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Coronavirus / Kinderrechte

Nicht nur in Bangladesch sind extrem arme Menschen in größter Gefahr

Ein Mädchen aus Bangladesch beim Lernen.
Bild: © Plan International

Das Coronavirus entfaltet eine riesige Armuts- und Kinderschutzkrise weltweit. Davor warnt das Kinderhilfswerk Plan International und stellt sich auf eine immense Zunahme von Armut und geschlechtsspezifischer Gewalt in Bangladesch ein. Das südasiatische Land ist eines der ärmsten und bevölkerungsreichsten der Welt.

In Bangladesch käpft der Staat in der Coronavirus-Pandemie besonders mit Massenarbeitslosigkeit und den Folgen eingeschränkter Bewegungsfreiheit. „Die bestätigten Fälle von COVID-19 in Bangladesch sind zwar vergleichsweise gering, im Hintergrund bahnt sich dort aber eine humanitäre Katastrophe an, die noch Generationen andauern kann“, sagt Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland.

Menschen leben von der Hand in den Mund

In Bangladesch leben 164 Millionen Menschen auf sehr begrenztem Raum. Etwa 90 Prozent arbeiten im informellen Sektor, zum Beispiel der Textilindustrie, und leben buchstäblich von der Hand in den Mund. Durch Ausgangssperren brechen ihnen nun sofort jegliche Einnahmen weg. Versicherungen und finanzielle Unterstützung gibt es nicht, was auch für Menschen in vielen anderen extrem armen Ländern gilt, etwa in Afrika. Zusätzlich erschwerend kommt in Ländern wie Bangladesch hinzu, dass es keine Möglichkeit für eine physische Distanzierung gibt. „Das Land ist auf eine große Zahl von Coronavirus-Fällen absolut nicht vorbereitet, und das Gesundheitssystem ist bereits überlastet“, sagt Maike Röttger. Bis Mittwoch, 22. April 2020, gab es in Bangladesch 3.772 bestätigte COVID-19- und 120 -Todesfälle.

Insbesondere Mädchen schweben in größter Gefahr

Ausgangssperren, Isolation zu Hause und mangelhafte medizinische Versorgung wirken sich in Bangladesch sowie anderen armen Länder nicht nur fatal für Tagelöhner aus. Auch ihre Kinder – insbesondere Mädchen – schweben unter den aktuellen Umständen in größter Gefahr. „Die Corona-Krise trifft uns alle, aber für die Schwächsten, die Menschen ohne Stimme und in Armut, sind die Auswirkungen ungleich größer“, warnt Maike Röttger. „Neben einer Armutskatastrophe erwarten wir einen Anstieg der Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen.“ Bangladesch hat bereits jetzt eine der höchsten Raten von Kinder-, Früh- und Zwangsheiraten der Welt. Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist weit verbreitet. Diese Kinder- und Menschenrechtsverletzungen werden in der Corona-Krise noch verstärkt.

Kinderschutz, Bildung und medizinische Hilfe im Vordergrund

Um sich auf die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie vorzubereiten, hat die Kinderrechtsorganisation Plan International für seine 55 Programmländer Nothilfe- und Hygienepläne entwickelt. Der Kinderschutz, digitale Bildungs- und Lernmöglichkeiten sowie medizinische Hilfe für benachteiligte Familien stehen im Vordergrund. In Bangladesch führte Plan International jahrelang erfolgreich Programme gegen Kinderheirat durch. 

Plan International ist eine unabhängige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe. Mädchen und Jungen sollen weltweit die gleichen Rechte und Chancen haben und ihre Zukunft aktiv gestalten. Um das zu erreichen, setzen wir in unseren Partnerländern effizient und transparent Projekte zur nachhaltigen Gemeindeentwicklung um und reagieren schnell auf Notlagen und Katastrophen, die das Leben von Kindern bedrohen. In mehr als 75 Ländern arbeiten wir Hand in Hand mit Kindern, Jugendlichen, Unterstützenden und Partnern jeden Geschlechts, um unser globales Ziel zu erreichen: 100 Millionen Mädchen sollen lernen, leiten, entscheiden und ihr volles Potenzial entfalten. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bestärken uns in unserem Engagement.

Weitere Informationen zum Kinderhilfswerk Plan International: www.plan.de

Quelle: Plan International e.V. vom 24.04.2020

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