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Fit in Grünau – Praxisbeispiel zur Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe

Zehn Kinder spielen zusammen und halten ein buntes Tuch hoch.

Das Projekt Fit in Grünau ist ein Quartiersprojekt zum Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen als Baustein der Düsseldorfer Präventionskette. Lesen Sie hier in der Reihe des Fachkräfteportals „Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe“ mehr zu den Projektinhalten, zur Finanzierung und zu weiteren notwendigen Umsetzungsressourcen.

Praxisbeispiel Fit in Grünau

Projekttitel

Kinder in Grünau – Fit ins Leben: Ein Quartiersprojekt – Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen als Baustein der Düsseldorfer Präventionskette (Kurz: "Fit in Grünau").

Träger und Handlungsfeld in der Kinder- und Jugendhilfe

Jugendamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Jugendhilfeplanung in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Diabetes-Informationszentrum am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ)

Projektmitarbeitende: Anzahl, Umfang, Qualifikation, Kooperation

Das Projekt wird von zwei Projekt- und Netzwerkmitarbeitenden am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) koordiniert. Beteiligt sind an dem Projekt zahlreiche fach- und trägerübergreifende Kooperationspartner/-innen aus verschiedenen Ämtern der Landeshauptstadt Düsseldorf (Regionales Bildungsbüro, Gesundheits-, Jugend-, Sport- und Stadtplanungsamt), der Ärzteschaft, aus Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Gemeinden, Päd. Einrichtungen (Kitas, Grundschule, OGS, JFE), Stiftungen, Vereinen, Wohlfahrtverbänden und Wohnungsgenossenschaften sowie Privatanbieter(-inne)n.

Projektziele

Problemlage bzw. Ausgangslage zur Projektentwicklung

Die Tiefenbohrung des linksrheinischen Sozialraums Grünau im Stadtteil Düsseldorf-Heerdt weist auf einen erhöhten sozialen Belastungsgrad hin. Im gesamtstädtischen Vergleich hat Grünau einen hohen Anteil an Kindern in sozial benachteiligten Lebenslagen. Über 36% der Kinder aus Grünau leben in SGB II-Bedarfsgemeinschaften (städtischer Durchschnitt: 20,3%). Die Betreuungsquote im U3-Bereich ist mit 14% nur halb so hoch wie im städtischen Durschnitt (29.5%). Daten der Schuleingangsuntersuchung (SEU) zeigen zudem, dass Übergewicht, Einschränkungen bei der Koordination sowie Defizite bei sprachlichen Kompetenzen überdurchschnittlich häufig vorkommen. Hinzu kommt, dass die Teilnahme an der U8/9 mit 72,2% deutlich unterm städtischen Durchschnitt (88%) liegt. Weiterhin ist der Anteil der Alleinerziehenden-Haushalte mit knapp 30% höher als in Düsseldorf insgesamt (22,4%).

Doch auch wenn Grünau im städtischen Vergleich über weniger Grünflächen verfügt, gibt es im Quartier u.a. mit zwei Kitas, der Grundschule und dem Familienzentrum sowie der Kinder- und Jugendfreizeitstätte und dem Freizeitpark eine adäquate Infrastruktur, die für den Aus- und Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen genutzt werden kann und sehr viel Potenzial bietet, gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse in und um Grünau zu schaffen.

