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GUT DRAUF – Praxisbeispiel zur Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe

Ein Junge klettert an einer Kletterwand
Bild: pexels.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Das Projekt GUT DRAUF verfolgt einen integrierten Ansatz: Gesundheitsrelevante und sich beeinflussende Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Stress werden unter Berücksichtigung der jeweiligen Alters- und Zielgruppe aufgegriffen und miteinander verknüpft. Lesen Sie hier in der Reihe des Fachkräfteportals „Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe“ mehr zu den Projektinhalten, zur Finanzierung und zu weiteren notwendigen Umsetzungsressourcen.

Praxisbeispiel GUT DRAUF

Projekttitel

GUT DRAUF

Träger und Handlungsfeld in der Kinder- und Jugendhilfe

transfer e.V., offene Jugendarbeit, Kinder- und Jugendreisen/Freizeiten, Sportvereine, Jugendverbandsarbeit, offener Ganztag

Projektmitarbeitende: Anzahl, Umfang, Qualifikation, Kooperation

In dem GUT DRAUF-Team arbeiten aktuell 5 Kolleg(-inn)en mit einem Stellenumfang von insgesamt 2 Vollzeitstellen. Die Kolleg(-inn)en haben Grundqualifikationen in den Bereichen Pädagogik und Gesundheitswissenschaften. Das bundesweite GUT DRAUF-Netzwerk besteht aus ca. 600 Einrichtungen aus den o.g. Bereichen sowie aus Schulen und Trägern der beruflichen Qualifizierung. In den vergangenen 20 Jahren haben bis zu 800 Fachkräfte pro Jahr an Qualifizierungsangeboten von GUT DRAUF teilgenommen. 

Die Aktion wird inhaltlich von einem bundesweiten Trainer/-innen-Pool geleitet, in dem 35 Menschen mit unterschiedlichen, gesundheitsbezogenen Qualifikationen mitarbeiten.

Projektziele

Problemlage bzw. Ausgangslage zur Projektentwicklung

Die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland schätzen selbst (oder die Eltern) ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein. Gesundheit umfasst dabei das körperliche, emotionale, mentale und soziale Wohlbefinden, verhaltensbezogene Komponenten und die eigene Funktionstüchtigkeit. Zu einer ähnlich positiven Bewertung kommt auch die Langzeituntersuchung zur Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS des Robert Koch-Instituts (RKI). KiGGS zeigt aber auch: Körperliches und psychisches Wohlbefinden sowie die generell wahrgenommene gesundheitsbezogene Lebensqualität nehmen im Jugendalter, insbesondere bei Mädchen, ab. Allgemein nehmen in dieser Lebensphase Stress, Inaktivität, Übergewicht und ein gestörtes Essverhalten zu. Hinzu kommt, dass sich mit zunehmendem Alter, niedrigem sozialen Status und Migrationshintergrund nicht nur die subjektive Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch das Gesundheitsverhalten verschlechtert.

Hier setzt GUT DRAUF an und verfolgt einen integrierten Ansatz: Gesundheitsrelevante und sich beeinflussende Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Stress werden unter Berücksichtigung der jeweiligen Alters- und Zielgruppe aufgegriffen und miteinander verknüpft.

Ziel

Die Kinder- und Jugendaktion GUT DRAUF legt ihren Schwerpunkt auf die Gesundheitsförderung, um so möglichst früh die Voraussetzungen für eine gesunde Lebensweise zu stärken. GUT DRAUF steht für ein ganzheitliches Verständnis, bei dem entscheidende Weichen für die Stärkung gesundheitsförderlicher Lebenskompetenzen bereits im Kindes- und Jugendalter gestellt werden. Persönliche und soziale Lebenskompetenzen sind für ein allgemeines Wohlergeben und für eine höhere Widerstandskraft gegenüber gesundheitlichen Belastungen und Anforderungen wichtig. Lebenskompetenzen können helfen, mit negativen Lebensbedingungen selbstwirksam umzugehen bzw. diese positiv zu beeinflussen. 

GUT DRAUF ist eine ganzheitliche, ressourcenorientierte Aktion, die die Kompetenz und Eigenverantwortung von jungen Menschen stärken will. Die Programme und Bausteine orientieren sich an den Lebenswelten Heranwachsender, um eine nachhaltige Integration gesundheitsfördernder Lebensweisen in den Alltag von Kindern und Jugendlichen zu erreichen. 

Dabei setzt GUT DRAUF konsequent auf die Schaffung gesundheitsförderlicher Strukturen, um eine gesunde Lebensweise für die Heranwachsenden zu ermöglichen. Als erlebnisorientierter Ansatz verbindet GUT DRAUF Gesundheitsförderung mit Spaß und Freude und ermöglicht, in Gemeinschaft mit anderen etwas Neues auszuprobieren.

