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Corona-KiTa-Studie

Erste Ergebnisse zum Infektionsgeschehen in Kitas

Eine Gruppe von Kleinkindern steht vor einem Zaun und schaut interessiert auf das Geschehen dahinter
Bild: © Anna Ritter -fotolia.com

Welche Rolle spielt die Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung von Covid-19? Das beleuchtet die Corona-KiTa-Studie, die seit Frühjahr des Jahres vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführt wird. Die wichtigsten Erkenntnisse haben Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 16. Oktober 2020 vorgestellt.

  • Weniger als ein Prozent der Kitas und Kindertagespflegestellen mussten in den letzten Wochen coronabedingt ganz oder teilweise schließen. Inzwischen werden in der Regel auch nicht mehr ganze Einrichtungen geschlossen, sondern nur die betroffenen Kita-Gruppen müssen zu Hause bleiben.
     
  • In etwa einem Viertel der Einrichtungen gab es in den letzten Wochen mindestens einen Verdachtsfall, allerdings haben sich bislang nur sehr wenige als tatsächliche Infektionsfälle erwiesen.
     
  • Die Zahl der gemeldeten Ausbrüche in Einrichtungen pro Woche bewegen sich bislang im einstelligen Bereich – bei bundesweit über 57.000 Kitas.
     
  • Knapp fünf Prozent des Personals in Kitas kann aktuell nicht in der Arbeit am Kind eingesetzt werden. Davon ist aber die Hälfte weiterhin in die mittelbare pädagogische Arbeit eingebunden, zum Beispiel für die Dokumentation.

Familienministerin Dr. Franziska Giffey: „Wenn über neue Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus entschieden wird, müssen die Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien und der Bildungsauftrag von Kitas, Kindertagespflege und Schulen berücksichtigt werden. Inzwischen können wir dank der Corona-KiTa-Studie auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zurückgreifen. Wir brauchen verlässliches Wissen über die Kindertagesbetreuung in der Corona-Pandemie, damit wir verhältnismäßig reagieren können. Aktuell weist die Studienlage darauf hin, dass Kinder im Kitaalter nicht die Infektionstreiber sind. Wir wollen dieses Wissen weiter ausbauen - denn das Ziel bleibt: keine erneuten flächendeckenden Kita-Schließungen.

Wichtige Zwischenergebnisse des KiTa-Registers des DJI

Die nun vorliegenden Zwischenergebnisse liefert das KiTa-Register des DJI, das wöchentlich Daten bei den knapp 12.000 registrierten Einrichtungen abfragt. DJI und RKI informieren in ihrer Pressemeldung, dass in den vergangenen Wochen jeweils rund zehn Prozent der am KiTa-Register teilnehmenden Einrichtungen einen SARS-CoV-2-Verdachts- oder Infektionsfall gemeldet haben. Jede vierte Einrichtung sei bisher von einem solchen Fall betroffen gewesen so die Auswertung bis Kalenderwoche 40 (bis Freitag, 2.10.2020). Tatsächliche bestätigte Infektionsfälle betrafen allerdings nur ein Prozent der Einrichtungen pro Woche.

So wie die Zahl der Infektionsfälle in Deutschland gestiegen ist, hat nach Ende der Sommerferien auch der Anteil der infektionsbedingten Schließungen zugenommen. Insgesamt sind durchgehend weniger als ein Prozent der am KiTa-Register beteiligten Kitas pro Woche von Schließungen betroffen. Sind Schließungen nötig, werden zunehmend eher einzelne Gruppen statt ganzer Einrichtungen geschlossen. Pandemiebedingt fällt seit Ende der Sommerferien circa fünf Prozent des pädagogischen Fachpersonals in der direkten Arbeit mit den Kindern aus. Rund die Hälfte davon (2%) beteiligt sich an der mittelbaren pädagogischen Arbeit, beispielsweise an der Dokumentation und der Vor- und Nachbereitung.

Lüften und Desinfizieren gehört zum Kita-Alltag

Die Abfragen bei den Einrichtungen zeigen zudem, dass die empfohlenen Hygienemaßnahmen sehr diszipliniert umgesetzt werden. So gehört in 90 Prozent der Einrichtungen Lüften und Desinfizieren zum Alltag. Bei Kitas mit Gruppenstruktur arbeiten 69 Prozent mit einer festen und konstanten Personalzuweisung, 66 Prozent mit einer strikten Gruppentrennung im Innenbereich. 

Neben dem KiTa-Register beruht die Corona-KiTa-Studie auf weiteren Modulen. Unter anderem wertet das Robert Koch-Institut die Daten der Gesundheitsämter aus. Bis Ende September wurden 79 Ausbrüche von COVID-19 in Kindertageseinrichtungen und Horten ans RKI übermittelt und dabei insgesamt 381 Fälle registriert. Während 27 Prozent der Betroffenen zwischen null und fünf Jahren alt sind, sind 64 Prozent 15 Jahre und älter, vermutlich vor allem Erzieherinnen und Erzieher. Die bislang höchste Anzahl an Ausbrüchen in Kitas und Horten wurde in Kalenderwoche 37 übermittelt (zehn Ausbrüche).

In Kürze startet das Robert Koch-Institut in Modul vier mit Untersuchungen von konkreten Ausbrüchen in Kitas. Hier werden in Einrichtungen mit einem akuten Infektionsfall ganze Haushalte untersucht: Bei Kindern, Eltern und Fachkräften sollen dann über Wochen Proben entnommen werden, um zu untersuchen, ob und wie der Virus weitergetragen wird.

Die Pressemeldung von DJI und RKI zu den ersten Ergebnisses der Corona-KiTa-Studie steht auf der Website des Forschungsprojekts als PDF zur Verfügung. 

Weiterführende Informationen

Aktuelle Auswertungen sowie der Monatsbericht sind unter www.corona-kita-studie.de/results.html abrufbar. 

Eine neue interaktive Broschüre "Kitas in Zeiten der Corona-Pandemie - Praxistipps für die Kindertagesbetreuung im Regelbetrieb"wird vom Bundesfamilienministerium und vom Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung gestellt. Sie enthält Hintergrundwissen und Links zu den Vorgaben der Länder oder zu aktuellen Studien. Die Broschüre soll fortlaufend aktualisiert werden.

Das Fachkräfteportal hat den Umgang mit Erkältungssymptomen in der Kindertagesbetreuung in einer ausführlichen Übersicht nach Bundesländern zusammengestellt. Außerdem steht ein Überblick über die Regelungen zu den Test-Strategien für Kita-Fachkräfte nach Bundesländern zur Verfügung. 

Zum Hintergrund der Corona-KiTa-Studie

Mit der vom BMFSFJ geförderten Corona-KiTa-Studie erforschen das Deutsche Jugendinstitut und das Robert Koch-Institut aus sozialwissenschaftlicher und medizinisch-epidemiologischer Sicht, welche Folgen das neuartige Coronavirus für Kitas, Kinder, Betreuungspersonen und Eltern hat. Die Erhebung läuft bis Dezember 2021. Mehr unter: www.corona-kita-studie.de

Für das KiTa-Register haben sich bis Mitte September knapp 12.000 Kindertageseinrichtungen bundesweit registriert, mehr als 7.000 Einrichtungen haben die ausführliche Erstbefragung ausgefüllt. Das entspricht 13 Prozent aller Kitas in Deutschland. Einrichtungen und Kindertagespflegepersonen, die noch nicht dabei sind, können jederzeit ins KiTa-Register einsteigen: www.corona-kita-studie.de/registrieren.html 

Quellen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die gemeinsame Pressemeldung von DJI und RKI vom 16.10.2020

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