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Coronavirus / Kindertagesbetreuung

GEW zur schrittweisen Kita-Öffnung: „Träger und Teams nicht überfordern und an Planung beteiligen!“

Auf einem Papier sind Abdrücke von Kinderhänden in blauer Farbe zu sehen
Bild: Bernard Hermant - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt an, dass es vor einer weiteren Öffnung der Kitas verbindliche Gespräche zwischen Trägern, Kitaleitungen und Kommunen geben müsse, wie die nächsten Schritte vor Ort umgesetzt werden können. Die Bildungsgewerkschaft fordert, die Länder müssen der gewachsener Verantwortung gerecht werden.

„Um sich vorzubereiten, müssen Kitas wissen, ab wann sie mit wie vielen Kindern rechnen können. Infektionsschutz und Personalplanung sind nicht in wenigen Tagen aus dem Ärmel zu schütteln“, sagte Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit, am 07. Mai mit Blick auf die Entscheidungen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten am 6. Mai gefällt haben. „Die Länder haben viele Freiheiten bekommen, jetzt müssen sie der großen Verantwortung gerecht werden, die sie übernommen haben.“ Zudem müssten die Kommunen mit jeder einzelnen Kita klären, wie weit die Situation vor Ort eine Öffnung aktuell zulasse und für welche Maßnahmen die Kitas Unterstützung brauchten. „Der Infektionsschutz für Kinder und Beschäftigte ist dabei das zentrale Kriterium“, so Köhler.

Kurzarbeit in Kitas kontraproduktiv

„Kurzarbeit für Kitateams ist in der aktuellen Situation kontraproduktiv“, sagte der GEW-Experte. „Gerade jetzt, da Kitas auf Öffnungen vorbereitet werden, muss das verfügbare Personal eingebunden werden. Es ist nicht sinnvoll, Beschäftigte in Kurzarbeit zu schicken!“ Besonders bei freien Trägern in Baden-Württemberg, aber auch in Thüringen und anderen östlichen Bundesländern sei Kurzarbeit in Kitas immer noch ein Thema.

Köhler begrüßte die Forderung der Familienministerin Franziska Giffey (SPD), dass die Länder ihre Pläne so schnell wie möglich offenlegten. Nur dann könnten die Träger abschätzen, wie viele Kinder in den nächsten Wochen wieder betreut werden sollen. Gleichzeitig warnte der GEW-Experte jedoch davor, voreilige Versprechungen an Eltern zu machen und die Beschäftigten mit den Problemen einer Öffnung allein zu lassen: „Bereits heute anzukündigen, wann Kitas wieder vollständig geöffnet werden, ist voreilig“, betonte Köhler. Es fehle noch an gesicherten Erkenntnissen etwa darüber, welche Rolle Kinder im Infektionsgeschehen spielen. Zudem müsse klar sein, dass die genannten Daten Ziele definierten, die jedoch je nach Situation in den Ländern flexibel gehandhabt werden müssen.

Ausweitung der Notbetreuung für besonders belastete Kinder

Ausdrückliches Lob sprach Köhler für die Ausweitung der Notbetreuung für besonders belastete Kinder aus: „Es ist ein Zeichen der Solidarität, dass wir Kinder in schwierigen Situationen in den Blick nehmen – etwa Mädchen und Jungen, deren Familien in beengten Wohnverhältnissen leben oder die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben.“ Dies entspreche auch dem pädagogischen Anspruch vieler Fachkräfte in den Kitas.

Fürsorgepflicht gegenüber Kindern, Familien und Beschäftigten

„Kitas dürfen nur geöffnet werden, wenn sie einen Hygieneplan haben, der Beschäftigte und Kinder wirksam vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützt, unterstrich Köhler. Kommunen und Träger müssten ihre Fürsorgepflicht gegenüber Kindern, Familien und Beschäftigten wahrnehmen. Deshalb seien enge Absprachen zwischen den Kommunen und den Kitas unerlässlich. In den Einrichtungen müssten für die Beschäftigten neue Gefährdungsbeurteilungen erarbeitet werden, die die aktuelle Situation berücksichtigen.
„Niemandem hilft es weiter, wenn Kitas nach kurzer Zeit wieder schließen, weil es Verdachtsfälle gibt oder die Kitas die Zahl der Kinder nicht sicher handhaben können“, sagte der GEW-Experte. Polemik wie „Kinder dürfen in den Biergarten, aber nicht in die Kita!“ sei nicht hilfreich. „Die Öffnung von Bildungseinrichtungen verlangt viel Verantwortungsbewusstsein und stellt hohe Anforderungen an alle, nicht zuletzt an die Gesundheitsämter und die Eltern“, hob Köhler hervor.

Hintergrund

Die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) hatte beschlossen, zunächst die Notbetreuung und dann in Schritten mit mindestens zwei Wochen Abstand den Kitabetrieb weiter bis zum Regelbetrieb auszubauen.

Ministerin Giffey hatte die Länder am 6. Mai aufgefordert, konkrete Daten für die Umsetzung der weiteren Schritte der Kitaöffnung zu nennen.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 07.05.2020

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