Zielgruppen des Projektes

Direkte Zielgruppe von GUT DRAUF sind Fachkräfte, die Kinder und Jugendliche beim Erwachsen-Werden in den oben bereits benannten, zentralen Sozialisationsbereichen begleiten. 

Indirekte Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 3 bis 21 Jahren. 

Sozial bedingter Chancenungleichheit trägt GD insbesondere dadurch Rechnung, dass die zentralen Qualifizierungs- und Beratungsleistungen für Fachkräfte und Einrichtungen kostenfrei bzw. zum Selbstkostenpreis angeboten und dadurch insbesondere Einrichtungen in sozial schwachen Regionen erreicht werden, denen in der Regel ausreichend finanzielle Mittel fehlen, um regelmäßige Fachkräftequalifizierungen durchzuführen oder eine bundesweit anerkannte Zertifizierung zu erlangen. Außerdem umfasst die Beratungsleistung explizit eine Beratung zu möglichen Fördertöpfen für die praktische Umsetzung von Gesundheitsangeboten.

Ein weiterer Aspekt, Teilhabe für alle zu ermöglichen, besteht darin, dass das Konzept von GUT DRAUF explizit nicht besonders aufwendige Zusatzangebote verlangt, sondern eine niedrigschwellige, lebensweltbezogen Integration von Gesundheitsangeboten in den Alltag der Kinder und Jugendlichen.  

Konzept und Ergebnisse

Konzeption des Projektes

GD verbindet die Qualifizierung von Fachkräften mit der Zertifizierung von Angeboten und Einrichtungen zu einer ganzheitlichen Organisationsentwicklung. Im Prozess sind dazu folgende Schritte vorgesehen:

  • Anmeldung als GD Partner im bundesweiten Netzwerk von ca.600 Einrichtungen,
  • Teilnahme von mind. 2 Fachkräften an einer dreitägigen Grundlagenschulung,
  • optional: Teilnahme an eintägigen Fachveranstaltungen zu ausgesuchten Gesundheitsthemen,
  • Umsetzung von GD Angeboten im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und Ressourcen,
  • Nutzung der vielfältigen Materialien und Unterstützungsnagebote von GD,
  • optional: Zertifizierung als GD-Einrichtung oder Labelung von GD-Angeboten,
  • optional: Teilnahme an Konzeptentwicklung zur Weiterentwicklung von GD.

Grundsätzliche Kriterien für die Arbeit nach GD: 

  • ganzheitliche Zielsetzung im Dreiklang Ernährung, Bewegung, Stressregulation,
  • Nachhaltige Wirkung im Alltag anstreben,
  • Zielgruppenorientierte Arbeit durch Aufgreifen aktueller Jugendkulturen,
  • Gesundheit attraktiv verpacken durch das "in Szene setzen" von Aktionen,
  • die Umsetzung von GD erfolgt durch eigens geschultes Personal,
  • bei allen Angeboten stehen Partizipation und Teamorientierung im Mittelpunkt,
  • die Angebote werden evaluiert,
  • Partner können auf ein bundesweites Netzwerk zurückgreifen.

Welche Ergebnisse sind erzielt worden?

Die Aktion GUT DRAUF besteht seit 1992. Seit Anfang der 2000er Jahre können sich Einrichtungen alle drei Jahre nach GUT DRAUF zertifizieren lassen. Jedes Jahr werden bis zu 800 neue Fachkräfte geschult und auf einen gesundheitsorientierteren Alltag mit Kindern und Jugendlichen vorbereitet. 

Im Projektzeitraum wurden über 300 Einrichtungen zertifiziert und über 300 Labelprogramme ausgestellt. Einzelne Einrichtungen gehen inzwischen in ihre 5. oder 6. Nachzertifizierung, d.h. sie arbeiten seit fast 20 Jahren nach den Prinzipien von GUT DRAUF und sind davon nachhaltig so überzeugt, dass sie nach wie vor alle Standards einhalten. 

Ein weiterer Erfolg besteht darin, dass sich aus GUT DRAUF heraus eigene Gesundheitssiegel entwickelt und auf dem Markt etabliert haben, wie z.B. im Deutschen Jugendherbergswerk, im Rhein-Sieg-Kreis und im Landkreis Forchheim.

Was sind die Maßnahmen zur Qualitätssicherung / zum Monitoring? 

GD besteht seit fast 30 Jahre und verfügt über ein bundesweites Netzwerk mit ca. 600 Partnern, die zum Teil bereits seit vielen Jahren GUT DRAUF umsetzen und ihre Einrichtungen alle drei Jahre nachzertifizieren lassen.

