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Studie

Die Pandemie zeigt ihre Folgen in fast allen Lebensbereichen

Frau trägt blaue Atemmaske mit den EU Sternen
Bild: Canicus - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Über die körperliche Gesundheit hinaus hat die COVID-19-Pandemie gravierende Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche, die für das individuelle Wohlbefinden wichtig sind. Das zeigt eine aktuelle OECD-Studie.

COVID-19 and Well-being: Life in the Pandemicuntersucht insgesamt elf Dimensionen, die maßgeblich mitbestimmen, ob es Menschen gut geht: Einkommen und Wohlstand, Arbeit und Arbeitsplatzqualität, Wohnsituation, bürgerschaftliches Engagement, Gesundheit, Umwelt, Sicherheit, subjektives Wohlbefinden, soziale Beziehungen, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Wissen und Fähigkeiten. Die Studie betrachtet außerdem soziale, gesamtwirtschaftliche und umweltbezogene Nachhaltigkeitsfaktoren. Daten aus den ersten 12 bis 15 Pandemiemonaten zeigen in all diesen Bereichen deutliche Veränderungen.

Depressionen, Ängste und Einsamkeit haben zugenommen

Sehr viele Menschen haben in der Pandemie Angehörige verloren. Die Todeszahlen sind im Schnitt von 33 OECD-Ländern im Vergleich zur Vorkrisenzeit um 16 Prozent angestiegen (März 2020 - Mai 2021, verglichen mit den vorhergehenden vier Jahren). Gleichzeitig nahmen Depressionen, Ängste und Einsamkeit zu. Viele Menschen fühlten sich von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Auch Angst vor Arbeitsplatzverlust und finanzieller Not war für viele Menschen ein bestimmendes Thema. Zwar konnten staatliche Hilfen viele Arbeitsplätze erhalten, jedoch sagten 14 Prozent der Arbeitnehmer/-innen in 19 europäischen OECD-Ländern zwischen April und Juni 2020, sie hielten es für wahrscheinlich, ihren Arbeitsplatz binnen der nächsten drei Monate zu verlieren. Fast ein Drittel der Befragten in 25 OECD-Ländern berichtete zwischen September und Oktober 2020 von finanziellen Schwierigkeiten.

Menschen mit Migrationsbiographie und ethnische Minderheiten besonders betroffen

Wie stark eine Person die Folgen der Krise zu spüren bekam, hat der Studie zufolge viel mit dem Alter, dem Geschlecht, der Herkunft, der beruflichen Tätigkeit und Qualifikation sowie dem Lohnniveau zu tun. In den wenigen Ländern, für die entsprechende Daten vorliegen, hatten Menschen mit Migrationsbiographie und ethnische Minderheiten ein überdurchschnittlich hohes Risiko, ihren Arbeitsplatz zu verlieren sowie sich mit COVID-19 zu infizieren und einen schwereren Krankheitsverlauf zu erleben.

Die psychische Gesundheit verschlechterte sich 2020 in fast allen Bevölkerungsgruppen. Aber auch hier waren Migrant/-innen in den Ländern mit verfügbaren Daten stärker betroffen als der Durchschnitt. In den Monaten April bis Juni 2020 gaben in Deutschland 27 Prozent der Befragten mit Migrationsbiographie an, sich sozial isoliert zu fühlen – verglichen mit 18 Prozent derer ohne Migrationsgeschichte. Diese Werte liegen deutlich höher als zu Vorkrisenzeiten (5 Prozent bzw. 3 Prozent in 2017). Im weiteren Verlauf der Krise verschärfte sich die Situation. Nach einem Jahr Pandemie, im Februar/März 2021, gab in Deutschland mit 24 Prozent fast ein Viertel der Befragten an, sich die meiste oder ganze Zeit einsam zu fühlen. In Österreich sagten dies 16 Prozent.

Ganz besonders stark litten junge Erwachsene unter psychischen Belastungen. Sie fühlten sich besonders häufig einsam und befanden sich beruflich besonders häufig in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Im Februar/März 2021 gaben im Schnitt von 22 untersuchten OECD-Ländern 29 Prozent der Befragten in der Altersgruppe 18-24 an, unter Einsamkeit zu leiden. 35 Prozent sagten, sie fühlten sich von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Beim Thema Einsamkeit ist zudem eine wachsende Geschlechterkluft zu beobachten. Wie in anderen OECD Ländern berichten Frauen in Deutschland häufiger von Einsamkeit als Männer. Während der Unterschied 2017 noch drei Prozentpunkte betrug, wuchs er zwischen April und Juni 2020 auf 6,5 Prozentpunkte an. Im Februar 2021 erreichte er fast zehn Prozentpunkte. Im gleichen Zeitraum vertieften sich auch die geschlechterspezifischen Unterschiede zuungunsten der Frauen in Bezug auf die Zufriedenheit mit der Zeit, die für Familie und Freizeit zur Verfügung steht.

Wohlbefinden der Bevölkerung in den Blick nehmen

Die Studie apelliert an die Politik, bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Krise stärker in den Blick zu nehmen, was für das Wohlbefinden der Bevölkerung wichtig ist. Ein Hauptziel sollte sein, die berufliche und finanzielle Sicherheit der Haushalte zu stärken, insbesondere für Benachteiligte, Jugendliche, Frauen und Geringqualifizierte. Darüber hinaus sollte mehr für Kinder und Jugendliche getan werden, für die die Krise enorme mentale Belastungen und körperliche Einschränkungen gebracht hat.

Um für ein größeres Wohlbefinden der Menschen zu sorgen, braucht es der Studie zufolge einen umfassenden politischen Ansatz, der aktuelle und langfristige Ziele miteinander verknüpft. Die Ungleichheit beim Zugang zu Bildung und lebenslangem Lernen muss verringert werden, sodass alle Menschen die Chance auf einen hochwertigen Arbeitsplatz bekommen. Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität und der Chancengleichheit müssen im Kontext einer grünen Transformation der Wirtschaft stattfinden, die den Klimazielen gerecht wird. Außerdem gilt es, das Vertrauen der Menschen in die Institutionen ihres Landes zu stärken, denn vom Maß des Vertrauens hängt auch die Effektivität außergewöhnlicher Maßnahmen in Krisenzeiten ab.

Quelle: OECD vom 25.11.2021

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