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Forschungsüberblick

Erschwert die Pandemie den Kinderschutz?

Frau mit Atemschutzmaske hebt die Hände an den Kopf
Bild: Engin Akyurt - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Vor welchen Herausforderungen Kinderschutz-Fachkräfte aktuell stehen, beschreiben DJI-Wissenschaftlerinnen auf Basis eines Forschungsüberblicks. Dr. Birgit Jentsch und Dr. Brigitte Schnock vom Deutsches Jugendinstitut (DJI) haben im Rahmen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) untersucht, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Kinderschutz hat und wie sich die Arbeit von Fachkräften mit den aktuellen Herausforderungen verändert.

Die DJI-Wissenschaftlerinnen werteten wissenschaftliche Artikel, Positionspapiere von Berufsverbänden und erste Ergebnisse empirischer Studien aus. Ihr Fazit: „Der kontinuierliche persönliche Kontakt zwischen den Fachkräften im Kinderschutz und den Familien, der durch den Infektionsschutz besonders beeinträchtigt wird, ist schwer zu ersetzen“. Mitarbeitende in den Jugendämtern hätten trotz Einschränkungen großteils kreative Wege gefunden, ihre Aufgaben im direkten Kontakt mit den Familien zu erfüllen.

Zentrale Aussagen des Forschungsüberblicks

Die zentralen Aussagen der DJI-Wissenschaftlerinnen beziehen sich insbesondere auf die folgenden vier Aspekte.

Fachkräfte müssen mit digitaler Technik ausgestattet und geschult werden

„Doch es ist längst überfällig, digitale Beratungsformate, die derzeit erst erprobt werden, langfristig zu etablieren, um junge Menschen und Familien auch in Zeiten physischer Distanzierung zu unterstützen“, schreiben Birgit Jentsch und Brigitte Schnock in einem Artikel in der September-Ausgabe der Zeitschrift „Child Abuse and Neglect“. „Dafür müssen die Fachkräfte mit der erforderlichen Technik ausgestattet und entsprechend geschult werden“, fordern sie. 

Um Hilfebedarf festzustellen, ist persönlicher Kontakt wichtig

Gleichwohl betonen die Autorinnen, dass die Online- und Telefonberatung an ihre Grenzen stoße. Dies zeigen auch die Ergebnisse des DJI-Jugendhilfebarometers, einer Online-Befragung bei Jugendämtern im April und Mai dieses Jahres: Hilfebedarf festzustellen und den Kinderschutz aufrechtzuerhalten fanden demnach ganz besonders die Mitarbeitenden der Jugendämter problematisch, die keine persönlichen Kontakte zu Familien mehr pflegen konnten.

Ob die Pandemie zu mehr Gewalt in Familien geführt hat, ist nach wie vor ungeklärt

Inwiefern Kinder während der Pandemie einem erhöhten Gefährdungsrisiko ausgesetzt waren, können die DJI-Wissenschaftlerinnen auf Basis der derzeitigen Studienlage nicht abschließend beurteilen. Die stark gestiegene Nachfrage nach Chat- und Telefonberatung für Kinder und Jugendliche, beispielsweise über die Nummer gegen Kummer, und nach telefonischer Elternberatung am Anfang der Pandemie wurde als erster Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Kindeswohlgefährdungen gedeutet. Auch die Daten der Gewaltschutzambulanz des Universitätsklinikums Charité deuteten auf eine Zunahme häuslicher Gewalt und Kindesmisshandlung.

Aus internationalen Erfahrungen mit der Pandemie lernen

„Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Pandemie sollten für den Kinderschutz künftig Strategien entwickelt werden, die internationale Erfahrungen einbeziehen“, fordern Jentsch und Schnock. Sie regen dazu an, mit zunehmender Verfügbarkeit empirischer Daten systematisch und länderübergreifend die Folgen der Pandemie für das Wohlergehen der Kinder zu vergleichen und gegenüberzustellen, wie jeweils Herausforderungen gemeistert wurden.

Der vollständige Artikel „Erschwert die Pandemie den Kinderschutz?“ sowie weiterführende Informationsquellen stehen auf der Website des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zur Verfügung. 

Quelle: Deutsches Jugendinstitut (DJI)

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