Neben den positiven Rückmeldungen der Einrichtungen und Fachkräfte wurden in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit den Hochschulen aus Düsseldorf, Ludwigsburg und Bochum zwei Evaluationsinstrumente entwickelt. Zum einen eine Schulungsevaluation, die zum Ziel hat, das Gesundheitsverständnis von Multiplikator(-inn)en zu ermitteln, das Erreichen der Schulungsziele zu überprüfen und die Schulungsdurchführungen zu optimieren. Erste Ergebnisse weisen auf eine hohe Schulungsqualität und Zufriedenheit der Teilnehmenden hin. Zum anderen ein modulares Evaluationskonzept, welches als erstes Evaluationsinstrument die Wirksamkeit von gesundheitsförderlichen Projekten misst und dadurch eine Gesundheitsförderungskultur ermittelt.

Finanzierung und Förderung

Wie ist das Projekt finanziert bzw. gefördert?

Die meisten Angebote im Rahmen von GUT DRAUF werden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finanziert. Hierzu zählen u.a. 

  • dreitägige Grundlagen-Qualifizierungen für bis zu 250 Fachkräfte pro Jahr und
  • digitale oder analoge Fachveranstaltungen zu ausgewählten Gesundheitsthemen für bis zu 250 Fachkräfte pro Jahr.

Darüber hinaus werden die Labelung von Programmen, die konzeptionelle und wissenschaftliche Weiterentwicklung sowie einzelne Beratungs- und Begleitungsangebote finanziert, z.B. Internetauftritt, Newsletter, Fachveröffentlichungen. Eine Zertifizierung muss die Einrichtung selbst finanzieren. 

Gibt es eine Unterstützung durch die Kommune oder durch ein kommunales Netzwerk?

GUT DRAUF ist bundesweit angelegt. In einigen Kommunen gibt es ergänzend zu den durch die BZgA finanzierten Angeboten kommunale Vernetzung und Unterstützung, insbesondere für den Bereich der offenen Jugendarbeit, aktuell z.B. in Düsseldorf, Köln, Braunschweig, München, Bocholt, Berlin, Rhein-Sieg-Kreis. Hier übernimmt die Kommune die Koordination eines Netzwerks, die finanzielle Unterstützung der Einrichtungen oder auch die Bereitstellung finanzieller und personeller Ressourcen zur Weiterentwicklung der Gesundheitsförderung.

Inwieweit wird das Projekt fortgeführt?

GD ist auf eine dauerhafte Umsetzung angelegt. Ein Zertifikat muss alle drei Jahre, ein Labelprogramm alle zwei Jahre überprüft werden. Für Fachkräfte, die neu in einer GD Einrichtung anfangen, gibt es jedes Jahr die Möglichkeit, eine Basis-Qualifizierung zu besuchen. Bereits geschulte Fachkräfte können jährlich unterschiedliche Fachveranstaltungen zu ausgesuchten Gesundheitsthemen besuchen.

Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe

Wie hat sich die Arbeit durch die Pandemie verändert?

Für die Fachkräfte-Qualifizierung und für die Auditierung der Einrichtungen wurden digitale und blended learning Konzepte erarbeitet. Um Fachkräfte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Pandemie zu qualifizieren bzw. zu unterstützen, hat GD zahlreiche digitale Qualifizierungsformate entwickelt und kostenfrei angeboten. Themen waren bzw. sind z.B. Kinder mental stärken, Online-Meetings attrakiv gestalten, gemeinsam digital kochen.
 

Was bräuchten Einrichtungen um Gesundheitsförderung als Bestandteil ihrer Arbeit zu etablieren?

Gesundheitsförderung ist aus Sicht von GD in erster Linie eine Haltungsfrage. Wenn Fachkräfte und Träger verinnerlicht haben, dass es bei Gesundheitsförderung mit Kindern und Jugendlichen in erster Linie darum geht, dieses eher spröde Thema durch Erleben, Erfahrungen und tägliches Tun zu vermitteln, lässt es sich mit vergleichsweise geringem Aufwand in den Alltag integrieren: ein regelmäßiges Wasserangebot, selbstgemachte Ofenpommes statt Tiefkühlpizza, ein Bewegungsangebot in den Pausen oder eine gemütliche "Teatime" lassen sich einfach umsetzen, kommen bei Kindern und Jugendlichen an und erzielen einen positiven Effekt. 

Damit dies gelingen kann, brauchen Fachkräfte ein entsprechendes Mindset und einen Pool an Ideen, wie sich der Alltag gesund "aufpimpen" lässt. Dies wird in GD Schulungen vermittelt. Natürlich sind dazu auch ein entsprechender Betreuungsschlüssel und eine entsprechende Ausstattung notwendig.


Weitere Informationen zum Projekt stehen auf der Website von GUT DRAUF zur Verfügung. 

Lesen Sie hier weitere Praxisbeispiele

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