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Appell

Schüler/-innen mit Behinderung dürfen durch erneutes Homeschooling nicht abgehängt werden

Kind mit Beeinträchtigung im Rollstuhl lacht in die Kamera
Bild: © Jaren Wicklund - fotolia.com

Die aktuelle Fassung der Corona-Notbremse sieht eine Schließung der Schulen ab einer anhaltenden 7-Tage-Inzidenz von über 165 vor. In zahlreichen Landkreisen und kreisfreien Städten wurde bereits der Wechsel in den Distanzunterricht beschlossen. Eine Herausforderung, die viele Familien an ihre Belastungsgrenzen bringt und die bereits existierende Bildungsschere weiter vergrößert.

Eltern von Kindern mit Behinderung haben es in der aktuellen Situation besonders schwer. Denn es fehlt die Struktur und ein Plan, wie das Homeschooling ihrer Kinder erfolgreich umgesetzt werden kann. Konkret bedeutet das:

  • Es gibt in der Regel keine Differenzierungsmaterialen und keine differenzierte Unterstützung für Schüler/-innen mit Behinderung – die sonderpädagogische Förderung wird komplett den Eltern überlassen oder hängt vom individuellen Engagement einzelner Lehrer ab.
  • Die für viele Kinder mit Behinderung so wichtige Schulbegleitung bzw. Assistenz fehlt. Zwar wird sie im Sonderfall auch während des Lockdowns gewährt, muss für diesen Zeitraum aber komplett neu beantragt werden.
  • Notwendige Therapien, die vor dem Lockdown in der Schule organisiert wurden, finden nicht statt.

Fehlende Chancengleichheit

„Kinder mit Behinderung werden in der Pandemie nicht mitgedacht, es fehlen inklusive Konzepte – angefangen von barrierefreien Lernmitteln bis hin zur notwendigen Assistenz“, sagt auch Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. „Chancengleichheit ist durch diese Umstände kaum noch gegeben.“ Dennoch kommen Schüler/-innen mit Behinderung in der aktuellen Debatte um das Lernen zuhause bisher kaum vor. Deshalb appelliert die Aktion Mensch, dass Kinder mit Behinderung in der Pandemie nicht abgehängt werden dürfen.

Die Belastung ist besonders groß - Fallbeispiel

So sieht es auch Familie Stenzel. Lily (7) ist die Jüngste von drei Kindern und hat das Down-Syndrom. Sie besucht die zweite Klasse einer Grundschule in Bonn und wird seit der Schulschließung im Dezember von ihren Eltern zuhause unterrichtet. „Die Schule hat uns angeboten, Lily vor Ort zu unterrichten. Dann hätte ihr auch eine Schulbegleiterin zur Seite gestanden. Aber sie hat ein schwaches Immunsystem. Wir haben Angst, dass sie sich mit COVID-19 ansteckt“, sagt Lilys Mutter Gudelia Stenzel. „Für uns ist es jedoch eine große Herausforderung, Lily zuhause zu unterrichten. Es fehlt einfach an geeigneten Lösungen. Wir fühlen uns von der Politik allein gelassen.“

Quelle: Aktion Mensch e.V. vom 21.04.2021

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