Ziel

Das Projekt verfolgt das Ziel, auf der Verhältnis- und Verhaltensebene Strukturen auf- und auszubauen sowie Maßnahmen und Angebote zu installieren, die die gesundheitlichen Chancen der Kinder aus Grünau erhöhen. Dazu sollen nachhaltige Strukturen wie der Runde Tisch „Fit in Grünau: Gesundes Aufwachsen“ aufgebaut und im Sozialraum etabliert werden. Um das Thema Gesundheitsförderung und Prävention nachhaltig in den Lebenswelten der Kinder zu etablieren, werden Gesundheitsmultiplikator(-inn)en im Bereich Ernährung, Bewegung und Stressregulation ausgebildet. Dabei werden auch gesundheitsförderliche Aktivitäten in bestehende Strukturen integriert und unter Einbezug der Zielgruppen fehlende Strukturen durch eine gesundheitsförderliche Quartierplanung und -gestaltung identifiziert und aufgebaut. Auf der Zielgruppenebene werden Gesundheitskompetenzen durch verschiedene gesundheitsförderliche Maßnahmen wie Bewegungsangebote sowie Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen zum Thema Ernährung und Stressregulation gefördert. Bei allen Aktivitäten werden die Zielgruppen bei den Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen partizipativ eingebunden.

Zielgruppen des Projektes

Zur Zielgruppe gehören Kinder im Alter von null bis zehn Jahren sowie ihre Familien aus Grünau (Stadtteil von Düsseldorf-Heerdt). Weiterhin gehören die Akteur/-innen aus den verschiedenen Lebenswelten der Kinder aus Grünau zur Zielgruppe, allen voran die pädagogischen Fachkräfte aus Kita, Grundschule, OGS, JFE, Vereine, usw.

Konzept und Ergebnisse

Konzeption des Projektes

In dem dreijährigen Projekt „Fit in Grünau" werden in Grünau, einem linksrheinischen Düsseldorfer Sozialraum im Stadtteil Heerdt mit hohem Belastungsgrad und erhöhtem sozialen und gesundheitlichen Handlungsbedarf, gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse und Maßnahmen für Kinder im Alter von null bis zehn Jahren und deren Familien aufgebaut. Auch werden die Kinder und ihre Familien im Hinblick auf ihre Gesundheitskompetenzen gestärkt. Aufbauend auf bereits bestehenden Strukturen wird ein Runder Tisch „Gesundes Aufwachsen“ etabliert, mit dem Ziel relevante Akteur/-innen aus den Lebenswelten der null- bis zehnjährigen Kinder aus Grünau und angrenzenden Sozialräumen zu vernetzen, um niedrigschwellige Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder dieser Altersgruppe in sozial benachteiligten Lebenslagen im Rahmen einer abgestimmten Gesamtstrategie zu entwickeln.

Um gesundheitsförderliche Maßnahmen und Präventionsangebote bedarfsgerecht und bedürfnisorientiert entwickeln zu können, wurden für die Bestands-, Bedarfs- und Bedürfnisanalyse partizipative Forschungsmethoden gewählt. In partizipativen Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen werden gemeinsam sowohl mit den relevanten Akteur/-innen als auch mit den Zielgruppen selbst, Bedürfnisse und Wünsche zur Gesundheitsförderung und Prävention von Kindern im Alter von null bis zehn Jahren in sozialbenachteiligten Lebenslagen im Setting Quartier generiert.

Welche Ergebnisse sind erzielt worden?

Etablierung einer fach- und ämterübergreifenden Steuerungsgruppe und Gründung eines Runden Tisches und kontinuierliche Erweiterung des Netzwerks durch weitere Abstimmungsgespräche mit potenziellen Kooperationspartner/-innen // Durchführung eines Malwettbewerbs in den pädagogischen Einrichtungen als Kick-Off für die Kinder mit dem Ziel Kinder für das Thema zu sensibilisieren und ein Projekt-Logo zu entwickeln // Durchführung eines Gesundheitstages (OGS) und einer Motto-Woche (JFE) mit Erhebung von Wünschen und Bedürfnissen der Kinder in Bezug auf Gesundheitsförderung // Durchführung einer Elternbefragung zu den derzeitigen Strukturen und Möglichkeiten der Gesundheitsförderung ihrer Kinder. Die Ergebnisse dieser Bedürfnisanalyse fließen in die weitere Planung ein.

Was sind die Maßnahmen zur Qualitätssicherung / zum Monitoring? 

