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Coronavirus / Kinderrechte

Mädchen und Frauen in ärmeren Ländern vor allem Leidtragende

Eine junge Schwarze zeigt auf dem Globus auf Afrika

Das Kinderhilfswerk Plan International weist auf die Auswirkungen der Corona-Krise insbesondere für Mädchen und junge Frauen hin. Durch die aktuellen Ausgangsbeschränkungen sind sie einem extrem hohen Risiko häuslicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Außerdem steigt die Gefahr von Kinderehen und frühen Schwangerschaften. Derzeit gehen rund 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Universität - darunter fast 743 Millionen Mädchen.

Je länger die Corona-Krise anhält, desto mehr leiden Mädchen und Frauen darunter. Haben sie sechs Monate lang wegen der Ausgangsbeschränkungen keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten und Verhütungsmitteln, wird das in den einkommensschwachen Ländern zu etwa sieben Millionen ungeplanten Schwangerschaften führen, so UN-Schätzungen. „Das sind katastrophale Aussichten – vor allem für heranwachsende Mädchen und junge Frauen“, sagt Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland. „Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt sind schon jetzt eine verbreitete Todesursache bei Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren.“ Schätzungen der Vereinten Nationen prognostizieren zudem 13 Millionen zusätzliche Kinderheiraten in den einkommensschwachen Ländern, sollte dort das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf längerfristig um nur zehn Prozent sinken.

Risiko von Kinderehen und ungewollten Schwangerschaften steigt

Maike Röttger: „Eltern wissen sich in der Krise oft nicht anders zu helfen, als ihre Töchter zu verheiraten, damit sie versorgt sind. Solche Erfahrungen haben wir bereits während der Ebola-Krise 2014 bis 2016 machen müssen. Damals stieg die Zahl der Frühverheiratungen in den besonders betroffenen Regionen um mehr als 60 Prozent. Covid-19 könnte die jahrelangen Bemühungen und Erfolge im Kampf für Gleichberechtigung und für die Achtung der Kinderrechte zerstören. Mädchen und Frauen in den einkommensschwachen Ländern sind in Gefahr, zu den Leidtragenden der Corona-Krise zu werden – vor allem wenn ungewollte Schwangerschaften und Kinderehen massiv zunehmen.“

Recht auf reproduktive und sexuelle Gesundheit

Plan International fordert, dass Mädchen und junge Frauen in der Corona-Pandemie ihr Recht auf reproduktive und sexuelle Gesundheit und Selbstbestimmung wahrnehmen können – und damit ihre verbrieften Rechte. Es ist begrüßenswert, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Schutz der sexuellen und reproduktiven Selbstbestimmung in seinem Corona-Sofortprogramm vorsieht. Der Fokus muss bei der weiteren Ausgestaltung der Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 fortgeschrieben und mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestaltet werden.

Hintergrund

Schon vor der Corona-Pandemie hatten viele Mädchen in ärmeren Ländern nur geringe Chancen auf eine Schulbildung. Durch die Schließung von Schulen wird dieses Problem jetzt noch verstärkt. Mädchen müssen im Haushalt arbeiten, die Betreuung ihrer Geschwister übernehmen oder zum Einkommen der Familie beitragen. Selbst wenn Schulen wieder öffnen, werden arme Familien kein Geld mehr haben, um ihre Töchter wieder in den Unterricht zu schicken.

Plan International veröffentlicht seit Jahren Berichte zur Situation von Mädchen in Krisenregionen. In den „Girls in Crisis“-Reports beklagten Mädchen durchweg, dass sie nicht mehr zur Schule gehen konnten, sondern Aufgaben im Haushalt übernehmen mussten, in dem auf engstem Raum oft das Risiko von Gewalt höher ist.

Zahlen zu den Auswirkungen von Covid-19 auf Mädchen und Frauen

  • Rund 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche gehen derzeit nicht zur Schule oder zur Universität - darunter fast 743 Millionen Mädchen. Für Mädchen aus Ländern mit niedrigem Einkommen ist die Gefahr, nach der Corona-Krise nicht in Schulen zurückzukehren, deutlich höher als für Jungen.
  • Über 111 Millionen Mädchen leben in Ländern mit besonders niedrigen Einkommen, in denen der Zugang zu Bildung bereits jetzt ein großes Problem ist.
  • Etwa 75 Millionen Kinder lebten schon vor der Corona-Krise in von Krisen und Kriegen betroffenen Gebieten. Das Risiko, dass sie keine Sekundarschule besuchen, ist mehr als doppelt so groß wie bei Jungen.

Quelle: Plan International Deutschland e.V. vom 07.05.2020

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