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Coronavirus / Kinder- und Jugendpolitik

Jugendliche sind mehr als Schüler – Lockerungen bei der Jugendarbeit gefordert

Zwei jugendliche Mädchen sitzen sich auf Schaukeln auf einem Spielplatz gegenüber
Bild: Bewakoof - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

„Wir Jugendlichen werden doch nur als Schüler gesehen. Wir sollen lernen, lernen, lernen“ – Die jüngst veröffentlichten Ergebnisse der Studie der Universitäten Hildesheim und Frankfurt zur Lebenssituation Jugendlicher in Zeiten der Corona-Pandemie machen deutlich, dass die Bedürfnisse und Belange von Jugendlichen in den letzten 2 Monaten zu wenig berücksichtigt wurden. Der Landesjugendring Niedersachsen fordert die Politik auf, dies zu ändern.

Angebote für junge Menschen bei Lockerungen nicht berücksichtigt

Junge Menschen brauchen Freiräume zur eigenen Entfaltung. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich mit anderen Jugendlichen unverzweckt zu treffen und sie brauchen Freizeitmöglichkeiten außerhalb der elterlichen Wohnung. Der Landesjugendring Niedersachsen e.V. (LJR) kritisiert daher, dass bei den bislang beschlossenen Lockerungen solche Angebote für junge Menschen nicht berücksichtigt wurden: „Erwachsene können sich mit befreundeten Pärchen in der Gaststätte treffen, aber Jugendliche nicht mit ihren engsten Freund(inn)en im Jugendzentrum. Erwachsene dürfen in ihrer Freizeit in die Volkshochschule gehen, aber Jugendliche sich nicht in der Jugendgruppe treffen“ verdeutlicht LJR-Vorstandssprecherin Claudia Nickel die Situation junger Menschen.

Sie fordert die Niedersächsische Landesregierung auf, jungen Menschen wieder die Teilhabe an Freizeitangeboten der Jugendarbeit zu ermöglichen: Der Landesjugendring Niedersachsen und die Landesarbeitsgemeinschaft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit haben dazu eine umfangreiche Stellungnahme vorgelegt, unter welchen Voraussetzungen solche Angebote wieder stattfinden könnten. Leider gebe es noch keine Rückmeldung der Landesregierung dazu.

Jugendliche brauchen Sommerferien als Zeit der Regeneration

Auf absolutes Unverständnis stoßen bei den Jugendverbänden daher auch Überlegungen im politischen Raum, in den Sommerferien eine „Sommerschule“ anzubieten: „Jugendliche haben in den letzten Wochen nicht gefaulenzt! Homeschooling bedeutet für viele Schüler/-innen eine sehr große Belastung. Die Sommerferien müssen als Zeit der Regeneration gerade nach so belastenden Monaten erhalten bleiben. Es braucht keine Sommerschule, es braucht jetzt Planungssicherheit, ob und welche Angebote der Jugendarbeit in den Ferien stattfinden dürfen.“ betont Nickel.

Nur, wenn die Jugendgruppen und Vereine rasch wüssten, was für Angebote dann (sofern es nicht wieder zu einer erhöhten Zahl Infizierter kommt) erlaubt sein werden, könnten Planungen oder die Entwicklung neuer Angebote fortgesetzt werden. „Die meisten Ehren- und Hauptamtlichen in der Jugendarbeit wollen wieder loslegen und Kindern und Jugendlichen eine tolle Ferienzeit ermöglichen. Wenn die Rahmenbedingungen klar sind, werden sie ihre Planungen darauf anpassen und das Beste für junge Menschen in diesem Sommer möglich machen.“, ist sich die Vorstandssprecherin des LJR sicher.

Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen

Die „Studie JuCo – Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen“ wurde vom Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ umgesetzt, der sich aus den Universitäten Hildesheim, Frankfurt und Bielefeld zusammensetzt. Über 5.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren sind in die Analysen eingeflossen und zeigen auf, wie es den jungen Menschen geht und welche Botschaften sie haben.

Quelle: Landesjugendring Niedersachsen e.V. vom 14.05.2020

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