Die Qualitätssicherung erfolgt auf Prozess- und Strukturebene. Entwickelte und durchgeführte Maßnahmen werden dem Public Health Action Cycle (PHAC) bzw. dem Action Learning Cycle (ALC) zugrunde gelegt und kontinuierlich evaluiert. Durch diese kontinuierlichen Reflexionsschleifen lassen sich somit Prozesse und Strukturen optimieren und die Qualität im Projekt weiterentwickeln. 

Bei der Evaluation der gesundheitsförderlichen Angebote zur Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung werden die Zielgruppen partizipativ eingebunden. Dazu werden zum einen Feedbackbögen genutzt. Um diese partizipative Evaluation noch weiter zu kräftigen entstand die Idee einer begleitenden Fokusgruppe, die über die gesamte Projektlaufzeit die Aktivitäten und Maßnahmen praxisnah evaluiert. 

Die Ergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse aus dem Projekt fließen in die Weiterentwicklung der Präventionsarbeit ein und sollen durch Wissenstransfer und Transparenz sowohl der Praxis als auch der Wissenschaft zugänglich gemacht werden.   

Finanzierung und Förderung

Wie ist das Projekt finanziert bzw. gefördert?

Das Projekt wird durch die Krankenkassen NRW nach Paragraph 20a SGB V gefördert. Zudem fließen in das Projekt kommunale Mittel und Eigenmittel des DDZ mit ein. Insgesamt beträgt die Förderdauer drei Jahre.

Gibt es eine Unterstützung durch die Kommune oder durch ein kommunales Netzwerk?

Das Projekt wird durch zahlreiche Kooperationspartner/-innen auf kommunaler Ebene unterstützt. Zum einen gibt es eine fach- und ämterübergreifende Steuerungsgruppe. Zum anderen wurde ein Runder Tisch „Fit in Grünau: Gesundes Aufwachsen" gegründet, der langfristig als ein sektorübergreifendes sozialraumbezogenes Netzwerk der Prävention U27 im Rahmen der kommunalen Präventionsketten etabliert wird.

Inwieweit wird das Projekt fortgeführt?

Da von Anfang an nachhaltige Strukturen aufgebaut werden, die in die Düsseldorfer Präventionskette eingebettet sind, kann die Arbeit im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention auch nach Projektende (12/2023) fortgeführt werden. Die Erkenntnisse des Projekts fließen in die integrierte Präventionsplanung mit ein. Neben dem bestehenden Netzwerk soll verstärkt auch die Ärzteschaft eingebunden werden. Dies ist vor allem für die Erreichbarkeit vulnerabler Zielgruppen förderlich und unterstützt eine stärkere Verzahnung der beiden Bereiche Gesundheits- und Jugendhilfe.

Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe

Wie hat sich die Arbeit durch die Pandemie verändert?

Die Pandemie beeinflusst die Durchführung von gesundheitsfördernden Angeboten für die Kinder. Aufgrund der Auflagen können aktuell nicht alle Vorhaben umgesetzt werden und Partizipationsprozesse der Zielgruppen verlängern sich durch die Kontaktbeschränkungen. Themenschwerpunkte verändern sich, wie die Ergebnisse der Schul- und Kitaeingangsuntersuchungen zeigen. Neben den Aspekten Bewegungsförderung, Sprachentwicklung und gesunde Ernährung ist das Thema psychische/seelische Gesundheit berücksichtigt.

Was bräuchten Einrichtungen, um Gesundheitsförderung als Bestandteil ihrer Arbeit zu etablieren?

  • Erfahrungsaustausch und unterstützende Netzwerke 
  • Qualifizierungen und Schulungen 
  • weitere Informationen 
  • dauerhafte Koordination des Vorhabens 
  • zusätzliche Ressourcen in den umsetzenden Einrichtungen 
  • Systemübergreifende Stellen


Weitere Informationen zum Projekt stehen auf der Website des Landeszentrums Gesundheit NRW zur Verfügung. 

Lesen Sie hier weitere Praxisbeispiele

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