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Lehren aus HIV-Epidemie

Produktionslizenzen für Corona-Impfstoffe ausweiten

Bild: © Natali Mis - Fotolia.com

Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) und Brot für die Welt fordern aus Anlass der 11. Internationalen HIV-Konferenz (IAS), zur Eindämmung der Corona-Pandemie Lehren aus der HIV-Epidemie zu ziehen. Der Patentschutz und der Schutz weiterer geistiger Eigentumsrechte auf Covid-19-Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente sollten vorübergehend ausgesetzt werden. Wissen und Technologien zur Herstellung der notwendigen Produkte sollten in den dafür vorgesehenen Patentpool C-TAP eingespeist werden.

Lehren aus der HIV-Epidemie ziehen

Es hat viele Jahre gedauert, bis rund zwei Drittel der Menschen mit HIV Zugang zu einer lebensrettenden Therapie erhalten haben. Entscheidend war, dass durch die Ausweitung der Produktion neuer AIDS-Medikamente und damit einhergehend die Vergabe von Produktionslizenzen an einen Patentpool die Preise für AIDS-Medikamente deutlich reduziert werden konnten.

Mehr als 34 Millionen Menschen sind bis heute an AIDS-bedingten Erkrankungen gestorben. Bislang sind weltweit fast vier Millionen Menschen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten, gestorben.

In Afrika nur 1% der Bevölkerung zweifach geimpft

„Wir haben die Chance, Millionen Menschenleben zu retten, wenn alle Menschen jetzt Zugang zu Impfstoff bekommen“, sagt Dr. Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e. V. (Difäm). Doch die Impfstoffe sind knapp und teuer, und der Zugang zu Tests, Sauerstoff und lebensrettenden Medikamenten ist eng limitiert. Gegen Corona sind in Afrika bisher nur ein Prozent der Bevölkerung zweifach und damit vollständig geimpft.

Medikamentenversorgung weltweit umgestalten

„Patente und der Schutz von weiterem geistigen Eigentum dürfen dem weltweiten Zugang zu lebensrettenden Medikamenten und Präventionsmaßnahmen wie Tests und Impfungen nicht im Weg stehen“, sagt Mareike Haase, Fachreferentin für internationale Gesundheitspolitik bei Brot für die Welt. „Das internationale Patentsystem erweist sich immer wieder als große Hürde für einen gleichberechtigten Zugang. Deshalb müssen wir dringend das System der Medikamentenversorgung weltweit umgestalten, um das Menschenrecht auf Gesundheit zu verwirklichen.“ Schneider ergänzt: „Wir brauchen keine Impfstoffspenden, sondern lokale Produktionsstätten für Vakzine. Dafür müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden.“

Weltweit müssen Gesundheitssysteme nachhaltig gestärkt werden

Länder wie Indien und Südafrika haben die Kapazitäten und das Fachpersonal, um Covid19-Impfstoffe herzustellen. Eine weitere Voraussetzung für den Zugang zu Medikamenten, Diagnostika und Impfstoffen ist ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. „Weltweit müssen deshalb die Gesundheitssysteme nachhaltig gestärkt, die Infrastruktur muss aufgebaut und Gesundheitsfachkräfte geschult werden“, so Gisela Schneider. Das Difäm und Brot für die Welt arbeiten mit lokalen Partnerorganisationen an der Stärkung der Gesundheitssysteme, damit mehr Menschen auf Corona getestet, in Behandlung gebracht und geimpft werden können und um insgesamt eine bessere Gesundheitsversorgung zu erreichen. „Wir erleben eine schwere Corona-Welle in unseren Partnerländern, beispielsweise in Liberia, wo die Krankenhäuser die vielen Patientinnen und Patienten nicht mehr versorgen können“, so Gisela Schneider. Deshalb haben das Difäm und Brot für die Welt neue Lieferungen mit Schutzmaterialien, Tests und Sauerstoffkonzentratoren auf den Weg gebracht. Zudem werden Fachkräfte aus den Gesundheitseinrichtungen in Webinaren im Umgang mit dem Virus geschult.

„Die internationale Gemeinschaft muss eine bessere Gesundheitsversorgung neben der Vorbeugung zukünftiger Pandemien höher als bisher auf die Agenda setzen. Viel zu lang wurden die gesundheitlichen Bedürfnisse von Millionen von Menschen vernachlässigt“, so Mareike Haase. Aber auch die Staaten selbst müssen eine solide Gesundheitsfinanzierung aus eigenen Ressourcen gewährleisten. Bereits vor zwanzig Jahren einigten sich die Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union in der Erklärung von Abuja darauf, dass mindestens 15 Prozent ihres nationalen Budgets in die Stärkung des Gesundheitssystems fließen soll.

Quelle: Brot für die Welt vom 15.07.2021

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