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Impfgerechtigkeit

Globale Solidarität statt nationaler Alleingänge bei der Impfstoffverteilung

Ein Mund-Nase-Schutz, Spritze und Tupfer liegen auf der geographischen Europakarte eines Weltatlanten.
Bild: Frauke Riether – pixabay.com

Das Bündnis Entwicklung Hilft fordert solidarische Lösungsstrategien bei der Impfstoffverteilung, damit der Globale Süden nicht auf Dauer abgehängt wird. Eine Bekämpfung des Virus werde nur global möglich sein.

Die Corona-Pandemie unterstreicht die vorherrschende globale Ungerechtigkeit. Kaum etwas macht diese Ungerechtigkeit derzeit deutlicher als der höchst ungleiche Zugang zu den Impfstoffen gegen das Coronavirus. Die elf Hilfswerke im Bündnis Entwicklung Hilft fordern daher solidarische Lösungsstrategien bei der Impfstoffverteilung.

In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern steigt die Zahl der Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft werden täglich weiter an. Wann Impfdosen beispielsweise auch in Äthiopien, Peru oder auf den Philippinen breitflächig verfügbar sind ist dagegen noch unklar. Viele Länder im Globalen Süden können sich die teuren Impfstoffe entweder nicht leisten oder stehen bei den Verhandlungen an letzter Stelle. Noch im Frühjahr hatten sich viele Politiker/-innen in den Industrienationen dafür ausgesprochen, Impfungen und Medikamente als globale öffentliche Güter zu behandeln. Diese Versprechen sind längst überholt. „Statt globaler Impfsolidarität macht sich ein gefährlicher Impfnationalismus breit, bei dem Industrienationen um die Wette bieten, wer die eigenen Staatsbürger/-innen am schnellsten impft“, kritisiert Peter Mucke, Geschäftsführer von Bündnis Entwicklung Hilft.

Solidarität von Industrienationen zur globalen Bekämpfung des Coronavirus notwendig

Angesichts von massiven Ungleichverteilungen bei den Impfungen fordert Bündnis Entwicklung Hilft Deutschland und die EU auf, globale und solidarische Strategien für die Impfverteilung, aber auch für die gesamte Pandemiebekämpfung, stärker voranzutreiben und dabei Länder des Globalen Südens endlich in den Blick zu nehmen. Deutschland muss sich demnach dafür einsetzen, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse, Daten und Technologien zur Pandemiebekämpfung geteilt werden und Endprodukte als öffentliches Gemeingut im Sinne der Menschheit betrachtet werden. Patentschutz, der dem entgegensteht, müsse dem gesellschaftlichen Bedarf angepasst und angemessen geregelt werden. Zwar sollen über die internationale Impf-Initiative COVAX der Weltgesundheitsorganisation in den kommenden Wochen insgesamt 1,2 Millionen Dosen des Pfizer-BioNTech-Impfstoffs in 18 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen geliefert werden, aber das ist schlicht nicht ausreichend. Peter Mucke erläutert: „Wer meint, Engagement für globale Lösungsstrategien sei nur aus Wohltätigkeit nötig, verkennt die Relevanz. Das Virus kann nur global nachhaltig bekämpft und die Pandemie bewältigt werden.“

Die Bündnis-Mitglieder begleiten die Bekämpfung der Pandemie zusammen mit ihren Partnerorganisationen in Ländern im Globalen Süden. Sie stehen bereit, ihre Netzwerke und aufgebaute Strukturen zu nutzen, um einen gerechten Zugang zu den Impfstoffen und Medikamenten zu unterstützen. Schon jetzt tragen sie durch Aufklärungskampagnen und Hygiene-Workshops dazu bei, dass auch Menschen, die in Geflüchtetencamps untergekommen sind, in Armenvierteln leben und in ihren Gesellschaften marginalisiert sind, Zugang zu wichtigen Informationen über die Pandemie bekommen und dadurch wissen, wie sie sich gegen das Virus schützen können.

Hintergrund

Die Hilfswerke Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Kindernothilfe, medico international, Misereor, Plan International, terre des hommes, Welthungerhilfe sowie die assoziierten Mitglieder German Doctors und Oxfam bilden zusammen das Bündnis Entwicklung Hilft. Das Bündnis wurde nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 gegründet, es vereint größere und kleinere Hilfswerke, kirchliche und säkulare – und spiegelt damit einen Querschnitt der deutschen Gesellschaft wider. Fachliche Spezialisierungen und sich gegenseitig ergänzende Kompetenzen ermöglichen eine Hilfe, die der Komplexität von Notlagen und Konflikten entspricht.

Quelle: Bündnis Entwicklung Hilft vom 05.02.2021