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Coronavirus / Sozialforschung

Familienleben in der Corona-Krise: Was Kindern und Eltern Sorgen macht

Mutter sitzt im Homeoffice vor Laptop, telefoniert mit dem Handy und ihre beiden Kinder sitzen neben ihr
Bild: © Jacob Lund - fotolia.com

Die meisten Kinder in Deutschland vermissen in der Corona-Krise den Kontakt zu Freunden, genießen aber die zusätzliche Zeit zu Hause – jedoch fühlt sich jedes zehnte Kind daheim allein und unwohl. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von Save the Children zum Umgang von Familien mit den Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen.

Während die Kinder vor allem unter den fehlenden Kontakten leiden, nannten die meisten Eltern die Ungewissheit über die Dauer der Maßnahmen als größte Belastung. Forsa befragte in der Woche vor Ostern Kinder zwischen acht und 17 Jahren sowie Erwachsene, die Kinder in diesem Alter haben.

„Ein großer Teil der Familien scheint mit der Situation insgesamt gut umgehen zu können. Aber darüber dürfen wir die Kinder und Familien nicht vergessen, die in der aktuellen Krise stark überfordert sind“, sagt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland. „Wie unsere Umfrage zeigt, haben viele Kinder schlichtweg Angst, fühlen sich eingesperrt und sorgen sich um Streit in der Familie.“

Die größten Sorgen von Kindern und ihren Eltern

Als das größte Problem in der aktuellen Situation empfindet eine große Mehrheit der Kinder (85%), dass sie ihre Freunde nicht mehr sehen können. Die Ungewissheit, wie lange die Krise und die Kontaktbeschränkungen noch dauern werden, belastete vor Ostern 60% der Kinder, während 47% der Mädchen und Jungen störte, dass sie nicht zur Schule gehen können. Mehr als ein Viertel der Kinder wissen nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen (29%) oder empfinden sich als „zu Hause eingesperrt“ (26%). Jedes zehnte Kind fühlt sich in der aktuellen Situation allein oder fühlt sich unwohl, mit der Familie auf so engem Raum zu sein.

Bei den Eltern zählte etwas weniger als die Hälfte (48%) die Tatsache, ihre Freunde nicht sehen zu können, zu den größten Problemen. Gravierender ist es für sie, nicht zu wissen, wie lange die Krise noch dauert (64%), und dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen können (50%).

Furcht vor der Infektion, vor schulischen Problemen und vor mehr Streit in der Familie

Welche Sorgen und Ängste treiben die Kinder und die Eltern in der Corona-Krise um? Bei den Kindern ist die Sorge am größten, dass ein Freund oder Familienmitglied krank werden könnte. 71 Prozent der Kinder befürchten das. Bei den Eltern äußern etwas weniger, nämlich 63 Prozent, diese Sorge. Vor einer eigenen Erkrankung fürchten sich 32 Prozent der Mädchen und Jungen. Bei den jüngeren Kindern zwischen acht und zehn Jahren ist diese Sorge besonders stark: In dieser Altersgruppe haben knapp die Hälfte (45%) die Furcht, selbst mit dem Virus angesteckt zu werden.

Fast jedes fünfte Kind (19%) sorgt sich auch, dass es in seiner Familie zunehmend Streit geben könnte. „Diese Zahl müssen wir sehr ernst nehmen“, betont Susanna Krüger. „Denn Streit oder im schlimmsten Fall häusliche Gewalt können durch die anhaltende soziale Isolation zunehmen. Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, dass der Kontakt zu den Familien nicht abbricht und dass Kinder bei Bedarf wissen, an wen sie sich wenden können.“

Zudem bedrückt es ein Drittel der befragten Kinder, dass sie vielleicht in der Schule den Anschluss verlieren oder den Schulabschluss nicht machen könnten. Die Frage, welche Konsequenzen der ausfallende Schulbesuch für ihre Kinder hat, macht genau so vielen Eltern Sorgen – auch hier liegt der Anteil bei 33 Prozent. Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es jedoch bei der Befürchtung, dass viele Menschen infolge der Corona-Krise ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Während dies einer Mehrheit der Eltern Sorge bereitet (59%), ist es bei den Kindern nur etwas mehr als ein Drittel (34%). Insbesondere für die jüngeren Kinder ist dieses wirtschaftliche Thema schwerer greifbar.

Lernen daheim und innerfamiliäre Kommunikation funktionieren – aber nicht bei allen Familien

Die Forsa-Umfrage zeigt auch einige positive Ergebnisse. So funktioniert in den meisten Familien die Kommunikation über das Coronavirus und seine Gefahren gut. 88 Prozent der Eltern finden es eher leicht oder sogar sehr leicht, mit ihren Kindern über das Thema zu reden. Fast allen Kindern – 92 Prozent – fällt es leicht, mit ihren Eltern über das Coronavirus zu sprechen. Ebenso scheint das Lernen ohne Schule aus Sicht vieler Familien recht gut zu klappen. 70 Prozent der Eltern meinen, dass es bei ihrem Kind bzw. ihren Kindern gut oder sehr gut funktioniert. Die Kinder teilen diese Einschätzung: Fast zwei Drittel (65%) finden, dass das Lernen zu Hause gut läuft. Einige Familien können der Situation sogar etwas direkt Positives abgewinnen: So sagen 43 Prozent der befragten Eltern und 38 Prozent der Kinder, dass sie es genießen, jetzt mehr Zeit mit ihrer Familie zu haben.

„Diese Zahlen zeigen, dass viele Familien die Krise, zumindest bisher, durchaus meistern können. Wichtig ist, dass wir aber ebenso die Kinder und Familien sehen, die in der Krise vor großen emotionalen Schwierigkeiten stehen und die weniger intakt funktionieren“, erklärt Susanna Krüger von Save the Children. „So gibt mehr als jedes fünfte Kind in unserer Umfrage an, in der aktuellen Situation besorgt zu sein. Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen.“ Denn auch wenn dies bislang nur eine Minderheit der Kinder betreffe, so seien die negativen Gefühle im Einzelfall gravierend: „Elf Prozent der Kinder fühlen sich laut unserer Forsa-Umfrage traurig, sieben Prozent haben Angst. Das sind die Kinder, die wir jetzt in Deutschland erreichen müssen. Das sind die Kinder, denen wir Angst nehmen und vor allem Sicherheit geben müssen.“

Angesichts der Ausbreitung von Covid-19 verstärkt Save the Children nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die Aktivitäten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Kinderschutz. Zusätzlich zu ihrer bisherigen Arbeit rund 120 Ländern setzt sich die Kinderrechtsorganisation dafür ein, Neuansteckungen zu verhindern, medizinische Helfer zu unterstützen und die Auswirkungen der Pandemie für Kinder erträglich zu machen.

Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in über 120 Ländern im Einsatz. Save the Children ist da für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen - seit 100 Jahren und darüber hinaus. Diese Kinder zu schützen, zu stärken und zu fördern ist das zentrale Anliegen der Organisation. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie Überleben und Gesundheit. Save the Children setzt sich ein für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbst bestimmt aufwachsen können.

Quelle: Save the Children Deutschland e.V. vom 16.04.2020

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