen den Regelungen in den Bundesländern, zwischen kommerziellen und verbandlichen Angeboten. Es bestand ebenfalls das übergreifende Problem, dass Jugendarbeit größtenteils bei den Lockerungsmaßnahmen nur mitgemeint, aber selten als eigenständige Frage betrachtet wurde.
Besonders problematisch war, dass junge Menschen in der Phase der Lockerungen nur als Schülerinnen und Schüler gesehen wurden und ihre Interessen und Bedarfe nicht eingebunden wurden.

Jugendbildungs-, Freizeit- und Begegnungsstätten bräuchten eine sichere finanzielle Basis auch im kommenden Jahr, forderte Lisi Maier. „Dass einige Bundesländer früh Programme aufgelegt und Handlungssicherheit gegeben haben, das war gut. Ebenso das nun aufgelegte Sonderprogramm des Bundes für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.“ Regulatorische Unklarheiten und finanzielle Unsicherheiten dagegen seien nervenzehrend gewesen. An vielen Orten stehe die Finanzierung für 2021 zudem auf dem Spiel, Kürzungen deuten sich insbesondere auf kommunaler Ebene an. Dabei sei die Umsetzung von Präsenzveranstaltungen mit gesteigerten Hygienestandards und partizipativen Onlineveranstaltungen teurer als der Betrieb zuvor: „In den Kommunen ist der Wille nötig, das auszufinanzieren, um im Sinne des gesetzlichen Auftrags die erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung stellen zu können“, sagte Lisi Maier.

Weitere Expertinnen und Experten waren Anke Miebach-Stiens, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e. V., und Gunter Schinke, Vorsitzender des BAG KiEZ Deutschland e. V.

Quelle: Deutscher Bundesjugendring

Der Artikel Kinderkommission machte „Jugend in der Corona-Krise“ zum Thema wurde von Deutschen Bundesjugendring erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme

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